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Vom Großen Basar zum Goldenen Horn

Dort, wo heute die Straßenbahn über den Divan Yolu vom Zentrum in die Außenbezirke fährt, flanierten früher byzantinische Bürger durch marmorne Säulenhallen, die eine gepflasterte Prachtstraße säumten. Diese auch für Triumphzüge genutzte Straße verband das Hippodrom mit der Porta Aurea an der Landmauer. Von dort aus führte die Via Egnatia — wie bekanntlich alle Wege — ins ferne Rom. Die Straße öffnete sich immer wieder in große innerstädtische Platzanlagen, deren Ehrenmonumente und Säulen der Selbstdarstellung der Kaiser dienten. Auch in islamischer Zeit behielt die Achse als >Weg zum Diwan( ihre urbane Bedeutung.

Die Reste der Konstantinsäule 14 (?emberlitas) markieren den Mittelpunkt des ehemaligen Konstantin-Forums. Kaiser Konstantin ließ das Monument um 328 errichten. Auf einer — heute ummauerten — Basis sitzen noch sechs der neun originalen Porphyrtrommeln, die seit dem Mittelalter mit Eisenmanschetten zusammengeklammert sind. Den Schaft bekrönte einst die goldene Statue Konstantins als Helios oder sol invictus ()unbesiegbarer Sonnengott(). Der Kaiser, der erst auf dem Sterbebett getauft wurde, übte sich zu Lebzeiten im religiösen Spagat. In die Basis seines Denkmals ließ er heilige Reliquien des Christentums wie des alten Glaubens einmauern (z. B. das Palladium des Aeneas und ein Stück der Arche Noah). Das benachbarte Cemberlitae Hamami aus dem 16. Jh. verspricht Badefreuden in osmanischem Ambiente.

1748-55 entstand nahe dem Ostausgang des Großen Basars die Nuruosmaniye Camii in, deren Architekt erstmalig eine Verschmelzung osmanischer und westlich-barocker Stilelemente gelang. Der steil proportionierte Einkuppelraum, dessen stark durchfensterte Schildbögen an ihren Seiten von markanten Ecktürmen bekrönt werden, bildet einen reizvollen Kontrast zu dem in Hufeisenform angelegten Hof.

Kurz nach der Eroberung Konstantinopels (1453) ordnete Mehmet II. Fatih den Bau des Kapah Carel 16 ()Bedeckter Basar() an. Wie in allen arabischen Zentren bildet er den Mittelpunkt städtischen Lebens, ist Warenumschlagsplatz

und kulturelle Institution zugleich. Der ursprüngliche Komplex bestand aus zwei größeren Markthallen (Bedesten), zwischen denen sich im Lauf der Zeit weitere kleine Läden oder Werkstätten ansiedelten. Der Eski Bedesten ()Alte Tuchhalle(), auch heute noch Kern der gesamten Anlage, besteht aus einer mit 15 Kuppeln überwölbten Halle, die von acht kräftigen Pfeilern getragen wird. Die Halle, in der man wertvolle Stoffe und Teppiche sowie Gold, Silber, Edelsteine und Waffen kaufen konnte, wurde nachts von Soldaten bewacht und war mit vier schweren Eisentüren verschlossen. Unweit von hier, in der Südostecke des Basars, ließ Sultan Süleyman ein zweites größeres Gebäude errichten. Der erst vor kurzem restaurierte Yeni Bedesten (Sandal Bedesten, >Neue Tuchhalle() trägt über 12 Pfeilern ein Dach mit 20 Kuppeln.

Das gewaltige Labyrinth von Ladenstraßen, das sich über etwa 30 000 Wer- streckt, bestand ursprünglich aus Holzkonstruktionen und war daher besonders anfällig für Feuer. Nach einem schweren Brand im Zentrum der Stadt ließ Mahmut II. (1695-1703) große Teile des Areals neu in Stein errichten. Auf einer Gesamtlänge von ca. 8 km Ladenstraße drängen sich etwa 4000 Geschäfte eng aneinander.

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