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Eine
Leishmaniose (engl. Leishmaniasis) ist eine weltweit bei Mensch und Tier
vorkommende Infektionserkrankung, die durch obligat intrazelluläre
protozoische Parasiten der Gattung Leishmania hervorgerufen wird. Das
Verbreitungsgebiet sind die Tropen, besonders das östliche Afrika, aber auch
der Mittelmeerraum.
Übertragung: Leishmania tropica Die Übertragung erfolgt durch Sand- oder
Schmetterlingsmücken. In den 1950er Jahren wurden durch den Einsatz von
Insektiziden (hauptsächlich DDT) gegen Malaria-übertragende Anophelesmücken
auch die Sandmücken (Phlebotominae) stark dezimiert. Heute haben sich die
Sandmückenpopulationen wieder auf das ursprüngliche Niveau vermehrt, wodurch
im Mittelmeerraum die Erkrankungszahlen an Leishmaniosen bei Mensch und Tier
wieder zunehmen.
Die Leishmaniose-Infektionsrate von Hunden ist besonders im Mittelmeerraum
stellenweise sehr hoch: In Andalusien sind bis zu 42 % der Hunde infiziert,
auf Sizilien bis zu 80 %. Die Infektionsrate bei Menschen und Hunden hängt
von der lokalen Sandmückenpopulation, deren Durchseuchung und
Stechgewohnheiten ab.
Formen der menschlichen Leishmaniose: Es gibt viele Krankheitsbilder, die
der jeweiligen geographischen Verbreitung der einzelnen Leishmania-Arten
zuzuordnen sind. Sie reichen vom lokal begrenzten, oft spontan ausheilenden
Solitärulkus bis zur tödlich endenden Allgemeinerkrankung. Weltweit
unterscheidet man drei Leishmanioseformen.
Innere Leishmaniose (viszerale Leishmaniose) [Bearbeiten]Bei der viszeralen
Leishmaniose (auch bekannt als Dum-Dum-Fieber, Schwarzes Fieber oder
Kala-Azar) werden die inneren Organe (lateinisch viscera = Eingeweide)
befallen. Die Erreger sind L. donovani, in Europa L. infantum.
1977 wurde in Indien (Nordbihar) eine große Epidemie mit ca. 70.000
erkrankten Personen beobachtet. Der Begriff Kala-Azar stammt aus dem Hindi
und bedeutet "Schwarze Haut". Die viszerale Leishmaniose ist allerdings
nicht auf Indien und China beschränkt. Sie tritt auch in Europa, z. B. im
Mittelmeerraum, von Portugal bis in die Türkei auf und ist auch in
Südamerika, dort besonders in Brasilien vertreten.
In der Histologie sind die typisch schiffchenförmigen Leishmanien in einem
Makrophagen zu erkennen. Ohne Therapie enden ca. 3 % der Krankheitsfälle
tödlich. Als erstes orales Therapeutikum wurde im Dezember 2004 in
Deutschland das Präparat "Impavido" (Miltefosin) zugelassen.
Hautleishmaniose (kutane Leishmaniose) [Bearbeiten]
kutane LeishmanioseDie kutane Leishmaniose (auch bekannt als Bagdad-,
Orient- oder Aleppobeule) befällt im Gegensatz zur viszeralen Leishmaniose
lediglich die Haut (lateinisch cutis = Haut) und verschont die inneren
Organe. Die Übertragung findet durch Sand- bzw. Schmetterlingsmücken statt.
Die Insekten nehmen bei einer Blutmahlzeit die Leishmanien auf; diese machen
im Darm der Mücken einen Entwicklungszyklus durch und gelangen später in den
Stechrüssel. Durch den Stich einer infizierten Mücke werden sie
weitergegeben. Die Erreger sind L. tropica, L. major, L. aethiopica, L.
mexicana oder L. brasiliense.
Nach dem Stich der Mücke kommt es zunächst zu einer Rötung, dann bilden sich
juckende Knötchen auf der Haut, die sich in Papeln umwandeln und dann ein
nicht schmerzhaftes Geschwür bilden. Die Größe der Geschwüre liegt meist
zwischen einem und fünf Zentimetern. Die Vermehrung der Parasiten ist häufig
auf den Ort beschränkt, an dem die Infektion stattfand. Häufig betroffen ist
das Gesicht. Die sich entwickelnde Beule heilt aber erst nach ein bis zwei
Jahren von selbst ab, wobei eine Narbe entsteht.
