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Der Nika Aufstand

Im Reich Justinians, auch der Große genannt, lebten die einfachen Menschen absolut nicht großartig, im Gegenteil: sie lebten ziemlich schlecht. Ungeheuer war der Steuerdruck, Steuereintreiber und drakonische Strafen ließen das Leben mitunter unerträglich werden. Selbst hohe und höchste Staatsbeamte beteiligten sich an der Auspressung des Volkes. Agenten, Spitzel und Folterknechte waren die Horrorfiguren dieses spätantiken Zwangsstaates.

Am 11. Januar 532 brach sich die aufgestaute Wut der Stadtbewohner Bahn. Wie so oft vorher nutzte das Volk Zirkusspiele im großen Hippodrom, um seinen Zorn, zunächst nur verbal, zum Ausdruck zu bringen. Vor allem der Kopf des Justizministers wurde gefordert. Der Staat reagierte, wie Staaten in solchen Situationen zu reagieren pflegen; er ließ die sogenannten Rädelsführer verhaften. Und wie so oft in der Geschichte ging die Rechnung nicht auf.

Der Kaiser stand in seiner Loge dem brodelnden Volkszorn gegenüber Aber noch gelang es, eine Partei gegen die andere aufzuhetzen: Die Partei der Blauen vertrieb die Anhänger der Grünen aus dem

Zirkus. Und Justinian bewies seinen Sinn für Gerechtigkeit: Er ließ ausgewählte Rädelsführer gleich beider Parteien hinrichten.

Zwei Tage später gellte ihm der Schrei in den Ohren: „Langes Leben den Grünen und den Blauen!" und unter dem Ruf „Nika!" (siege!) gingen Teile des Palastes und der altehrwürdige Bau der konstantinischen Sophienkirche in Brand auf. Eilig herbeigerufene Truppen verschlimmerten die Lage nur, ohne einen Erfolg in den tobenden Straßenschlachten erringen zu können. Große Teile der Stadt versanken in Schutt und Asche. Auch eine demütige Geste des Kaisers half nichts; das Volk rief nach einem Gegenkaiser

Die die Krone tragen, dürfen ihren Verlust nicht überleben ... Die Verzweiflung Justinians und seines Hofes muß groß gewesen sein, denn der Kaiser bereitete sich auf die Flucht vor und hätte sie wahrscheinlich angetreten, wäre da nicht Theodora gewesen, die in dieser Lage zeigte, daß sie nicht nur dem Titel nach Mitkaiserin war Stolz verkündete sie: „Die, welche die Krone tragen, dürfen niemals ihren Verlust überleben. Nie wird man den Tag sehen, wo man mich nicht mehr als Kaiserin grüßen wird. Willst du fliehen, Kaiser, so ist es

gut; du hast Geld, die Schiffe stehen bereit, das Meer ist offen. Ich für meine Person bleibe. Ich liebe den alten Grundsatz, daß der Purpur ein gutes Leichentuch ist." Vor allem dieser letzte Satz nötigte selbst dem Chronisten Prokop, der ansonsten kein gutes Haar an

die in sich das Wissen um griechische Wissenschaft und römische Architektur vereinten.

Eine ebenso glückliche Hand bewies der Kaiser bei der Auswahl seiner engsten Mitarbeiter, vor allem seiner Generäle. Er selbst war niemals Feldherr, und ohne Belisar und Narses hätte er wohl nie seine ehrgeizigen Pläne eines einheitlichen römisch- christlichen Reiches rund um das Mittelmeer verwirklichen können. War die Unterwerfung der Vandalen in Nordafrika noch ein verhältnismäßig leichtes Spiel gewesen, so dauerte der Kampf gegen die Ostgoten, die sich in Italien festgesetzt hatten, 18 Jahre. Der Traum schien Wirklichkeit geworden zu sein, als Belisar 540 in Ravenna einzog. Justinians Mosaikbildnis mit großem Gefolge und das der Theodora in S. Vitale, Ravenna, zeigen beide auf der Höhe der Macht.

Aber nur kurz währte der Triumph. Noch war der Ausbau der Kirche San Vitale nicht abgeschlossen, da erhob sich die alteingesessene römische Bevölkerung, erfolgreich von den ostgotischen Herren zum Befreiungskampf aufgerufen. Erst 553 gelang Narses die endgültige Unterwerfung,

ihr läßt, Respekt ab. Aber auch Justinian war wohl beeindruckt, denn er gab seine ängstliche Haltung auf, befahl zuverlässige Elitetruppen in die Hauptstadt, und in wenigen Tagen wurde 30 000 Aufständische niedergemetzelt. Thron und Leben waren gerettet.

Italien wurde oströmische Provinz. Sogar in Südspanien standen byzantinische Truppen.

Aber einsam war es um den geworden, dem liebedienerische Reden die „Sanftheit Davids, die Geduld des Moses und die Milde der Apostel" nachrühmten und der sich selbst als „Meine Göttlichkeit" und „Meine Ewigkeit" titulierte. Justinian hat den Tod seiner Frau Theodora, der einstigen Schauspielerin und Kaiserin, am 28. Januar 548 wohl nie verwunden.

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