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Es besteht
kein Zwang, die Mahlzeiten im Gasthof einzunehmen. In
trockenen Sommern ist oft die Versorgung mit Wasser
ungenügend; man trinkt dann besser Sodawasser oder einen
Sauerbrunnen. (...) In einigen besonders besuchten Seebädern (Crikvenica,
Rab, Ragusa u. a.) findet man auch Gasthöfe ersten Ranges,
doch dürfen die Ansprüche nicht zu hoch gestellt werden. (...)
Bei Privatwohnungen für längeren Aufenthalt achte man auf
Sauberkeit, im Winter auf Heizbarkeit der Öfen.
Man kleide
sich sorgsam, auch in den Strand- und Badekostümen, und
vermeide die nur für Gebirgswanderungen geeignete
Lodenkleidung. So angenehm im Sommer ein dünner Waschanzug
sein kann, kleide man sich im Frühjahr und Herbst mit
Rücksicht auf die raschen Witterungswechsel nicht leichter als
zur gleichen Jahreszeit etwa in Mitteldeutschland. Der
Nordländer ist im Süden viel leichter einer Erkältung
ausgesetzt als die gegen Zugluft abgehärteten Einheimischen,
und Erkältung zieht hier häufig nicht bloß Husten oder
Schnupfen, sondern auch Fieber oder Rheumatismus nach sich.
Den besten Schutz gewährt wollenes Unterzeug. Im Winter und in
den ersten Frühlingswochen wird man den Mantel nicht nur im
Freien zur Zeit des Sonnenuntergangs, beim Wechsel von Sonne
und Schatten, sondern auch bei allen Ausfahrten anlegen. (...)
Im Gasthof meide man sonnenlose Nordzimmer und sehe in der
Nacht auf hinreichend warme Bedeckung.
Kriege
werden in diesem Land vom ersten Tag an geführt, als wir auf
dem Miroslav Krleia illyrischen Relief erschienen sind:
Heerzüge und Kriege der Byzantiner,
Franken,
Normannen, der Päpste, der Konstantinopler Patriarchen und
Istanbuler Wesire, Venedigs, der ungarischen, kroatischen und
serbischen Könige, der Ostmark, der Bischofs- und
Kardinaliheere und -strafexpeditionen von Ostrogon und Kanysza
bis Buda, von Mohacs bis Saloniki, in beide Richtungen, durch
alle Jahrhunderte. Tausendundein Krieg, von der Gotik bis zur
Renaissance und von der Romanik bis zum Barock.
Hvar ist
ein schönes melancholisches Land inmitten der dunklen See,
anmutig und grazil, blaugrau vom Lavendel, dessen scharfer
Geruch über die Hügel weht, pinienbedeckt und
kiefernholzreich, Duft nach Wacholder und Ginster, bedeckt von
Steineichen und Heidekraut, Zypressen und Pappeln unter dem
schweren grünen Gehänge heranreifender Johannisbrotbäume. Die
Klippen leuchten wie Marmor unter der dicken adriatischen
Sonne. Buchten stoßen, als wären es Stierhörner, tief ins
Innere der Insel. Und ein kalkbleiches Gebirge zieht sich
viele Kilometer lang als knöchernes Rückgrat von einem
Inselende zum anderen.
Ich war
vierzehn, als meine Eltern mich in die Ferienkolonie auf der
Insel
Lokrum vor
Dubrovnik schickten. (...) Als ich, meinen Koffer in der Hand,
den Pfad betrat, der zum ehemaligen Benediktinerkloster
führte, war ich betäubt von der üppigen subtropischen
Vegetation und der Luft, die ganz anders schmeckte als die,
die ich bis dahin geatmet hatte. Ich hatte das Gefühl, trunken
über dem mit Piniennadeln bedeckten Boden zu schweben (...)
Die drei Wochen, die ich auf der Insel Lokrum verbrachte,
waren für mich ein einziger langer Sommertag, an dem die Zeit
anzuhalten schien. Jeden Augenblick konnten aus dem Wäldchen
die Argonauten auftauchen, auf der Suche nach dem Goldenen
Vlies. Und aus der Grotte des kleinen Sees auf der Insel, der
Totes Meer genannt wird, konnte Odysseus herausstürzen, auf
der Flucht vor den Kyklopen, die in meiner Vorstellung noch
immer in der Höhle hausten. Die archaische Landschaft, in die
ich durch eine glückliche Fügung geraten war, schien mir meine
Urheimat zu sein, das verlorene Paradies, das meine Vorfahren,
von anderen gezwungen oder durch eigene Schuld, verlassen
mußten.
Für den
Fremden, der Jugoslawiens Küste besucht, ist der Einfluß vene-
Christine von Kohl zianischer Kultur meist der erste und
stärkste Eindruck. Was ihm später, wenn überhaupt klar wird,
ist, daß dieses Küstenland überreich ist an Denkmälern, an
Kunst- und Kulturschätzen der kroatischen, d. h. der
slawischen Vergangenheit. Fast alle Völker, von den Griechen
über die Venezianer, den Türken bis zu Napoleon, die mit oder
ohne Erfolg Teile der Küste oder die Inseln begehrt hatten,
haben Spuren hinterlassen.
Jedesmal,
wenn ich die steilen, gewundenen Straßen nach Osten fahre,
Misha Glenny bin ich verblüfft, wie schnell das Paradies der
Dalmatinischen Küste von den schroffen Bergen und steinigen
Plateaus im Hinterland verschluckt wird. Mancherorts ist es
eine Sache von nur ein paar Kilometern, bevor das tiefe Blau
der Adria in das trostlose Flachland übergeht, das von den
unwirtlichen, aber auch spektakulären Dinarischen Alpen
umgeben ist. Je steiler die Straße ansteigt, desto mehr machen
die Palmen der Küsten dem Gestrüpp Platz. Schwach, aber
dennoch zäh, leisten sie auf unerklärIlche Weise den Winden
Widerstand, die gegen die kahlen Felsformationen peitschen.
Diese Winde, die meist nicht vom sanften Meer im Westen,
sondern aus dem Osten kommen, scheinen bei der Prägung dieser
Landschaft eine dominierende Rolle gespielt zu haben. Dennoch
übermitteln sie immer eine knappe, aber vitale Botschaft der
Hoffnung, die trotz der unerbittlichen Umgebung fortbesteht -
den beruhigenden Duft der Pinien, der auch dann vorhanden ist,
wenn der schreckliche Winter alle anderen Zeichen des Lebens
erstickt hat.
Die folgenden Routenvorschläge sollen dem
Reisenden Anregungen für Fahrten durch Istrien und Dlamtien
geben, ohne ihm die Freiheit der eigenen Planung zu nehmen.
Die Routenführung ist so gewählt, daß die Hauptreiseziele in
Istrien und Dalmatien berührt werden. Einen ersten Überblick
über den Routenverlauf gibt die nebenstehende Karte. Im Detail
können die vorgeschlagenen Strecken auf der großen Reisekarte
nachvollzogen werden. Innerhalb der aufgeführten Routen
erscheinen die Orte, die im Kapitel 'Reiseziele von A bis Z'
als Hauptstichwort beschrieben sind, in halbfetter Schrift.
Sämtliche Orte, Landschaften, Flüsse u. a. können über das
Register am Ende des Reiseführers gefunden werden.
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