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    Istanbul

 

   

Nachdem in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts die Araber Sizilien erobert, die Bulgaren Kaiser Nikephoros I. geschlagen und Sklavenaufstände für Unruhen im Inneren gesorgt hatten, setzte in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts eine gewisse Beruhigung der Lage ein. Byzantinische Gegenoffensiven drängten den Einfluß der Araber zurück, und nach 860 n. Chr. begann die Christianisierung der Slaven und Bulgaren. Ein wenn auch wackliger modus vivendi schuf hier Ruhe, so daß General Nikephoros Phokas unter anderem Zypern und Nordsyrien zurückerobern konnte; seine Truppen riefen ihn gleichsam zum Dank zum Kaiser aus.

•              10. und 11. Jahrhundert

Das Reich hatte unter Kaiser Kaiser Basileios (976-1025) wieder eine beachtliche Größe: Es erstreckte sich von Armenien im Osten bis zur Adria im Westen, von der Donau bis zum

Euphrat. Eine eheliche Verbindung mit dem deutschen Kaiserhaus der Ottonen wurde selbstbewußt zurückgewiesen. Dagegen ging der Blick nach Norden: Das Kaiserhaus verschwägerte sich mit dem Fürsten von Kiew, der Patriarch von Konstantinopel wurde von der nun entstandenen russischen Kirche als Oberhirte anerkannt.

Doch der Friede währte nicht lange. Es kam das Jahr 1071, es kam die vernichtende Niederlage des byzantinischen Heeres bei Manzikert (heute Malazgirt) gegen eine neu auftauchende Macht, die hinfort die Geschicke des Reiches und die Geschichte Kleinasiens nachhaltig beeinflussen sollte: die Seldschuken. Dieses zum Islam übergetretene türkische Nomadenvolk nutzte seinen Sieg unter Alp Arslan und gründete unter dessen Neffen Süleyman ibn Kutulmu um die Hauptstadt lconium (heute: Konya) in Zentralanatolien das Reich der Rum-Seldschuken. Rum sollte so viel heißen wie: auf dem Boden der Römer.

Dieses Ereignis vom 19. August 1071 stellte aus mehreren Gründen eine tiefgreifende Zäsur dar: Von nun an wurden die Türken, und damit der Islam, zu einem bestimmenden Faktor in der Geschichte Kleinasiens, des Vorderen Orients und später des Balkan. Zudem offenbarte die Niederlage der Byzantiner die dauernden Schwächen des Reiches: Gruppeninteressen beherrschten den Adel, der Hof war zunehmend in Intrigen ver-

Immerhin Motor-PS statt Pferdestärken: Neuzeit im alten Stambul

strickt, die Wirtschaft lag danieder, und die ehemals effektive Heeresverfassung wurde in ihr Gegenteil verkehrt, die Soldatengüter gerieten immer stärker in grundherrliche Abhängigkeit.

Vor allem rief das Vordringen der Seldschuken die europäischen Kreuzritter auf den Plan, deren Antrieb allerdings weniger die Rettung der christlichen Brüder und Schwestern im Osten waren als vielmehr die Aussicht auf reiche Beute und von Kaiser und Adelsherren unabhängigen Landbesitz in einem Land, wo „Milch und Honig" fließen sollten, wie der Papst versichert hatte.

Einige wichtige Bauwerke aus byzantinischer Zeit

Das Byzantinische Reich wird zum Schatten seiner selbst

Die Kreuzritter, die zunächst nichts als Staub und Hitze fanden, brachten zwar einerseits Entlastung an der inneranatolischen Front, bedeuteten aber andererseits mit dem Entstehen der Kreuzfahrerstaaten am südöstlichen Rand des Reiches zugleich eine gefährliche Konkurrenz.

Mit den Kreuzfahrern tauchte vor allem ein neuer, noch gefährlicherer Rivale im östlichen Mittelmeer auf: die Seefahrt- und Handelsrepublik von San Marco: Venedig.

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