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Über den
Schiffsanlegestellen ragen eng übereinandergeschachtelt
vielstöckige moderne Wohnhäuser empor. Darüber blinken die
Glasfronten der Neubauten moderner Luxusherbergen wie des
Swisshotels: The Bosphorus.
Vorbei an
Kaianlagen, über denen sich die dicht an dicht gebauten Häuser
des ehemaligen Europäerviertels türmen, biegt das Schiff in
das Goldene Horn ein und legt gegenüber, unweit der
Serailspitze, im Stadtteil Eminönü an.
Stambul: heute
wie vor 2500 Jahren das Zentrum
Im Laufe
seiner 2500jährigen Geschichte war Istanbul 1600 Jahre lang
nicht nur
Hauptstadt zweier Reiche, für viele Jahrhunderte war sie Welt-
Metropole. Dieses Erbe prägte und prägt die Stadt bis heute,
positiv wie negativ.
Bedingt durch
die besondere Lage an Bosporus, Marmarameer und Goldenem Horn
läßt sich Istanbul grob in folgende Bereiche einteilen:
— Europäische
Vororte jenseits der Umgehungsautobahnen,
—
Stadteile jenseits des Höhenrückens von Galata,
—
asiatische Vororte und eben
—
die „Altstadt" bis zur Landmauer, wobei man
Größenvorstellungen von einer Altstadt, wie man sie z.B. mit
der Düsseldorfer oder Marburger Altstadt verbindet, beiseite
lassen muß. Immerhin ist die Serailspitze ca. 5 km Luftlinie
von der alten Stadtmauer entfernt, die für Jahrhunderte einen
geschlossenen Stadt komplex um- schloß: eben dieses berühmte
Dreieck zwischen Marmarameer im Süden, der Stadtmauer im
Westen und dem Wasserarm des Goldenen Horn. Dieser Stadtteil
ist natürlich in besonderem Maße bis in unsere Tage durch
seine Geschichte bestimmt. Auf dem ersten Hügel lag die erste
griechische Ansiedlung von Byzantion, die wohl noch zu Zeiten
Konstantins besiedelt gewesen sein muß, denn der Neugründer
der Stadt errichtete die Bauwerke seiner Nea Roma an den
südlichen Hängen und Ausläufern dieser Markanten Landspitze.
Nachdem 1100
Jahre später der osmanische Eroberersultan zunächst einen
stadteinwärts gelegenen Platz. für seinen Regierungssitz
ausgewählt hatte, zog es ihn dann doch an diesen exponierten
Punkt. Der Topkapi Palast entstand neben der Hauptkirche des
Byzantinischen Reichs, der Hagia Sophia, die in ihrer
Bedeutung als einem religiösen Zentrum dadurch bestätigt
wurde, daß sie nur wenige Tage nach der Eroberung in eine
Moschee umgewandelt wurde.
Hier war für
Jahrhunderte das Zentrum zweier Weltreiche.
Noch heute
zeigt die zentrale Straßenführung, welche prägende Bedeutung
die ursprüngliche Anlage und Entwicklung gehabt hat. Denn
zunächst konnte sich die Konstantinsstadt nur nach Westen hin
ausdehnen. Und wegen des sich verbreiternden Geländes wurden
prächtige Ausfallstraßen angelegt, die sich dann in Richtung
der verschiedenen Stadttore gabelten, unterbrochen durch
weiträumige Plätze. Und so entsprechen heute noch die großen
Straßenzüge der Divan Yolu und ihrer Fortsetzungen, der Vatan
Caddesi und der Millet Caddesi, dieser antiken Stadtplanung.
Auf das
Zentrum des ersten Hügels hin ist die Stadt ausgerichtet, und
umgekehrt strahlt dieses Zentrum zur Peripherie hin aus.
Deutlich wird dies auch durch die zentrale Wasserleitung, die
parallel zur Mese, der heutigen Divan Yolu, auf dem
Höhenrücken entlang verlief. Immerhin mußte eine
Stadtbevölkerung mit Wasser versorgt werden, deren Zahl
zeitweise die Millionenmarke überschritt. Der Aquädukt des
Valens zeugt noch heute imposant von dieser Ausrichtung auf
das Zentrum. Außer durch die Landmauer war das alte Stambul am
Marmarameer und am Goldenen Horn durch Seemauern geschützt,
von denen im Süden noch über weite Strecken hin Teile zu sehen
sind. Verschwunden sind allerdings die Häfen.
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