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Lepra
ist eine seit der Antike bekannte Infektionskrankheit und wird auch als
Hansen-Krankheit, Aussatz oder Miselsucht (engl. leprosy) bezeichnet. Sie
wird durch das Bakterium Mycobacterium leprae ausgelöst und kann heute mit
einer Kombination aus mehreren Antibiotika, die allerdings in Entwicklungs-
und Schwellenländern oft nicht verfügbar sind, gut behandelt werden.
Durch die Zusammenarbeit aller weltweit tätigen Leprahilfswerke in der
sogenannten ILEP - International Federation of Anti-Leprosy Associations ist
die Lepra heute zwar nicht ausgerottet aber weitestgehend kontrolliert. Die
Inkubationszeit kann bei Monaten oder auch Jahren (bis zu 40 Jahren in
Extremfällen) liegen. Für die Übertragung bzw. die Infektion mit dem Erreger
bedarf es eines langfristigen Kontakts mit einem Infizierten. Man geht davon
aus, dass es sich um eine „Tröpfcheninfektion“ handelt.
Geschichte
Lepra ist eine der ältesten bekannten Krankheiten und wird schon in den
frühesten Schriften erwähnt. Neuesten Forschungsergebnissen zufolge gibt es
eindeutige Anzeichen dafür, dass der Ursprung von Lepra in Ostafrika liegt.
Übereinstimmend mit den Wanderungsbewegungen des frühen Menschen vor
Zehntausenden von Jahren hätten sich von dort aus die Bakterien einerseits
nordwestwärts nach Europa und andererseits Richtung Osten nach Indien und
Asien ausgebreitet.
Im Alten Testament/der Tora wird in Leviticus Kapitel 13, Vers 1–46
ausführlich beschrieben, woran Aussatz zu erkennen ist und wie mit den
Erkrankten zu verfahren sei. Allerdings wird hier nicht streng zwischen
Lepra und anderen Hautkrankheiten wie z.B. Lupus unterschieden. Aufgrund des
damals unvollständigen medizinischen Wissens wurden viele Hautkrankheiten
als „Aussatz“ (hebr. zara'at) bezeichnet; woran ein „Aussätziger“ in
Überlieferungen erkrankt war kann man daher nicht mit Sicherheit sagen.
In Griechenland und in Italien zu Ciceros Zeiten scheint Lepra häufig
vorgekommen zu sein. Später, im 7. und 8. Jahrhundert, war sie unter den
Langobarden sehr verbreitet, und in Bremen wurden schon im 9. und in
Würzburg im 11. Jahrhundert Hospitäler für Leprakranke gegründet. Das
Leprosorium Aachen-Melaten wurde lt. Ausgrabungsergebnis im 8. Jh. an der
Königsstraße nach Maastricht gegründet.
Übersicht über Neuinfektionen mit Lepra im Jahr 2003Die allgemeinere
Verbreitung des Aussatzes in Europa im Mittelalter wird oft den Kreuzzügen
zugeschrieben. Sie erreichte ihren Höhepunkt im 13. Jahrhundert und
verschwand mit dem Ende des 16. Jahrhunderts weitgehend aus der Reihe der
chronischen Volkskrankheiten in Mitteleuropa. Da Lepra im Grunde kaum
ansteckend ist liegt die tatsächliche Ursache der Erkrankungen in mangelnder
Hygiene, Unterernährung und somit einem geschwächten Immunsystem.
Ansteckung war bereits ein von der Pest bekanntes Phänomen. Schon in der
Antike war Aussatz als ansteckende Krankheit gefürchtet, weshalb Aussätzige
aus der Gemeinschaft verstoßen und Kontakt mit ihnen vermieden wurde.
Gesunde wiederum, die sich um Leprakranke kümmerten ohne selbst an Lepra zu
erkranken hatten deshalb das Ansehen, von einer höheren Macht beschützt zu
werden. Diese mied man auch meistens nicht, da man nicht damit rechnete, ein
Gesunder könnte von einem Kranken irgendwas auf einen anderen Gesunden
übertragen, das ihn erkranken lässt.
