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Von außen kann
man deutlich die Türme über den Stützen sehen, die wesentlich
dazu beitragen, den Schub der schweren Kuppel aufzufangen. Der
Moschee ist ein großer Hof vorgelagert, der die
Längsausrichtung des Gesamtbaus wirkungsvoll unterstreicht.
1548
vollendet, ist dieses frühe Zeugnis aus der Glanzzeit der
osmanischen Architektur noch heute zu be-
wundern — auf
einem von Mauern umgebenen, unregelmäßigen Areal unmittelbar
vor dem Aquädukt des Valens an der $ehzadebael Caddesi, schräg
gegenüber dem modernen Rathaus Istanbuls.
Geht man von
hier ein Stückchen weiter in Richtung Universität und dann
nach links in die $ehitler Caddesi, erreicht man bald die
Süleymaniye, die die Krönung im Schaffen des großen
Architekten darstellt — zumindest auf dem Boden Istanbuls.
Denn die Selimiye in Edirne hat wohl der große Architekt
selbst als den Höhepunkt seines Schaffens angesehen. In der
Gestaltung von Moschee und Stiftungsbezirk (Külliye) gelingt
es Sinan, die religiöse und politische
Funktion des
Bauwerks zu verbinden mit dem Selbstbewußtsein eines
Herrschers und eines Reiches, das unbesiegt von Belgrad bis
Basra reichte, und dem scheinbar unbegrenzte Mittel zur
Verfügung standen. Hier ließen sich auch der Prächtigste der
Sultane und seine Gattin in ihren Türben beisetzen.
Man muß schon
ein wenig suchen, um unterhalb der Nordostecke der Moschee das
bescheidene offene Grabmal des Mannes zu finden, der 1588
neunzigjährig verstarb, und in dessen Werken sich bis heute
das Genie eines der Großen seiner Zunft manifestiert.
War also eine
Moscheen zu Beginn nichts als ein einfacher Gebetsplatz — der
vor allem der innerlichen Einkehr und dem Gebet der Gläubigen
dienen sollten —, so hatte im Verlauf der baugeschichtlichen
Entwicklung die äußerliche, repräsentative Funktion
entscheidende Bedeutung gewonnen. Dem Bauprinzip der
osmanischen Bauherren lag nun der Anspruch zugrunde, Moscheen
zu schaffen, die ihrem imperialen Anspruch als Nachfolger der
römischen und byzantinischen Kaiser äußere Form verliehen.
Dieses Konzept griff Sinan auf.
Noch saß die
Kuppel in der Beyazit Camii auf einem gemauerten, deutlich
sichtbaren Kubus auf. Die Halbkuppeln, ein
raumgestalterisches, kein statisch notwendiges Element, sind
lediglich angesetzt. Sinan nun- gestaltet diese Elemente zu
einer größeren Einheit um, die Symmetrie,
Zentralität
und Horizontalität harmonisch miteinander verbindet. Es bleibt
der Gebetsraum für die Gemeinde, verbunden nun aber mit dem
Ausdruck herrschaftlicher Monumentalität, die aber nicht
erschlägt, sondern den Raum vielfältig durch Kuppeln,
Halbkuppeln und durch mit bunten Fenstern durchbrochenen
Schildwänden belebt. Die Beziehung zur Hagia Sofia ist immer
wieder diskutiert worden. Sicher war dieser beeindruckende
Raum eine große Herausforderung für die Architekten der
Sultane. Weniger vom technischen Detail her als vielmehr aus
verwandter Konzeption und Anforderung, ist ihr
Vorbildcharakter in der Verbindung von Horizontalität und nach
oben weisender Dynamik zu verstehen.
Sinan gelangt
es, dieser Aufgabe gerecht zu werden, indem der Raum wenig
durch Pfeiler untergliedert ist und die Bewegung nach oben
ohne störende Unterbrechungen über Halbkuppel unmittelbar zum
Scheitel der Hauptkuppel führt. Dies verleiht seinen Moscheen
eine ruhige, konzentrierte Wirkung und Leichtigkeit, die sich
auch in der äußeren Gestaltung niederschlägt. Die für die
Statik so wesentlichen Türme über den Pfeilern sind zwar
deutlich zu sehen, unterstützen aber diese nach oben
gerichtete Wirkung.
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