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Damit ist es
allerdings Ende des 2. Jahrhunderts vorüber: Im Streit
zwischen den Thronprätendenten Pescennius Niger und Septimus
Severus ergreift Byzantion für die falsche Seite Partei.
Septimus Severus zerstört nach zweieinhalbjähriger Belagerung
195/196 n. Chr. Mauer und Stadt. Wir wissen heute nicht, was
den Sieger bewogen hat, ein Jahr darauf den Befehl zu
erteilen, die Stadt wieder aufzubauen. Wir wissen nur, daß er
die Zeuxipposthermen und das Hippodrom stiftete, an dem auch
sein
Nachfolger
Caracalla weiterbauen sollte, ohne die Gebäude allerdings zu
vollenden. Und wir wissen, daß die Grundfläche der Stadt
anwuchs. Die Severische Mauer zog sich von der Stelle, an der
heute die Galatabrücke auf die Uferstraße entlang dem Goldenen
Horn mündet, am Fuß der Höhe hin bis zur Küste des Meeres,
dorthin, wo heute der Leuchtturm steht, und damit ein
Doppeltes der bisherigen Fläche umfassend. Von dieser
Landmauer ist heute nichts mehr zu sehen, wohl aber von einem
anderen Bauwerk, das seine Entstehung diesem seltsamen Akt von
Wiedergutmachung verdankt: dem Hippodrom. 203 n. Chr. ist
dieser imposante Platz soweit hergestellt, daß Spiele,
Pferderennen und Volksversammlungen stattfinden konnten.
•
3. Jahrhundert
Die
politischen Bedingungen des nachfolgenden Jahrhunderts waren
allerdings nicht dazu angetan, der Stadt die wirtschaftliche
Bedeutung wiederzugeben, die sie einmal hatte. Nur
vorübergehend sollte Ruhe nach diesem Sturm in das Reich der
Cäsaren und seine Städte einkehren. 40 Heerführer lösten sich
zumeist gewaltsam in knapp 50 Jahren als Kaiser ab, und erst
die diktatorische Herrschaft des deus et dominus (Gott und
Herr), Diocletian, brachte Ruhe und eine gewisse Stabilität,
erkauft allerdings um den Preis eines absoluten
Herrschaftsanspruchs und eines ungeheuren Drucks auf die Be-
völkerung. Mit
Zwang gelang es, die auseinanderstrebenden Kräfte des Reichs
zu bannen, so daß Diocletian und sein Mitkaiser Maximian 305
n. Chr. als „Cäsar Augustus" sein Amt niederlegte
beziehungsweise an zwei Nachfolger übergab. Aber statt des
erhofften friedlichen Übergangs war Bürgerkrieg die Folge, und
statt der regionalen Verteilung der Herrschaft setzte sich
gewaltsam einer durch, der auf eine neue Kraft, den
christlichen Gott — oder profaner ausgedrückt —, auf die
immens angewachsene Anhängerschaft dieser bisher verfolgten
Religion setzte: Konstantin, den man den Großen nannte.
•
4.-5. Jahrhundert
In den Kämpfen
zu Beginn des 4. Jahrhunderts, aus denen dann schließlich
Konstantin der Große als alleiniger Sieger hervorging, wurde
Byzantion zwar schwer in Mitleidenschaft gezogen, aber nach
324 n. Chr. nicht nur wiederhergestellt, sondern so weit
ausgebaut, daß Konstantin die Idee entwickeln konnte, sie zur
neuen Hauptstadt, zum neuen Rom zu erheben.
Und damit
beginnt ein neuer Abschnitt der Stadtgeschichte, wenn nicht
ihre Stadtgeschichte überhaupt.
Worin auch
immer die Größe Konstantins bestanden haben mag, bedeutsam ist
seine Herrschaft allemal, bedeutete sie doch die
Gleichberechtigung und letztlich Bevorrechtigung des
Christentums und seiner Anhänger und für die Stadt, die lange
seinen Namen trug, die Erhebung zur Hauptstadt, zum Neuen Rom,
zu Konstantinopel.
Damit
verlagerte sich das politische Schwergewicht von Italien nach
Kleinasien, und damit war der Grundstein gelegt für die
spätere Bildung des Byzantinischen Reiches als einer
eigenständigen Fortsetzung des Römischen Reiches über die Zeit
des Mittelalters hinaus bis in die Neuzeit.
Neu-Rom —
Konstantinopel
„Nea Roma" —
neues Rom hatte Kaiser Konstantin seine Gründung
genannt; zwar
war die griechische Kolonie Byzantion Jahrhunderte alt, aber
erst als Konstantinopel — Stadt des Konstantin — sollte sie
für 1600 Jahre glänzende Metropole, Weltstadt, Hauptstadt
zweier Reiche sein: des Byzantinischen Reiches und ab 1453 des
Osmanischen Reiches. Am 11. Mai 330 wurde Konstantinopel
eingeweiht, und erst am 13. Oktober 1923 trat die Stadt diese
Rolle an Ankara, die neue Hauptstadt der modernen Türkei, ab.
Auf
sieben Hügeln errichtet, in 14 Bezirke eingeteilt, sollte
Konstantinopel ganz dem Vorbild Rom gleichen. Ein Triumphbogen
markierte die Null- Meile, von der aus alle Entfernungen nun
zu vermessen waren
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