Als erstes orales Therapeutikum wurde im Februar 2006 in Deutschland das
Präparat "Impavido" zugelassen.
Schleimhautleishmaniose (mukokutane Leishmaniose) [Bearbeiten]Die mukokutane
Leishmaniose (auch bekannt als Uta oder Espundia) befällt die Schleimhaut
(lateinisch mucus = Schleim). Die Erreger der kutanen und mukokutanen
Leishmaniose unterscheiden sich morphologisch (das heißt vom äußeren Bild
her) nicht voneinander. Eine Unterscheidung ist nur mit immunologischen oder
molekularbiologischen Methoden möglich. Der Erreger ist L. brasiliense
Veterinärmedizin: Leishmaniose kommt im Bereich der Haustiere bevorzugt beim
Haushund vor. Für Katzen, Nager, Rinder und Hauspferd existieren ebenfalls
Beschreibungen der Erkrankung.
Ätiologie: Hunde und Nager scheinen das Hauptreservoir des Erregers zu sein.
Die Übertragung auf Menschen oder andere Säugetiere entspricht
wahrscheinlich nicht dem ursprünglichen Wirtsspektrum der Leishmanien. Zur
Entwicklung benötigt der Parasit zwei Wirte. Zum Einen handelt es sich
hierbei um ein Stechinsekt (Phlebotomus sp. oder Lutzomya sp.), in dessen
Blut sich die etwa 10 bis 15 µm lange, begeißelte und promastigote Form
entwickelt und vermehrt. Wirbeltiere einschließlich des Menschen tragen
dagegen die mit 2 bis 5 µm Länge wesentlich kürzere amastigote Form in sich,
welche geißellos ist und sich bevorzugt im Zellinneren von Makrophagen -hier
besonders im Bereich des retikuloendothelialen Systems- aufhalten. Dazu sind
sie in der Lage aufgrund ihrer Fähigkeit, den Säuregehalt der Phagosomen zu
neutralisieren und freie Sauerstoffradikale im Makrophageninneren
abzufangen. Hier findet auch ihre Vermehrung durch Teilung statt.
Die Einteilung der Parasiten erfolgt anhand ihrer Morphologie, des
bewirtenden Insektes, der Art der ausgelösten Krankheitssymptome und
serologischen Tests. Daneben werden nach der Ähnlichkeit der im Parasiten
aktiven Enzyme Zymodeme sowie nach speziellen DNS-Mustern auf den
Kinetoplasten Schizodeme unterschieden.
Pathogenese: Im Darm des übertragenden Vektors kommt es nach dem Saugen
infizierten Blutes zu einer starken Vermehrung der noch unbegeißelten Form,
welche sich anschließend zum größeren, geißeltragenden Parasiten
transformiert. Mittels dieser Geißeln wandern die Leishmanien aktiv in den
Stechrüssel des Insektes ein und werden von dort bei dessen nächster
Blutmahlzeit in die Haut des Säugers übertragen. Sie werden von
dendritischen Zellen der Haut und lokalen Makrophagen aufgenommen und
vermehren sich in deren Innerem. Nach ihrer Vermehrung zerstören die
Parasiten die Zellmembran und werden so wiederum im Organismus freigesetzt,
woraufhin sie neuerlich Zellen des Abwehrsystems des Körpers befallen.
Hauptsächlich findet dieses in Lymphknoten, Knochenmark, Milz und Leber
statt. Die Inkubationszeit ist dabei sehr unterschiedlich und kann zwischen
einen Monat und sieben Jahren betragen.
Entsprechend der Immunantwort des Organismus verläuft die weitere Krankheit.
