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Was war der
Anlaß für diese Zeilen? War es die Trennung von der Geliebten
während eines Feldzugs — und derer gab es viele in der
vierzigjährigen Herrschaftszeit Süleymans? Oder war es nur die
Romantik eines Sommerabends, erfüllt von Rosenduft und dem
Gesang von Nachtigallen — um noch zwei beliebte Bilder der
Lyrik jener Zeit zu nennen? Wir wissen es nicht. Was wir aber
wissen, ist, daß jene Frau, die als russische Sklavin unter
dem Namen Roxelane in den Harem gekommen war, als Hürrem
Sultan einen bestimmenden Einfluß auf den Sultan gewinnen
konnte.
Wer war dieser
Mann?
1520 war
Süleyman zum Thron gelangt. Der Dichter Baki schrieb 1530:
„Der Herr der
Welt, der Schah der Zeit, Süleyman! Dem Hufe seines Pferds
sind Herrscher untertan." Er war nicht nur Herr über
Kleinasien, den Balkan und Ägypten, sondern auch Kalif, der
religiöse Führer der Muslime, seit sein Vater Selim 1517 bei
Kairo den Mamelukenstaat erobert und das Kalifat an den
Bosporus gebracht hatte. Die osmanische Geschichtsschreibung
nennt ihn Kanuni, den Gesetzgeber, denn er vollendete das von
Mehmet dem Eroberer begonnene Werk einer straffen staatlichen
Zentralisierung. Er wußte fähige Männer an sich zu binden, zu
fördern — und grausam zu verstoßen. Den Piraten Hayreddin,
genannt Barbarossa, ließ er von seinen algerischen
Schlupflöchem nach Istanbul kommen, ernannte ihn zum Admiral
und zum „Großstatthalter der Inseln" im östlichen Mittelmeer.
Nach nur drei Jahren verfügte der Sultan über 280
Kriegsgaleeren und beherrschte damit für Jahrzehnte das
gesamte Mittelmeer, nachdem die Flotte der christlichen
Mittelmeeranrainer 1538 vor Prevesa vernichtend geschlagen
worden war. Heyreddin versetzte die Küsten in Angst und
Schrecken. Tausende wurden in die Sklaverei verkauft worden.
Die osmanische Seemacht schien unbezwingbar zu sein. Das Reich
kontrollierte den gesamten Handel mit dem Nahen und Fernen
Osten, spätestens nachdem die Johanniterfestung auf Rhodos am
20.12.1522 gestürmt werden konnte.
Schön bis ins
Detail: die Süleymaniye Moschee aus dem 16. Jahrhundert
Die Türken vor
Wien
Einen
ähnlichen Ruf genoß das Heer. Ein Jahr nach der
Thronbesteigung eroberte die Streitmacht des Sultans Belgrad,
und 1526 wurde ein ungarisches Heer bei Mohäcs vernichtend
geschlagen. Wie muß es den Bewohnern Wiens zumute gewesen
sein, als Ende September 1529 vor ihren Mauern
Janitscharenmusik die Luft erzittern ließ, als 300
Geschützmündungen auf ihre Stadt gerichtet waren und ein Heer
von 120 000 Mann auf das Signal zum Angriff wartete. Bis zum
14. Oktober stürmten die Janitscharen, die Sipahis und ihre
Hilfstruppen gegen die Mauern, allerdings vergeblich. Der
Sultan fürch-
Meine einzige
Königin, mein Alles,
meine
Geliebte, mein strahlender Mond, meine intime Begleiterin,
mein eines und alles, Herrscherin über alle Schönheit, meine
Sultanin.
Mein Liebling
mit den lieblichen Haaren,
den
Augenbrauen geschwungen wie ein Bogen,
Augen, die
hinreißen: ich bin krank.
Wenn ich
sterbe, so ist es Deine Schuld. Hilf mir, ich flehe dich an,
meine grausame
Geliebte.
Vor deiner
Türe stehe ich, dich zu ehren.
Immer wieder
singe ich dein Lob:
Mein Herz ist
gefüllt mit Sorge, mein Auge mit Tränen. Ich bin der Liebende
— dies ist meine einzige Freude.
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