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Dafür verläuft
vor dieser Mauer heute eine im Süden breitere, im Norden
schmalere Straße parallel zum Wasser um den Stadtkern.
Erbe der
Vergangenheit: Gassenlabyrinth und Kulturdenkmäler Blieben
auch die Hauptstraßenzüge bis in unsere Tage erhalten, die
Nebenstraßen unterlagen im Laufe der Geschichte weitgehenden
Veränderungen, denn nicht immer war der Bereich innerhalb der
Mauern so dicht besiedelt wie heute. Vor allem im Zusammenhang
mit dem 4. Kreuzzug und in den ersten Jahren nach der
osmanischen Eroberung sank die Einwohnerzahl stark. Es
entstand Platz für eine sehr unregelmäßige Bebauung. Die so
ungehindert sich ausbreitenden kleinen Straßen, Gassen und
Sackgassen stellen heute ein schier unüberwindliches Problem
für eine moderne Stadplanung dar. So sind nach Auskunft der
städtischen Feuerwehr 1200 Straßen für Feuerwehrfahrzeuge
nicht passierbar!
Die
3032/4-Gasse
Fremde, und
das sind in diesem Fall schon Bewohner anderer Stadtviertel,
sollten gar nicht erst versuchen, sich mit dem Pkw abseits der
Hauptstraßen durchzuschlängeln. Und es ist nicht immer
Geldschneiderei, wenn ein Taxifahrer einen weiten Umweg fährt;
er kann gar nicht alle verwinkelten Straßen der Stadt kennen.
Ein neueres Straßenverzeichnis kommt auf ca. 21 000
Straßenbezeichnungen, von denen ein Teil schlicht
durchnummeriert ist: Es gibt tatsächlich Leute, die in der
3032/4-Gasse im Stadtteil Mustafa Kemal wohnen.
Eine weitere
Belastung für eine großzügige Planung stellt die enorme Zahl
von erhaltenswerten Altertümern dar. Vor allem auf der
Hügelkette nördlich der Divan Yolu erheben sich als deutliche
Markierung dieser Hügel die berühmten Silhouetten der Süleyman
Moschee, der Fatih Moschee und der Selim Moschee auf dem 3.,
4. und 5. Hügel. Der 6. Hügel wird durch die Mihrimah Moschee
gekrönt, während der 7. Hügel im Stadtteil Altimermer heute
unter der modernen Bebauung weniger deutlich zu sehen ist.
Es kommt nicht
von ungefähr, daß die erste Umgehungsautobahn parallel zur
alten, noch gut erhaltenen Stadtmauer verläuft und dadurch
noch einmal diese uralte Grenze unterstreicht: Vor oder hinter
der Mauer
bedeutete für
lange Zeit: in oder außerhalb der Stadt. Istanpolin, „in die
Stadt", war daher auch der Ruf aller Eroberer, die versuchten,
diese Mauern zu stürmen.
Vororte von
einst — heute schon fast Stadtzentrum
Über
Jahrhunderte hin blieb Istanbul auch nach der Eroberung von
1453 auf das von der Stadtmauer umschlossene Areal begrenzt.
Eine Ausnahme stellte der Vorort Eyüp dar, der im Norden vor
der Stadtmauer am Goldenen Horn liegt. Seine Entstehung geht
auf das Grab des Eyüp al Ansari zurück, das die Türken hier
während der Belagerung entdeckt hatten. Eyüp al Ansari war der
Träger der grünen Fahne des Propheten, als sich im Jahre 670
die kriegerischen Anhänger des neuen Glaubens vergeblich
anschickten, die Stadt zu erobern. Moscheen, größere
Grabbauten und eine weite Friedhofsanlage geben diesem Ort
noch heute sein unverwechselbares, stark religiöses Gepräge.
Bis in das
ausgehende letzte Jahrhundert hinein waren die steilen
Nordhänge des Goldenen Horn, dort wo die „süßen Wasser
Europas" einmünden, wenig besiedelt. Sie dienten eher als
Ausflugsziele, vor allem in den warmen Sommermonaten. Ebenso
gehörten die Gebiete vor der Mauer nicht eigentlich zur Stadt.
Eine Stadt in
der Stadt: das Basar- viertel
Von
besonderer Kontinuität zeugt auch das Handwerker- und
Handelszentrum mit dem Gedeckten Basar als Mittelpunkt.
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