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Alle We-
ge führten von
jetzt ab ins Neue Rom. Ein Stein dieses „Milion" ist heute
noch unweit der Divan Yolu zu sehen.
Der
Schwerpunkt verlagert sich nach Osten
Diese
Entscheidung bedeutete eine tiefgreifende Zäsur. Das
Schwergewicht des Reichs lag nun eindeutig im Osten, und dies
bildete eine der Grundlagen für die spätere Reichsteilung,
obwohl es nicht an Versuchen fehlte, diesem Prozeß
entgegenzuwirken.
Das römische
Staatswesen verband sich mit der griechischen Kultur, obwohl
Latein noch lange die Amts- und Hofsprache blieb. Die
außenpolitischen Konfliktlinien verliefen nun vor allem im
Osten, während die Völkerwanderung, die 476 zur Auflösung des
Weströmischen Reichs führte, verhältnismäßig glimpflich am
„Reich der Romäer" (der Römer), wie es sich selbst nannte,
vorüberging. Und dieses Reich sollte christlich werden. Der
Legende nach soll Konstantin vor der Schlacht an der
Milvischen Brücke (312 n. Chr.) ein Kreuzeszeichen und die
Worte: In diesem Zeichen siege! erblickt haben. Der
historische Wahrheitsgehalt mag umstritten sein, unstreitig
ist, daß Konstantin nach seinem Sieg über seine Mitkaiser
durch das Toleranzedikt von Mailand (313 n. Chr.) das bis
dahin verfolgte Christentum anerkannte, ja darüber hinaus nach
Kräften förderte. Obwohl erst auf dem Sterbebett getauft und
nach altrömischer Tradition Pontifex Maximus (oberster
Priester),
griff er unmittelbar in kirchliche Streitigkeiten ein; ob als
Kaiser oder Christ mag dahingestellt sein. Ihm ging es, wie
auch seinen Nachfolgern in ähnlichen Fällen, in erster Linie
um die Einheit des Reiches. So auch als er 325 n. Chr. das
erste Ökumenische Konzil im Kaiserpalast von Nikaia einberief,
auf dem die Lehre des Arius, Christus sei lediglich
gottähnlich, verurteilt wurde.
Konstantin
starb 337 n. Chr. in Nikomedia, dem heutigen Izmit. Sein
Sarkophag, den wir heute nicht mehr kennen, hat in der Kirche
gestanden, die seinen Namen trug, dort wo heute die mächtige
Kuppel der Fatih Moschee in den Himmel ragt.
Kaiser
Theodosius 1. (383-395 n. Chr.) verfügte zwar testamentarisch
die Reichsteilung, aber nach wie vor beherrschte der Gedanke
der Reichseinheit den Kaiserhof am Bosporus. Zudem waren
erhebliche Teile Mittel- und Süditaliens in byzantinischem
Besitz geblieben und immer wieder zum Streitobjekt zwischen
Ostrom und dem Papst, dem fränkisch- deutschen Kaiser und den
sizilischen Normannen geworden.
Selbst der
kühnste und zunächst erfolgversprechendste Versuch einer
Ausdehnung nach Westen unter Kaiser Justinian (428-565 n.
Chr.) war letztlich zum Scheitern verurteilt. Die oströmische
Macht blieb auf Griechenland, Anatolien (das Land der
aufgehenden Sonne) und den vorderen Orient „beschränkt".
Bedeutungsvoller für das Schicksal des Byzantinischen Reiches
waren die fortwährenden Auseinandersetzungen.
Die Teilung
des Römischen Reiches
Seit 395 war
das ehemalige Römische Reich, das für viele Jahrhunderte
Herrin der Welt um das Mittelmeer herum.gewesen war, endgültig
in eine West- und eine Osthälfte geteilt. Zwar waren längst
die Zeiten vorüber, daß von der Grenze nach Schottland bis an
den Oberlauf des Nils, von Gibraltar bis zur persischen
Hochebene alle Wege nach Rom führten, aber das Mittelmeer war
noch immer das mare nostrum (unser Meer), und römische Kultur
und Zivilisation waren noch immer das Bindeglied der
unterschiedlichsten Regionen und Völker — wenn auch politisch
in zwei Reiche geteilt, von zwei
zungen mit
Persien, den von Nordosten eindringenden turkstämmigen
Bulgaren und dann, nach 622, nach der religiösen und
politischen Einigung durch Mohammed, den Propheten des Islam,
die vordringenden Araber. Das Ende dieses Reiches führten dann
die Auseinandersetzungen mit den christlichen Kreuzfahrern
bzw. mit der Republik Venedig und letztlich das Vordringen der
seldschukischen bzw. osmanischen Türken herbei.
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