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    Istanbul

 

   

Als in späteren Jahrhunderten diese Eroberungen ausblieben, zeigten sich die verheerenden Folgen dieser Politik. Zunächst aber blühte das Reich mächtig auf und entfaltete seine Kultur auf der Grundlage des Islam mit seinen imponierenden Stiftungskomplexen, zu denen Moscheen, Bibliotheken, Medresen und öffentliche Sozialeinrichtungen gehörten, die auch heute noch bei den Besuchern Staunen und Bewunderung hervorrufen.

Man findet sie heute noch überall in Istanbul, am aufwendigsten wohl im Bereich der Fatih Camii und der Süleymaniye.

Vom Schrecken Europas zum Schrecken der Sultane: die Janitscharen

Ebenso bedeutsam für die Zukunft ist die Reform des Heerwesens gewesen. Die Sultane schufen sich in der Gestalt eines stehenden Heeres ein effektives und gut zu kontrollierendes Machtmittel. Den Kern dieser bald auch in Europa gefürchteten Armee bildete das Elitekorps der Janitscharen (Yeni9eri). Zunächst rekrutierte sich diese Truppe aus Gefangenen, später aus dem sogenannten „Knabenzins" der christlichen Untertanen (Deveirme). Diese mehr oder minder mit Gewalt von ihren Familien getrennten Kinder wurden in Kasernen streng im Sinne des Islam erzogen. Sie erhielten eine berufliche und militärische Ausbildung und wurden so zu einer fanatischen, ganz dem Sultan ergebenen Truppe herangebildet, aus der nicht nur die militärische Stärke des Herrschers erwuchs, sondern die zugleich die Funktion einer „Kaderschmiede" für die höheren Posten in Militär und Verwaltung darstellten. Im 18. Jahrhundert degenerierte diese Institution, die einmal der Schrecken Europas gewesen war, zum Schrecken der Sultane und der Bevölkerung, vor allem in der Hauptstadt Istanbul.

Zunächst aber schien der Traum von einem osmanischen Großreich und der Eroberung Konstantinopels ausgeträumt zu sein, noch ehe er recht Gestalt angenommen hatte. Wieder einmal machte sich die geographische und politische Offenheit Anatoliens nach Osten hin erschreckend bemerkbar.

Durch dieses Einfallstor drangen mongolische Heere unter Timur, dem Lahmen, bekannt als Timurlenk bzw. Tamerlan, gewalttätig und rasend schnell nach Westen vor. Es half Beyazit I. nichts, daß er schnell von Front zu Front eilte, was ihm den Beinamen Yildirim, der Blitz, eintrug. Am 20. Juli 1402 besiegten die Mongolen bei Ankara das osmanische Heer, und der Westen Anatoliens stand seinen raubenden und plündernden Reiterscharen offen. Beyazit I. starb in mongolischer Gefangenschaft. Timur zog sich zwar wieder nach Innerasien zurück, aber das Osmanische Reich schien im Bruderkrieg der Söhne unterzugehen, begleitet von sozialen Kämpfen, inspiriert durch die Gleichheitsideale des islamischen Seyh Bedreddin. Dessen nach Tausenden zählende bewaffnete Anhängerschaft unterstützte den osmanischen Prinzen Musa elebi, der sich zu den Zielen Bedreddins bekannte.

Lachender Dritter hätte, wenn auch nur vorübergehend, der Kaiser in Konstantinopel sein können, aber dazu gab es wenig Anlaß, denn mittlerweile endete sein Reich vor den Toren seiner Hauptstadt.

Mit Hilfe der führenden Köpfe in Armee und Verwaltung konnte sich Mehmet I. (1413-1421) im Bruderzwist durchsetzen, die Volksarmee Seyh

Bedreddins vernichten und so die Herrschaft der osmanischen Sultane festigen.

Sein Nachfolger, Murat II. (14211451), nahm auf dieser Grundlage die Eroberungspolitik seiner Vorgänger wieder auf und schlug zunächst die kleineren Fürstentümer im Osten.

Der letzte Angriff

Mit Mehmet II. (1451-1481) beginnt dann die Blütezeit des Osmanischen Reiches. Anfänglich eher ein zögerlicher Herrscher, ging er als Fatih, als Eroberer von Konstantinopel, in die Geschichte ein.

is tan polin (in die Stadt), hieß das Programm, griechisch formuliert, das die Politik der Sultane bestimmt hatte. Konstantinopel, längst nicht mehr die glänzende Metropole eines mächtigen Reiches, sondern eine im Inneren geschwächte, nur durch ihre immens hohe Mauer geschützte Stadt ohne Hinterland, war das Ziel. Am 29. Mai 1453 brach diese Mauer nach einer gewaltigen Anstrengung der Belagerer. Durch die beiden Festungen Rumeli und Anadolu Hisari an den Ufern des Bosporus, die heute noch von dem zähen Willen ihrer Erbauer zeugen, wurden die Vertei diger vom Nachschub abgeschnit ten. Der junge Sultan ließ die eige nen Schiffe über einen Hügel beirr heutigen Stadtteil Kasimpasa Goldene Horn schleppen. Schwerer Artilleriebeschuß zermürbte die Verteidiger und schlug eine Bresche die Mauer, die 1000 Jahre lang jedem Angriff standgehalten hatte.

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