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    Istanbul

 

   

Und schnell wird deutlich, daß schon geographisch gesehen die Unterscheidung in Europa und Asien recht willkürlich ist. Auf beiden Seiten fallen die Uferhänge steil zum Grabenbruch des Bosporus hin ab, auf beiden Seiten verbindet eine Küstenstraße ehemals kleine Fischerdörfer miteinander, und auf beiden Seiten bemerkt man, je mehr man sich der Stadt nähert.

Wer es sich leisten kann ...

Nur dort, wo Steilhänge eine Bebauung erschweren, wo weitläufige Parkanlagen Einhalt gebieten, und wo sich die Villen der Superreichen in dichtem Grün verstecken, haben die Mittelreichen noch nicht ihre dicht an dicht nebeneinandergesetzten Claims abstecken können.

Aber wie schon im 19. Jahrhundert, wenn auch nun als Massenbewegung, strebt jeder, der es sich einigermaßen leisten kann, hinaus an die Gestade des längst eingemeindeten Gewässers, obwohl Mietoder Kaufpreise weit über Istanbu-

deten Hänge verschwinden, daß die überdichte Besiedlung der Stadt mehr und mehr auch von dieser beeindruckenden Landschaft Besitz ergreift.

Es hat in den vergangenen Jahren nicht an Versuchen gefehlt, dem wildwuchernden Bau von mehrstöckigen Häusern Einhalt zu gebieten — vergeblich. Es wird gebaut, was der Platz an den Hängen nur zuläßt, und die Stadtverwaltung kann oder will trotz immer wieder geäußerter Bedenken und Apelle nichts unternehmen. Längst Schon prägen nicht mehr die weißen Holzhäuser, die Yalis, aus dem vergangenen Jahrhundert das Bild zu beiden Seiten, zunehmend sind es der traditionellen

ler Durchschnitt liegen. Lärm und Abgase, im Winter Smog im Innenstadtbereich, vor allem aber der beständige Zuzug von Neubürgern läßt die Menschen in die ehemaligen Bosporusdörfchen fliehen. Wer heute hier mieten will, kommt unter umgerechnet 2000 DM kaum weg.

Hier ist aber auch mit Händen zu greifen, was der Londoner „Economist" im Dezember 1991 schrieb: „Das obere Fünftel der türkischen Gesellschaft erhält mehr vom Kuchen als wohl jede andere upper class in Europa."

türkischen Architektur recht vage nachempfundene Betonbauten, die sich in eine der wenigen verbliebenen Grünen Lungen der Stadt fressen.

Und so wechselt merklich der Charakter der kleinen und oft noch immer malerischen Orte entlang des Bosporus: Aus einzelnen Ortschaften mit noch immer vorhandener kleinstädtischer Bevölkerung wächst ein kaum noch untergliedertes Band ineinander übergehender Vorstädte, die durch ein dichter werdendes Netz von Schnellstraßen mit dem Zentrum verbunden sind — auf der europäischen Seite mehr, auf der asiatischen Seite weniger.

Brücken zwischen Ost und West Einen starken Anteil an dieser Entwicklung haben die beiden Autobahnbrücken: die Bojazi9i Köprüsü, die seit 1973 bei Ortaköy die Meerenge überspannt, und die 1988 in Betrieb genommene Fatih Sultan Mehmet Brücke bei Rumeli Hisari. Sie schließen die Lücke im Autobahnnetz, das weitläufig Istanbul umgeht und die Europastraße 5 von Edirne kommend ins anatolische Hinterland nach Ankara fortsetzt. Wenn das Schiff unter der mit 1074 Metern viertlängsten Hängebrücke der Welt, der Boäazici Köprüsü, hindurch sich dem Zentrum nähert, sieht man auf der europäischen Seite unmittelbar am Ufer den in diesem Jahr wieder neuerrichteten Bau des Qmean Palastes, der heute wieder als Hotel genutzt wird.

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