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Kleine,
veraltete Industriebetriebe leiten ihre oftmals giftigen
Abfälle ebenfalls ein. Mitunter ist die Luft in den
Sommermonaten von einem beißenden Rauch erfüllt:
Fliegenschwärme, die sich irgendwo festgesetzt haben und zur
Plage geworden sind, werden ausgeräuchert. Und hinter den
Höhen über Kaüithane stinkt das Müllgebirge von Istanbul in
den Himmel. Man wird den Eindruck nicht los: Hier erstickt
sich eine Stadt selbst. Durch die beiden Pontonbrücken
(Atatürk Köprüsü und Galata Köprüsü) kann kaum das Wasser
abfließen. Zwar soll die 1922 fertiggestellte neue
Galatabrücke eine bessere Wasserzirkulation zulassen. Aber
engagierte Umweltschützer in Istanbul weisen wohl zu Recht
darauf hin, daß jetzt, wo das Wasser wieder stärker fließen
kann, der Dreck lediglich ins Marmarameer fließen wird, in dem
man zumindest in der Umgebung der Stadt sowieso schon lange
nicht mehr ba-
den kann. Man
befürchtet nicht zu Unrecht, daß dann, wenn so der ärgste
Gestank verschwindet, auch kein Bedarf nach grundlegender
Veränderung mehr vorhanden ist. Denn Leidensdruck scheint eine
fragwürdige und sehr dehnbare Größe zu sein.
Galata —
die
Genuesenstadt
Dort, wo heute
die Yeni Camii am Ende der alten Galatabrücke steht, gab es an
den Ufern des Goldenen Horn schon im 12. Jahrhundert
Niederlassungen und Kontore der Seehandel treibenden
italienischen Stadtrepubliken wie Venedig oder Amalfi, Pisa
oder Genua, von denen beute keine Spuren mehr existieren.
Eine Ausnahme
bildeten die Genuesen. Sie genossen auch nach der Eroberung
1453 besondere Privilegien, wohl weil sie während der
türkischen Eroberung „wohlwollende Neutralität" gezeigt
hatten.
Auf der
steilen Anhöhe nördlich des Goldenen Horn durften sie einen
Bereich bewohnen, der von einer eigenen Befestigungsmauer
geschützt war. Von dieser Mauer ist in unseren Tagen kaum noch
etwas zu sehen. Nur der nördliche Eckturm dieses
Befestigungswerkes, der Christusoder Galataturm, wie er heute
genannt wird, überragt immer noch als Wahrzeichen diesen
Stadtteil, der seit dieser Zeit traditionell das Wohngebiet
der Europäer war. Enge steile Gassen und Treppen führen jen-
Galata — die
Genuesenstadt
seits der
Uferstraße über den Turm hinaus auf den Höhenrücken, der bis
zum letzten Jahrhundert kaum besiedelt war.
Die Häuser
hier sind fast alle im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts
gebaut. Ihre von Rauch und Abgasen geschwärzten Fassaden
überraschen oft durch einen Bauschmuck, der mancher
nostalgischen Betrachtung wert ist.
Einst das Tor
zum Orienthandel Als die Türkei sich im letzten Jahrhundert
stärker nach Westen öffnete, ließen sich hier europäische
Banken und später Versicherungen nieder, wurden oft von
Armeniern, Griechen und Juden Handelsniederlassungen
gegründet. Noch heute zeugen Frachtabfertigungsgebäude und das
üppig dekorierte Gebäude der Hafenverwaltung in Karaköy von
den ehemaligen Fernhandelsaktivitäten, die von hier aus
gesteuert wurden. Man darf nicht vergessen, daß bis zum 1.
Weltkrieg die exponierte Lage der Stadt zwischen Schwarzem
Meer und Mittelmeer und die noch immer große Ausdehnung des
Osmanischen Reichs vor allem im Nahen Osten Istanbul als Tor
des Orienthandels attraktiv machten.
Geht man
über den Galataturm hinauf bis zum Höhenrücken, auf dem die
Istiklal Caddesi bis zum TaksimPlatz verläuft, trifft man auf
eine unübersehbare Zahl von Zeugnissen aus dieser Zeit
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