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Religiöses Eifertum

Das Reich schien nach außen gefestigt, im Inneren stabil. Das alle Völker einigende Band sollte das katholische Christentum sein. So mußten die Vandalen vom Arianismus zum Katholizismus übertreten, Juden, die auf der Seite der Gegner gestanden hatten, wurden „zur Strafe" getauft. Und es ist wohl als symbolischer Schlußstrich unter das Kapitel „Kampf gegen die Heiden" gedacht und auch so verstanden worden, daß 529 die altehrwürdige Universität von Athen von Justinian geschlossen wurde.

Das Erbe Justinians

Was ist geblieben aus jener Zeit? Nun, zunächst einmal eine große Anzahl von Kirchenbauten, unter ihnen das Katarinenkloster auf dem Sinai und die Kirche der Heiligen Weisheit, die Haghia Sophia. Und ein Buch! Justinian hatte zur Festigung des Reiches eine großangelegte Rechtsreform durchgeführt und dafür das gesamte römische Recht sammeln, ordnen und aufschreiben lassen, ergänzt um ein juristisches Lehrwerk und die von ihm selbst erlassenen Gesetze — der Corpus juris civilis. Mit diesem Mammutwerk, das von den besten Juristen der Zeit, zu denen wohl auch Justinian selbst gehörte, in mühseliger Kleinarbeit in Zeit zwischen 428 und 534 erstellt worden war; war ein Erbe für die nachfolgenden Jahrhunderte entstanden,

Selbst in innerreligiöse Streitigkeiten mischte sich der Kaiser ein, weniger aus religiösem Eifer, als vielmehr zur Festigung der Einheit des Imperiums, als er mit Gewalt gegen die Anhänger der Monophysitenlehre vorging. Diese Lehre, die vor allem im Osten des Reiches ihre Wurzeln und ihre Anhänger hatte, bezog Front gegen die Vorstellung, daß Christus sowohl Mensch als auch Gott sei, also gleichsam zwei Naturen habe. Dagegen setzte man fanatisch die Lehre, daß nichts Menschliches, Irdisches

von dem auch heute noch Juristen zehren, so daß ein moderner Rechtsgelehrter sagen konnte: „Für uns ist Justinian der Rechtskaiser; wir verneigen uns verehrend vor seiner Tat."

Aus der Zeit Justinians rühren auch die Seidenraupenzucht und die Herstellung kostbarer Seidenstoffe, die zu einer der Haupteinnahmequellen von Byzanz wurde und auch heute noch in der Türkei heimisch ist. Übrigens wurde diese Kunst in einer frühen Form der Industriespionage aus China herübergebracht, Wandernde Mönche sollen die kostbaren Tierchen in ihren ausgehöhlten Wanderstäben durch die zentralasiatischen Weiten an die Gestade des Bosporus geschmuggelt haben.

den Sohn Gottes bestimmen könne, sondern daß er nur eine Natur (Monophysis) habe. Als keine Gewalt half, setzte der Kaiser auf ein Konzil in der Hauptstadt, dem er selbst vorsaß. Aber der Kaiser ließ sich von der allgemeinen Zustimmung zu seinem Vermittlungsvorschlag blenden. Zwar hatten sich die Konzilsväter in nur vier Wochen geeint, aber geändert hatte sich draußen in den Gemeinden nichts: Jede Richtung vertrat nach wie vor ihre Position mit dem fanatischen Eifer derer, die sich im

Besitz der absoluten Wahrheit wähnen. Der Kampf sollte noch ein gutes Jahrhundert währen.

Aber den Religionskampf hat Justinian, der am 14. November 565 starb, nicht mehr erlebt. Auch nicht, daß die Langobarden Italien bis auf Ravenna und einen kleinen Streifen, den Exarxchat, eroberten, damit der oströmischen Herrschaft 569 ein Ende bereiteten und damit endgültig den Herrschaftsbereich dieses Imperiums auf Griechenland, Kleinasien und den Vorderen Orient beschränkten.

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