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Die
Pariser Vorortverträge von 1919 mussten die italienischen
Nationalisten allerdings enttäuschen, denn Italien bekam aus
der Erbmasse des zerfallenen Kaiserreichs zwar Südtirol,
Tarvisio, Görz (Gradisca), das Isonzo-Tal, Triest und ganz
Istrien zugesprochen, jedoch nicht Fiume (Rijeka), auch nicht
die nordkroatische Küste und vor allem nicht Dalmatien
(abgesehen vom Brückenkopf Zadar und einigen Inseln).
Die
gesamten dalmatinischen Gebiete, die Italien nicht
zugesprochen bekam, wurden 1919 dem Neuentstandenen Königreich
der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS), dem späteren
Königreich Jugoslawien, zugeschlagen. Die Empörung in Italien
führte zu Neuverhandlungen. In deren Folge wurden dann Fiume (Rijeka)
zum Freistaat ausgerufen, einige Inseln wieder Rom
zugesprochen, und der alte venezianische Brückenkopf Zadar
vergrößert. Nach neuen politischen Konflikten, Kämpfen und
sogar einem Feldzug der 1000 Legionäre Gabriele D'Annunzios,
des Mussolini-Freundes und literarischen Protagonisten der
pathetisch-nationalistischen Stimmung in Italien, wurde Fiume
(Rijeka) 1924 schließlich geteilt. Lediglich der östliche
Stadtteil Su'Sak verblieb beim SHS-Staat.
Die Küste
war zu jener Zeit allerdings nicht nur Zankapfel zwischen
Italien. Konflikte eines nern und SHS-Staat, sie wurde alsbald
auch zu einem Konfliktherd zwischen Kroaten bzw. Dalmatinern
einerseits und Serben andererseits. Der neue südslawische
Staat, eigentlich ein Wunschgebilde südslawischer
Intellektueller auf serbischer und kroatischer Seite,
entwickelte sich nämlich nicht zur Föderation, wie die Kroaten
erhofften, sondern zu einem vom serbischen Belgrad aus
regierten Zentralstaat. Die Serben missachteten bewusst die
historisch gewachsenen Gegebenheiten und zogen neue
Verwaltungsgrenzen. Die Kroaten wurden dadurch geschwächt, die
meisten Bezirke hatten von nun an eine serbische Mehrheit.
Hier ist einer der Gründe dafür zu suchen, daß der erste
jugoslawische Staat schon bald von inneren Konflikten
zerrissen wurde, die in der blutigen Niederschlagung von
Demonstrationen und zahlreichen politischen Morden gipfelten.
Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre erlebte der junge
Staat bereits seine erste tiefe Krise: Im Belgrader Parlament
waren kroatische Abgeordnete erschossen worden, was zu
gewaltsamen Unruhen führte. Der serbische König Alexander
regierte den mittlerweile in "Königreich Jugoslawien"
umbenannten Staat von nun an diktatorisch. 1934 fiel er in
Marseille einem Attentat kroatischer und mazedonischer
Nationalisten zum Opfer. Alle Versuche vor dem Ausbruch des
Zweiten Weltkriegs, einen Ausgleich zwischen den beiden
größten Völkern Jugoslawiens zu finden, schlugen fehl.
Schon vor
dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geriet die Balkanhalbinsel
erneut in den Einzugsbereich äußerer Mächte. Den Anfang machte
Italien unter Mussolini, der die albanische Küste besetzte.
Hitler glaubte zu dieser Zeit, allein durch diplomatischen und
wirtschaftlichen Druck seine Ziele erreichen zu können. Diesem
Druck gab die jugoslawische Regierung zunächst nach.
Nachdem Hitler im Frühling 1941 (unmittelbar
nach dem Belgrader Putsch gegen die deutschfreundliche
Regierung Cvetkovib) beschlossen hatte, Jugoslawien zu
zerschlagen, kam es erneut zur Aufteilung des Landes unter den
Achsenmächten sowie ihren Verbündeten und Vasallenstaaten.
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