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    Istanbul

 

   

Zunächst einmal knüpfen die osmanischen Sultane bewußt an die Tradition der römischen Cäsaren und der byzantinischen Kaiser an, indem sie Istanbul, und hier den Kernbereich der einstigen Weltmetropole, zum Herrschersitz wählen. Obwohl einige Sultane lieber in Edirne, der Hauptstadt vor der Eroberung Konstantinopels, weilten, befand sich der Hof — und damit das politische Zentrum — selbstverständlich in der Stadt am Bosporus.

Aber in vieler Beziehung, und augenfällig in ihrer Architektur, spielen alt- türkische Traditionen und durch den Islam geprägte Sitten und Vorstellungen eine nicht zu übersehende Rolle. • Selbst in normalen Wohnhäusern jener Zeit besteht die Zweiteilung in Selamlik und Haremlik, in einen für Fremde zugängliche und einen abgeschlossenen Privatbereich. So auch im Saray. Ursprünglich war der Harem mit seinen nur dem Sultan, seinen Frauen und den Eunuchen vorbehaltenen Räumen sogar getrennt vom öffentlichen, politischen Bereich untergebracht. Denn bis zur Zeit Süleyman des Prächtigen befand sich der Harem im Alten Palast, an der Stelle wo sich heute die Universität befindet, während der Topkapi Herrscher- und Verwaltungssitz mit der Palastschule war.

•              Anders als im feudalen Europa, wo das Lehenswesen ein wesentlicher Bestandteil der politischen Ordnung darstellte, verfügte das Osmanenreich schon sehr früh über eine modern anmutende Verwaltung. Allein dem Sultan zur Loyalität verpflichtete und von ihm abhängige Männer wurden in den verschiedenen Ämtern eingesetzt. So etwas wie einen nach Unabhängigkeit strebenden feudalen Adel gab es in den ersten Jahrhunderten nicht. Hier spielte die Knabenlese der Janitscharen (–. Geschichte) eine große Rolle. nd in diesem Zusammenhang ist auch die Palastschule zu sehen. Besonders befähigte Jugendliche wurden hier ganz im Dienst und im Gehorsam zum Herrscher herangezogen, um dann nach gründlicher Ausbildung in die verschiedenen Ämter und Landesteile geschickt zu werden. Die osmanischen Sultane hatten es also nicht wie ihre europäischen Kollegen nötig, durch Privilegien den jeweiligen Grundadel an

Stadtteil Eminönü

sich zu binden. Sie hatten ihre Sklaven, oder wenn man so will, ihre Beamten.

•              Wohl aus einer sehr frühen Zeit stammt die Regelung, daß der Khan der Khane für die Probleme jedes seiner Untertanen da sein mußte. Andererseits war er als Großherr, als Padieah, von allen seinen Untertanen so weit entrückt, daß es eigentlich nur ihn gab. So durfte in seiner Umgebung z. B. nie geredet werden. Aus dieser merkwürdigen Doppelstellung resultierte auch die Bauordnung des Saray. Ist der erste Hof noch durchaus der Öffentlichkeit zugänglich, war der Zugang zum zweiten Hof nurmehr den gehobenen Beamten, den militärischen Führern und den Veziren vorbehalten.

An ihren Beratungen nahm der Sultan nicht teil, nur durch ein vergittertes Fenster im Beratungsraum, dem Kubbe atü, konnte er unbemerkt der Beratung zuhören.

•              Im dritten Hof war im wesentlichen die Pagenschule untergebracht. Im Übergang vom dritten zum vierten Hof kann man augenfällig die architektonische Reduktion auf den persönlichen, nur dem Sultan vorbehaltenen Bereich beobachten. Im vierten Hof war der Sultan für sich. So etwas wie das königliche levöe Ludwig XIV. von Frankreich, bei der der gesamte Hofadel Aufstehen und Ankleiden des Sonnenkönigs begleitete, wäre hier undenkbar gewesen.

•              So lassen sich deutlich drei Funktionsbereiche unterscheiden:

Topkapi Palast

— Birun, der äußere Dienst, der die Beziehung des Sultans zur Außenwelt regulierte, einschließlich der Verwaltungs- und der Zeremonialämter sowie der Armee.

— Enderun, der innere Dienst, der von den jungen Männern, die sich aus der Knabenlese rekrutierten, getragen wurde; diese waren je nach Alter und Funktion auf die verschiedenen Hofämter verteilt, einschließlich der Leibwache, der Versorgung des Hofs, der Schatzverwaltung und der persönlichen Sekretäre und Bediensteten des Herrschers. Der Ordnungsdienst lag hier in den Händen der weißen Eunuchen.

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