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Der Sultansharem im Topkapi Sarayi war von der Außenwelt
fast vollständig isoliert. Da außer dem
Herrscher, seiner Familie, den Frauen, Kindern
und Sklaven niemand Zutritt in die
legendenumrankten Privatgemächer hatte, war
man auf Spekulationen und Vermutungen
angewiesen. So mutierte die Örtlichkeit in
den Köpfen abendländischer Chronisten zu
einem Hort sexueller Ausschweifungen und
grenzenloser Lustbarkeiten. Im prüden 19. Jh.
bedienten sich Maler des Harems, um ihre
erotischen Phantasien auf die ihnen fremde
Welt zu projizieren - Chasseriau, Ingres, Göröme
u. a. schufen zu dieser Zeit orientalisierende
Gemälde, auf denen sich blutjunge
Odalisken unbekleidet auf kostbaren Stoffen und Fellen räkeln,
während dralle, sinnliche Sklavinnen zu
Hunderten die Bäder des Palasts bevölkern.
Erst seit der Auflösung des Harems und der Öffnung der
Palastarchive gewann man ein genaueres Bild
vom Leben in den Gemächern des Serails, das
strengen Regeln unterworfen war. Oberste
Institutionen des Frauenbereichs waren die
Sultansmutter (valide sultan) sowie der
Oberaufseher der Schwarzen Eunuchen, der
kizlar ajasi. Während die Schwarzen Eunuchen
für die Frauen zuständig waren, sorgten die
Weißen Eunuchen für das leibliche Wohl des
Sultans. Alle Haremsfrauen - teils
Kriegsbeute, teils Töchter ärmerer
milien, die man dem Sultan zum Gehenk gemacht hatte - waren
aushmslos Sklavinnen. Als neuankomende
Odalisken ()Frauen des Zimmers mußten sie zunächst
in die egeln des Palasts sowie häuslichen
ertigkeiten eingewiesen werden. VVeierhin
verlangte man von ihnen, zum ismischen Glauben
überzutreten. Die ädchen, bei denen man eine
besondere Begabung erkannte, erhielten
Unterricht in den schönen Künsten. So
bekamen sie die Möglichkeit, in den Dienst
des Sultans übernommen zu werden, der mit
seinen vier Hauptfrauen (kadin) in einem
gesonderten Trakt des Harems lebte.
Das tägliche Leben in der drangvollen Enge des Serails war
von Müßiggang und Langeweile bestimmt. Da
die Frauen den Harem nie ohne Begleitung
verlassen durften, sorgte vor allem das
Intrigen- und Ränkespiel der Sultansmutter,
der Favoritinnen und der Konkubinen für Gesprächsstoff.
Häufig gab es unter den Hauptfrauen des Herr
schers eine gnadenlose Konkurrenz, da jede kadin ihren Sohn
zum Thronnachfolger bestimmt - und damit sich
selbst als valide erhoben sehen wollte.
Prominentestes Beispiel war Haseki Hürrem (Roxelane),
die Favoritin Sultan Süleymans des Prächtigen.
Die aus Rußland verschleppte Tochter eines
Tartaren avancierte durch ihre zielstrebige
und rücksichtslose Art schnell zur
liaLiptfrau des Sultans. Durch ein Komplott
brachte sie ihn dazu, seinen eregeborenen Sohn
und rechtmäßigen Thronfolger hinrichten zu
lassen, um so ihren eigenen Sohn, den späteren
Selim
den Thron zu bringen. Mit diesem Verhalten befand sich
Roxelane in bester Gesellschaft, denn schon
seit Mehmet II. (1451-81) gehörte es zur
Tradition osmanischer Herrscher, Brüder und
Thronanwärter ermorden zu lassen. Zog dann
der >siegreiche' Sultan in den Palast ein,
wurde die komplette Belegschaft des Harems
ausgetauscht, die Frauen seines Vorgängers
kamen in den Eski Sarayi.
Die Hohe Pforte, das Bäb-i-Ali, liegt gegenüber dem
Eingang zum GülhaniPark. Als Verwaltungssitz
des Großwesirs war es das politische Zentrum
des osmanischen Reichs und bildete für Unterhändler
westlicher Herrscher die erste Anlaufstelle.
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