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    Istanbul

 

   

Dieser lautete, sie sollten sich gegenüber der „Stadt der Blinden" ansiedeln, und die Siedler interpretierten diesen Spruch dann so, daß die Einwohner von Chalcedon blind gewesen sein müssen, die viel günstigere gegenüberliegende Stelle für die Gründung ihrer Stadt übersehen zu haben, von der aus man strategisch sowohl die Durchfahrt zum Schwarzen Meer als auch den Eingang zum Marmarameer und die Einfahrt ins Goldene Horn kontrollieren konnte.

Ganz ideal war das Gelände nun auch wiederum nicht. Es gab keine Schwemmlandebene, auf der man hätte siedeln können, und der Akropolishügel war zum Land hin offen, mußte also gegen eventuelle Angreifer durch eine Mauer geschützt werden. Und Angriffe sollte es im Laufe der Jahrhunderte genug geben. Denn rasch entwickelte sich die Handelskolonie, Naturhäfen im Norden wurden ausgebaut und die Stadt mit Tempeln geschmückt, von denem heute allerdings nur noch die Namen gekannt sind.

und eroberte die Stadt dabei gleich mit. Kaum war die Persergefahr in Griechenland gebannt, stritten sich Athen und Sparta um die Vorherrschaft. Und natürlich auch darum, wem die reiche Handelsstadt gehören sollte: Byzantion wechselte nach 411 v. Chr. mehrfach den Besitzer. Nun waren die Herren der Stadt, die mittlerweile Zollgebühren für die Durchfahrt durch den Bosporus kassierten, an diesem wechselvollen Schicksal nicht ganz unschuldig: Man suchte eine Macht gegen die andere auszuspielen, um selbst möglichst eigenständig lavieren zu können.

Athen und Sparta waren noch vergleichsweise weit weg, aber Makedonien, das sich unter König Philipp II. mächtig ausdehnte, rückte bis vor die Tore der Stadt. Philipp belagerte die Stadt 340/339, verwüstete das Umland, überbrückte das Goldene Horn, um seine Truppe mit Nahrungsmitteln und modernsten Belagerungsmaschinen auszurüsten — vergeblich. Die Mauern hielten, und Philipp zog unverrichteter Dinge ab.

Das wäre vielleicht seinem berühmten Sohn Alexander nicht passiert, aber der hatte Wichtigeres zu tun, obwohl die Stadt durch Landbesitz und Getreidehandel nicht eben arm war. Alexander überschritt den Hellespont, ließ Byzantion links liegen, wollte Persien erobern, vielleicht auch den Rest der Welt, eroberte Persien und starb.

Zwar gab es ständige Reibereien mit den Nachbarn während der Wirren der Diadochenzeit, zwar mußte man

Tribute an die von Norden eindringenden Galater zahlen, aber im übrigen hielt man sich möglichst aus dem Streit der Welt heraus und ging seinen Geschäften nach.

•              2. Jh. v. Chr. — 2. Jh. n. Chr.

Das gelang nur bedingt, und Byzantion fand 146 v. Chr. einen neuen mächtigen Bundesgenossen: die Römer. Nicht zum Nachteil, wie die weitere Entwicklung zeigte, denn viele Vororte am Goldenen Horn entstanden, und die frühesten gesicherten Funde aus dieser Zeit, die Gräber der Nekropole, die man in der Nähe der Beyazit Camii gefunden hat, verraten eine nicht geringe Ausdehnung. Der Bürgerkrieg am Ende der Republik zieht andere Bahnen als den über Byzantion, und die Sonne des Friedens während des Augusteischen Zeitalter scheint auch über dem Bosporus.

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