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Sicher hinter
Panzerglas, eingelassen in die mächtige Außenmauer, funkelt
einer der größten Diamanten: der sogenannte Löffelmacher-
Diamant mit 86 Karat.
Gegenüber dem
Schatzhaus sieht man die vier Kuppeln des Hirka-i Saadet. Hier
werden unter anderem der Mantel und die Fahne Mohammeds als
kostbare Reliquien aufbewahrt. Selim 1., der Gestrenge, hatte
mit seinem Sieg über den Mamelukensultan Tumanbey 1517 nicht
nur Ägypten unter seine Herrschaft gebracht, sondern damit
auch den Titel des Kalifen, des Herrschers aller
Rechtgläubigen, mit dem Sultanat verbunden. Diese Gegenstände,
zu denen Barthaare und ein Fußabdruck des Propheten gehören
und die auch heute noch von vielen Muslimen, die das Museum
besuchen, gläubig verehrt werden, waren Zeichen dieser neuen
Stellung und der damit verbundenen Herrschaft über die
heiligen Stätten in Mekka und Medina.
Durch diese
Räume führt der Weg in den vierten Hof, der architektonisch
wohl der schönste ist und am ehesten westlicher Vorstellung
von der Fürstenpracht des Orients entspricht. Eine weit
überdachte Marmorterras-
se gibt den
Weg frei auf die Sarayspitze, der Blick schweift zum
gegenüberliegenden Galata und den von Moscheen gekrönten
Höhenzug des alten Istanbul.
Und so mancher
Besucher läßt sich unter dem kupfernen Baldachin
fotografieren, wo einst die Sultane saßen und auf den Garten
des Harem herunterblickten.
Links davon
sind vor und im Beschneidungszimmer der osmanischen Prinzen,
dem Sünnet odasi, wunderschöne Kachelarbeiten zu sehen.
Bestimmt wird dieser ganze Bereich von den beiden Kiosken, die
— jeweils zur Erinnerung an die Eroberungen der entsprechenden
Städte — Revan- (Eriwan) bzw. Bagdad
Köskü heißen.
Vor allem der letztgenannte Bau, an der Nordecke über die
Terrasse hinausragend, ist von erlesener Handwerkskunst, wobei
die Perlmuttintarsien besonders auffallen.
Geht man über
die schmale Treppe vor dem Revan Köskü zum Tulpengarten Ahmet
III. hinunter, vorbei am hölzernen Sofa Köskü und einem sehr
fein gearbeiteten Brunnen, kommt man zum Mecidiye Köskü, das
Sultan Abdülmecit hier errichten ließ, gleichsam als
Abschiedsgeschenk an den Saray, der so lange als Herrschersitz
gedient hatte und nun durch den neu errichteten Dolmabah9e
Palast ersetzt wurde. Noch wurde der Palast genutzt, noch
diente der Harem als Witwensitz, aber die Gebäude verfielen
zusehends, bis auch der Harem im Zuge der jungtürkischen
Revolution 1908 aufgelöst wurde.
Ob der ganz im
französischen Stil errichtete Bau des Mecidiye Köeü eine
architektonische Bereicherung des Palastes darstellt, mag
dahin gestellt bleiben. Für die müden Besucher hat er einen
großen Vorteil: Hier befindet sich heute das Restaurant des
Topkapi Sarayi, oft überfüllt, nicht gerade billig, aber mit
einer beeindruckenden Aussicht auf Marmarameer und Bosporus.
Der Harem
Während der
Hauptreisezeit muß man schon etwas Geduld aufbringen, während
man vor dem Eingang neben dem Kubbe Alti wartet. Die sehr
zahlreichen Führungen, die auf Türkisch in Verbindung mit
jeweils einer Fremdsprache durchgeführt werden, vermögen kaum
den großen Besucherandrang zu bewältigen. Dabei wird nur ein
geringer Teil der Räume gezeigt, die einst Anlaß zu so vielen
Gerüchten und Mutmaßungen gegeben haben. Aber wenn man durch
das schmale Tor der Schwarzen Eunuchen geht, spürt man
durchaus, wie abgeschnürt von der Außenwelt hier das Leben der
Hunderten von Frauen abgelaufen sein muß.
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