Resistente Tiere reagieren auf die Infektion mit einer zellvermittelten
Immunantwort über T1-Helferzellen. Überwiegt hingegen eine
Immunglobulin-vermittelte Immunantwort, werden die trotz der Anheftung von
Antikörpern noch infektionsfähigen Erreger wiederum von Makrophagen
aufgenommen und die Infektion breitet sich aus. Mit zunehmender Dauer der
Erkrankung wird diese Immunantwort immer unspezifischer, was durch ein
Übermaß an zirkulierenden Antigen-Antikörper-Komplexen letztlich zur
Ausbildung von Symptomkomplexen wie der viszeralen Form , der
Nierenversagens oder zum Tod führen kann. Neben dieser indirekten Schädigung
bewirkt der Parasit aber auch unmittelbare Schädigungen, die sich in
granulomatösen Entzündungen von Haut, Leber, Niere, Darm, Augen und Knochen
äußern können.
Klinik, Diagnostik:
Bild mehrerer Hautläsionen beim Hund, mit zentraler Nekrose
Bild mehrerer Hautläsionen beim Hund, mit zentraler NekroseInfolge der
Tatsache, dass Leishmanien nahezu alle Organsysteme des Körpers befallen
können, kann sich die Krankheit sehr vielfältig darstellen. Einem Großteil
der erkrankten Tiere ist jedoch das Auftreten von Störungen der Haut gemein.
Anhand der Verteilung dieser Störung können Rückschlüsse auf die Prognose
der Erkrankung gezogen werden.
symmetrischer Haarverlust und Schuppenbildung: mit 60 Prozent der Fälle
häufigstes Krankheitsbild, das vorwiegend Tiere mit intaktem Immunsystem
entwickeln; beginnend am Kopf verbreitet sich die Erkrankung am gesamten
restlichen Körper.
Hautgeschwüre über Knochenvorsprüngen, an Schwanzspitze und Ohren und im
Haut-Schleimhaut-Übergang: betriftt 20 Prozent der befallenen Tiere und
deutet auf eine geschwächte Immunabwehr hin. Die Symptome werden einerseits
direkt durch die Parasiten hervorgerufen, können aber auch indirekt über
eine von Immunkomplexen hervorgerufene Vaskulitis verursacht werden.
Knötchenbildung in der Haut: in die Haut eingewanderte Makrophagen führen
zur Ausbildung der Knötchen; weitere Abwehrzellen sind nur geringfügig
beteiligt. Die Erkrankung tritt bei etwa 12 Prozent der Patienten auf und
weist auf eine ungenügende Immunabwehr hin.
generalisierte Hautdegeneration mit Pustelbildung im Bereich des
Körperstammes: Mit 4 Prozent die seltenste Form. Die Pusteln sind mit einer
nichteitrigen Flüssigkeit und einigen Parasiten gefüllt. Die Pathogenese
dieser Form ist nicht geklärt und es gibt keinen Hinweis auf einen
Zusammenhang mit der Immunkompetenz des erkrankten Tieres.
Re- oder inermittierendes Fieber mit zwei Spitzen pro Tag (Doppelgipfliges
Fieber) ist ein Hinweis auf eine viszerale Leishmaniose
Neben den beschrieben Störungen kann die Haut weitere Symptome wie
übermäßige Verhornung, Krallenverkrümmung, Nagelbettentzündung und
Pigmentverlust im Nasen-Maulbereich ausbilden. Auch die Schleimhäute können
betroffen sein.
Neben der Erkrankung der Haut sind häufig gleichfalls die inneren Organe
betroffen (viszerale Leishmaniose). Je nach Organbeteiligung ist die
Ausbildung von Leberentzündungen, Darmentzündungen, Nierenversagen,
Blutgefäßentzündungen, Knochenmarkentzündungen, Gelenkentzündungen,
Nervenentzündungen und Muskelentzündungen möglich.
Infolge des sich ausgesprochen vielfältig darstellenden Krankheitsbildes
kann die Diagnosefindung schwierig sein, zumal die Krankheit in den meisten
Teilen Deutschlands nicht endemisch ist und daher oft nicht zur
Routinediagnostik gehört. Daneben gibt es keinen absolut zuverlässigen Test
für die Krankheit.
Die Diagnosestellung beruht neben dem direkten Parasitennachweis vor allem
auf Untersuchungen zur Immunantwort des Wirtes.
