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Istanbul —
Zentrum des Osmanischen Reiches
MIt der
Eroberung Konstantinopels und dem weiteren Vordringen auf ,
dem Balkan wurde das Osmanische Reich endgültig ein Teil des
europäischen Mächtespiels. Istanbul nannten die neuen
Machthaber von nun ab die Stadt, getreu dem Motto, das Ihre
Eroberungsschlacht bestimmt hatte.
Von Istanbul
aus festigte Mehmet den Staat nach innen durch eine einerseits
umsichtige, andererseits grausam anmutende Politik: So
bestimmte weitgehende Toleranz das Verhältnis zu den
christlichen Untertanen, während auf der anderen Seite auf ihn
der zum Staatsgesetz erhobene Brudermord zurückgeht. So
brachte sein Nachfolger Beyazit II. unmittelbar nach seiner
Thronbesteigung seinen Bruder Cem Sultan um, eine Maßnahme,
die grausige Stabilität in die Herrschernachfolge brachte.
• 16.
Jahrhundert
Rasant und
scheinbar unaufhaltsam dehnte sich das Reich bald bis Poit len,
Österreich und Ägypten aus. Ya, vuz (der Gestrenge) Sultan
Selim 1512-1520) unterwarf den gesamten nahen Osten, dabei
auch die heiligen Städte Mekka und Medina. Seit die" ser Zeit
hatten die Herrscher im Se. rail in Istanbul auch die Würde
des
Kalifen, des
geistlichen Oberhaupts der Muslime in der Nachfolge des
Propheten.
Süleyman der
Prächtige
Europa blickte
mit gemischten Gefühlen nach Südosten. Mit Schrecken sah man
die osmanischen Heere 1521 Belgrad, 1529 Ungarn erobern. In
diesem Jahr belagerte die Streitmacht des Sultans unter dessen
eigener Führung zum erstenmal Wien, wenn auch ohne Erfolg. Auf
der anderen Seite ließen Augenzeugenberichte, oft phantastisch
ausgeschmückt und übersteigert, aus der Stadt am Bosporus
staunend aufhorchen. Europa, das sich gerade aus der
mittelalterlichen Enge zu befreien versuchte, hörte von
gewaltigen religiösen und profanen Bauten, man munkelte von
einer alle Vorstellungen sprengenden prächtigen Hofhaltung,
von verfeinerten Sitten einer unvergleichlichen Weltstadt. Der
Prächtige, diesen Beinamen gaben die Europäer jenem Herrscher
mit dessen Nameh der Höhepunkt osmanischer Machtentfaltung und
kultureller Blüte verbunden ist: Sultan Süleyman (1520-1566).
Zu ihm unterhielten die europäischen Höfe nun auch
diplomatische und vertragliche Beziehungen. Die Türken nennen
ihn Kanuni, den Gesetzgeber, denn es gelang ihm durch
großherrliche Verordnungnen und Gesetze, sein Reich auf eine
stabile Grundlage zu stellen.
Der diese
Zeilen schrieb und unter dem Dichternamen Muhibbi, der
„Liebende", seiner Angebeteten als Brief sandte, war kein
anderer als Sultan Süleyman. Und die so Verehrte war eine
russische Sklavin im Harem jenes Padiah, den Europa als den
Prächigen bewunderte und fürchtete.
Mag auch die
Sprache dieser Verse sich kaum von den schmachtenden
Liebesliedern des frühen 16. Jahrhunderts unterscheiden, so
sind es der Autor und der Anlaß, der diese Zeilen
bemerkenswert machen. Süleyman war beileibe nicht der einzige
unter den Sultanen, der den schönen Künsten gegenüber offen
war, und auch nicht der einzige, der Verse schrieb. Aber es
ist die so Verehrte, die diesen Zeilen aus einem ganzen Bündel
ähnlich glühender Liebesgedichte einen politischen,
möglicherweise schicksalhaften Sinn verlieh.
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