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Der Islam
beginnt seinen Siegeszug
Der
außenpolitische Schein der Erfolge Justinians trog. Schon kurz
nach seinem Tod gingen nicht nur weite Teile des Reiches
verloren, sondern Byzanz mußte sich sogar mit wenig Erfolg
gegen Angriffe der persischen Sassaniden im Osten und der
Slaven und Awaren auf dem Balkan erwehren.
• 7.-8.
Jahrhundert
Die Lage
stabilisierte sich erst unter Heraklios (610-641 n. Chr.), der
zunächst Gebietsverluste auf dem Balkan und in Vorderasien
hinnahm, um durch eine Verwaltungsreform im Inneren die Lage
zu konsolidieren. Auf dieser Grundlage gelang es dem Kaiser,
der sich nun griechisch Basileus nannte, die Perser zu
schlagen und zu einem Friedensvertrag zu zwin-
gen. Byzanz
sicherte sich so die Herrschaft über Armenien, einen Teil
Mesopotamiens, Syrien, Palästina und Ägypten.
Inzwischen
aber formierte sich im Süden eine neue Macht: der Islam. Die
durch den Propheten Mohammed religiös und politisch geeinten
Stämme der Araber entfalteten in atemberaubender
Geschwindigkeit ihre geschichtsverändernde Dynamik. Schon 636
n. Chr. unterlag ihr eine byzantinische Armee, unterwarfen die
muslimischen Heere 646 n. Chr. Ägypten und drangen bis
Kappadokien vor. 670 n. Chr. wurde Kyzikos (heute Erdek am
Marmarameer) arabischer Flottenstützpunkt, von dem aus sogar
ein Angriff auf Konstantinopel gestartet wurde, der nur mit
Hilfe des „griechischen Feuers", einer „Wunderwaffe", die
feindliche Schiffe unlöschbar entflammte, zurückgeschlagen
werden konnte. 1453 entdeckten die türkischen Truppen während
der Belagerung das Grab Eyüp al Ansaris, des arabischen
Fahnenträgers. Sein Grab im gleichnamigen Stadtteil von
Istanbul ist heute noch ein Ort religiöser Verehrung.
Auf dem Balkan
drangen zur gleichen Zeit die Bulgaren vor, deren Reich
letztlich von Byzanz anerkannt werden mußte (681 n. Chr.).
Ein größeres
Gewicht hatten aber innere religiös fundierte
Auseinandersetzungen. Für Jahre spaltete der Ikonoklasmus, der
Bilderstreit, das Reich. Kaiser Leo III. und seine Nachfolger
unterdrückten mit Gewalt die Verehrung heiliger Kultbilder.
Möglicherweise
geschah dies unter dem Einfluß des Islam, der die
Bilderverehrung ablehnt.
An Weihnachten
des Jahres 800 wurde der Frankenkönig Karl durch den Papst in
Rom zum Kaiser gekrönt. Dieses Ereignis wurde in
Konstantinopel „scharf verurteilt", sah sich doch der
oströmische Basileus als einzigen legitimen Erben der
römischen Cäsaren. Der Vorwurf der „Weiberherrschaft", der in
Rom und Aachen erhoben wurde, insofern als mit der Kaiserin
Irene eine Frau auf dem Thron Konstantins saß, die immerhin
ihren eigenen Sohn hatte blenden lassen, wurde am Bosporus
wohl als Zweckpropaganda zurückgewiesen.
„Nargile'; die
Wasserpfeife, ein Erbe aus osmanischer Zeit
Zunächst
allerdings wirkte sich dieser Konflikt aufgrund der räumlichen
Entfernung nur mittelbar aus: Die Kluft zwischen dem Papst im
Bündnis mit den Franken einerseits und der byzantinischen
Kirche andererseits, die untrennbar mit dem Kaisertum
verbunden war, vertiefte sich. Allerdings kam es erst 1054 zum
„Schisma", dem endgültigen Bruch zwischen Katholizismus und
Orthodoxie.
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