Ein direkter Nachweis der Leishmanien kann mittels zytologischer oder
histologischer Untersuchungen erfolgen, bei welchen Zellen des Knochenmarks,
der Lymphknoten oder der Haut mikroskopisch untersucht werden, was eine
direkte Identifizierung der sich meist intrazellulär befindenden Leishmanien
ermöglicht. Als weitere Untersuchung bietet sich als gentechnische Methode
die PCR an, welche bei Proben aus dem Knochenmark eine Sensitivität und
Spezifität von fast 100 Prozent aufweist.
Unter den indirekten Nachweisverfahren hat die serologische Bestimmung von
Antikörpern mittels Immunfluoreszenz-Test oder ELISA die weiteste
Verbreitung gefunden. Obwohl auch hier Sensitivität und Spezifität mit etwa
80 Prozent recht hoch sind, können falsch negative Ergebnisse bei frisch
infizierten Tieren, welche noch keine Antikörper entwickelt haben,
auftreten. Dieses Problem besteht gleichfalls beim Intrakutantest, der aber
unter Umständen eine Aussage über die Schwere des Krankheitsverlaufes
ermöglicht. Ferner besteht die Möglichkeit eines Stimultionstestes der
mononukleären Zellen des peripheren Blutes.
Therapie: Häufig ist eine vollständige Heilung der Erkrankung nicht möglich.
Die therapeutischen Ansätze konzentrieren sich daher neben der
Erregerelimination vor allem auf eine Stärkung der körpereigenen zellulären
Abwehr.
N-Methylglucamin Antimonat [Bearbeiten]N-Methylglucamin-Antimonat
(Handelsname Glucantim) gilt derzeit als Mittel der Wahl in der Behandlung
der Leishmaniose. Durch das Medikament werden im Parasiten ablaufende
Glykolyse- und Fettsäureabbauvorgänge gehemmt. Die abgestorbenen Leishmanien
stimulieren ihrerseits die zelluläre Abwehr. Das Medikament wird nicht im
Darm resorbiert und wird daher per Injektion an 20 bis 30
aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht. Als Nebenwirkungen sind schmerzhafte
Schwellungen im Bereich der Injektion beschrieben, außerdem kann des zur
Ausbildung von Magen-Darm-Beschwerden kommen.
Miltefosin: Miltefosin wurde erst kürzlich entdeckt und hat sich in Studien
als wirksam gegen Leishmanien gezeigt.
Allopurinol [Bearbeiten]Der aus der Therapie der Gicht bekannte Wirkstoff
Allopurinol hemmt die Synthese von Purinen im Wirtsorganisus. Da Leishmanien
nicht in der Lage sind, diese Purine selbst darzustellen und daher auf eine
Versorgung über den Wirt angewiesen sind, werden sie in ihrer Entwicklung
gehemmt. Die Verabreichung erfolgt oral und wird meist mit einem anderen
Medikament kombiniert, da Allopurinol lediglich parasitostatisch wirkt.
Antibiotika: Bei Auftreten von Resistenzen gegen eine Kombinationstherapie
oder einen der oben genannten Wirkstoffe besteht die Möglichkeit des
Einsatzes der Antibiotika Amphotericin B oder Aminosidin.
Weitere Wirkstoffe: Fallberichte schildern den erfolgreichen Einsatz des
Antimykotikums Ketokonazol sowie des Anthelmintikums Levamisol, der von
Studien bisher aber nicht bestätigt wurde.
Immuntherapie: Zur Stärkung der körpereigenen Abwehr kann der Einsatz von
rekombinatem Interferon eine therapeutische Option sein, da hierbei die
Differenzierung von Lymphozyten zu T1-Helferzellen gefördert wird.
Prophylaxe: Ein wesentlicher Bestandteil der Bekämpfung der Leishmaniose ist
die Prophylaxe einer Infektion. Der klassische Weg ist hierbei, den Vektor
vom Stich am Wirt abzuhalten (Repellenswirkung). Gute Erfolge werden hierbei
mit Pyrethroiden wie Permethrin oder Deltamethrin erzielt. Daneben existiert
(nicht in Deutschland) die Möglichkeit einer Impfung, welche in Form einer
transmission blocking vaccine wirken soll.
Quelle: Wikipedia - Die freie
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