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    Istanbul

 

   

vom Winter überrascht zu werden und gab den Befehl zum Rückzug. Zwar war zum erstenmal ein osmanisches Heer nicht siegreich gewesen, aber der 1533 mit Ferdinand I. geschlossene Frieden war ein Zeichen, daß der Großherr vom fernen Bosporus Teil des europäischen Mächtesystems geworden war. Hinter dieser Politik, vor allem aber hinter dem osmanisch-französischen Vertrag stand einer der bedeutensten Politiker des Reiches: der Großvezier Ibrahim Paea.

Dieser Vertrag, wegen seiner Kapiteleinteilung Kapitulation genannt, wurde das Vorbild aller außenpolitischen Verträge. In ihm wurden Fragen der Wirtschaft geregelt, vor allem aber der rechtliche Status von Kaufleuten des jeweiligen anderen Staates festgelegt und damit gesichert.

Am 18.2.1536 wurde der Vertrag geschlossen. Einen Monat später, am 14.3.1536 wurde Ibrahim Paea auf Befehl des Sultans hingerichtet. Was den den Sultan dazu bewog, seinen engsten Vertrauten dem Henker auszuliefern, ist unbekannt geblieben. Beide Männer waren etwa gleichaltrig und kannten sich schon, seit Süleyman noch Statthalter auf der Krim war. Er hatte den in Nordgriechenland gefangengenommenen Ibrahim als Sklaven erhalten, hatte wohl sehr früh seine enormen organisatorischen und sprachlichen Begabungen erkannt und ihn an der Palastschule ausbilden lassen. Überraschend schnell, 1523, war er zum Großvezier ernannt worden, hatte schwierige militärische Aufgaben

glänzend bewältigt und war im übrigen der ständige Begleiter seines Herrn. Vielleicht hatte der Neid eine Rolle gespielt.

Ibrahim Paea hatte sich am alten Hippodrom einen Palast errichten lassen, der heute noch in Teilen zu besichtigen ist und der dem Palast des Sultans zwar nicht in der räumlichen Ausdehnung, wohl aber, was die prunkvolle Ausgestaltung anbetraf, in nichts nachstand. Hier war Süleyman zu Gast gewesen, als anläßlich der Beschneidungsfeier für seine beiden Söhne ein glänzendes Fest Hof und Volk, ausländische Diplomaten und Fürsten aus den entlegensten Gebieten des riesigen Reiches 20 Tage lang unterhielt. Miniaturenbilder aus jener Zeit zeigen Hochseilartisten zwischen den Obelisken des At Meydani, Tierdressuren und Schauspiele. Dann wieder faszinierten Scheingefechte, die kriegerische Ereignisse der Feldzüge des Sultans simulierten. Feuerwerk und ein Essen für 10 000 Menschen waren der glanzvolle Höhepunkt des Festes. Vielleicht war es bei dieser Gelegenheit, daß der Sultan sich zum erstenmal fragte, wer der wahre Herr des Reiches sei, er, der Schatten Gottes auf Erden, oder sein Protegä, von dessen hohem Prunksaal aus er den Festlichkeiten folgte.

Roxelane — die Ränke einer Frau Oder vielleicht waren es doch die Intrigen der rothaarigen russischen Sklavin, die ab 1530 zunehmend mehr Einfluß gewann und die diesen Einfluß rücksichtslos ausnutzte. Im-

Josef von Hammer-Purgstal schreibt 1835 über Süleyman: „Betrachten wir seine Bauten, die Meisterwerke osmanischer Baukunst, die Süleymaniye und sechs andere Moscheen zu Konstantinopel und ebenso viele in den Provinzen, die Wasserleitung Justinians zu Konstantinopel und die der Gemahlin Harun Raschids zu Mekka erneuert und bereichert, Jerusalems Ruhe durch feste Mauern und Konstantinopels Zufuhr durch die feste Brücke von Tschekmedje gesichert, und endlich die Denkmale der Gesetzgebung Süleymans, die

merhin wurde ihr Schwiegersohn Rüstern Paea zum Nachfolger Ibrahims ernannt, dessen unermeßlicher Reichtum — ihm gehörten u.a. 815 Landgüter und 476 Wassermühlen — sogar zum Skandal wurde. Noch heute zeugt die aufwendige Ausstattung seiner Moschee mit IznikKacheln, daß der Vorwurf der Bestechlichkeit und der Veruntreuung von Geldern wohl nicht ganz zu Unrecht bestand. Er mußte sogar sein Amt verlassen, allerdings nur vorübergehend, nicht ohne daß Hürrem Sultan die Hinrichtung seines Nachfolgers Kara Ahmet veranlaßt hatte. Eigentliches Ziel Roxelanes aber war es, einen ihrer Söhne auf den Thron zusetzen

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