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Byzanz unter Justinian

Der Traum von einem einheitlichen christlichen Reich sollte noch einmal,

Hauptstädten aus regiert: Rom und Konstantinopel.

Aber unter dem Jahrhunderte dauernden Ansturm germanischer Völker war das Westreich untergegangen, spätestens zu dem Zeitpunkt, als Romulus Augustus, der letzte Kaiser Westroms, von dem Germanenfürsten Odoaker 476 in Pension geschickt wurde, gab es dieses Reich nicht mehr. Was geblieben war, war das Oströmische Reich, nunmehr das Byzantinische Reich genannt, nahezu verschont geblieben von den durchziehenden Völkerscharen und noch immer beherrscht von dem Bewußtsein, legitime Erbin jener großen Vergangenheit zu sein.

wenn auch nur für kurze Zeit, Wirklichkeit werden. Der, der ihn träumte, war Sproß einer schlichten Bauernfamilie aus der Gegend des heutigen Skolpje: 527 bestieg Justinian den byzantinischen Kaiserthron.

• 6. Jahrhundert

Sein Onkel war Analphabet, hatte sich als Gardeoffizier nach oben gearbeitet und war auf abenteuerliche Weise auf den Thron Konstantins gelangt: Justin I.

Er war es, der den 36jährigen Neffen aus dem fernen Dorf holte, ihn sorgfältig ausbilden ließ, ihn mit verschiedenen Staatsämtern betraute, ihn

adoptierte und endlich zum Mitkaiser erhob. Justinian war 45 Jahre alt, als er 527 die Nachfolge des Onkels antrat.

Der Kaiser und die Schauspielerin Zwei Jahre vor der Thronbesteigung hatte Justinian die Schauspielerin Theodora geheiratet. Wie der Onkel diese Nachricht aufnahm, wissen wir nicht. Zumindest kennen wir keine negativen Reaktionen seinerseits, wohl aber überschlug sich der Hof- und Reichstratsch. Eine Schauspielerin, Tochter eines syrischen Bärenwärters im Zirkus, als Frau des zukünftigen Herrschers wurde als Ungeheuerlichkeit empfunden, und der Geschichtsschreiber Prokop konnte sich das nur so erklären, daß hier dämonische Mächte am Werk gewesen seien. Denn hartnäckig hielt sich das Gerücht, daß die rassig-orientalische Dame sich nackt zur Schau gestellt habe und hinsichtlich ihrer zahllosen Geliebten nicht sehr wählerisch gewesen sei. Schließlich gehörte sie einem Gewerbe an, daß wohl zu Recht in einem üblen Ruf stand; immerhin war es hohen Staatsbeamten verboten, Schauspielerinnen zu heiraten. Zunächst also mußte Onkel Justin kraft kaiserlichen Spruchs dieses Gesetz aufheben und die 25jährige Theodora in den Adelsstand aufnehmen. Waren es nur ihre Schönheit und ihre einschlägigen „Erfahrungen", die Justinian ihr hörig erscheinen ließen, oder hatte er schon früh ihre raffinierte Klugheit erkannt? Der Kaiser, der immerhin 83 Jahre alt werden sollte,

liebte das einfache Leben, war ein Frühaufsteher, fleißig, mäßig in der Lebensführung, ja sogar etwas pedantisch.

Sie war ihm eigentlich überlegen, und setzte es sogar durch, zur Mitkaiserin erhoben zu werden. Ihre Herrscherqualitäten zeigten sich dann besonders während des Nike- Aufstandes des Jahres 532.

Mit dem Ruf „Nike (Sieg), drangen die Massen der Hauptstadt zerstörend in den Palast ein, und der Kaiser, dem Härte und Grausamkeit zwar nicht fremd waren, dem aber Sanftmut und Güte eher entsprachen, glaubte schon alles verloren. Er war zu Abdankung und Flucht bereit. Nicht so Theodora. Ihrem Stolz und ihrer Beharrlichkeit war es schließlich zu verdanken, daß der Kaiser handelte und der Aufstand niedergeschlagen werden konnte. Wie man sich vorstellen kann, besserte sich die Lage des Volkes nach dem Nika-Aufstand um keinen Deut; im Gegenteil, die Steuerschraube wurde stärker als je zuvor angezogen.

Allerdings ist auch etwas Schönes aus jenen dramatische Tagen geblieben, eines der imposantesten Gebäude der Welt: die Haghia Sofia. Schon im Dezember 537 war jene Kirche vollendet, die zum Vorbild und zur Herausforderung so vieler Kirchenbauten des Mittelalters in Ost und West werden sollte. Mit Anthemios von Tralles und Isidor von Milet standen dem kaiserlichen Bauherren zwei Genies zur Verfügung,

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