Meyers Konversationslexikon von 1888 weist darauf hin, dass Lepra in
Skandinavien, auf Island und der Iberischen Halbinsel, in der Provence und
an den italienischen Küsten, in Griechenland und auf den Inseln des
Mittelmeers regelmäßig vorkam. Im Verlauf der Kolonialisierung gelangte der
Erreger nach Westafrika und Amerika und durch den weiteren Sklavenhandel in
die Karibik und nach Brasilien.
Am verbreitetsten jedoch sei die Krankheit im 19. Jahrhundert in Norwegen
gewesen, wo man 1862 noch 2.119 Aussätzige bei nicht ganz 2 Millionen
Einwohnern zählte. In Deutschland wurden zur gleichen Zeit nur vereinzelte
Fälle registriert. Insgesamt hat sich der Lepraerreger in der Zeit seiner
weltweiten Ausbreitung genetisch kaum verändert, was für Bakterien extrem
ungewöhnlich ist. Dennoch ließ sich mit den winzigen genetischen
Unterschieden der Verbreitungsweg der Lepra nachträglich mit hoher
Genauigkeit feststellen.
Andere neue Forschungen gehen davon aus, dass die Lepra hauptsächlich durch
die Tuberkulose zurückgedrängt wurde. Die von der Lepra geschwächten
Personen wurden oft auch von der Tuberkulose befallen, welche die Kranken
ziemlich schnell tötete und so eine Ausbreitung der kaum ansteckenden Lepra
verhinderte.
Lepra heute
Aufgrund der Behandlungsmöglichkeiten mit Antibiotika ist Lepra inzwischen
in Ländern mit entwickelter Gesundheitsversorgung nahezu ausgerottet. In
vielen Entwicklungsländern hingegen stellt die Krankheit noch ein
ernstzunehmendes Problem dar. Ein Großteil der Erkrankten lebt in Indien.
Auch in Afrika gibt es viele Kranke. Und auch in Brasilien ist die Lepra
noch ein ernstes Problem. Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (DAHW)
schätzt die Zahl der jährlich weltweit vorkommenden Neuinfektionen auf etwa
250 -300.000 (Stand 2006). In vielen der von Lepra betroffenen armen Ländern
wurden mit Entwicklungsgeldern spezielle Behandlungszentren errichtet. Es
ist erklärtes Ziel der Weltgesundheitsorganisation, die Krankheit
auszurotten, ähnlich wie es mit den Pocken gelungen ist. Wobei davon, durch
die ungewöhnlich lange Inkubationszeit bei der Lepra, noch lange nicht
ausgegangen werden kann. Das letzte speziell für die Behandlung
eingerichtete Sanatorium in Europa liegt in dem kleinen spanischen Dorf
Fontilles im Hinterland der Costa Blanca. Hier im Sanatorio San Francisco de
Borja lebten früher bis zu 400 Leprakranke. Zurzeit werden noch etwa 60 akut
Kranke oder von der Krankheit gezeichnete Menschen betreut.
Klassifikation
Die Symptome der Lepra variieren von Patient zu Patient sehr stark. Um die
unterschiedlichen Erscheinungsformen der Lepra klassifizieren zu können,
wurde auf dem VI. Internationalen Lepra Kongress 1953 in Madrid folgende
Einteilung vorgenommen:
indeterminierte Lepra
tuberkoloide Lepra
lepromatöse Lepra
Borderline
Symptomatik
Bei dieser Krankheit aus dem Bereich der Neurologie sterben die Nerven ab
und die Betroffenen verlieren das Gefühl für Kälte, Wärme und auch Schmerz.
Ohne Behandlung verletzen sie sich oft unbemerkt und infizieren sich über
die Wunden an lebensgefährlichen Krankheiten wie z.B. Tetanus. Daher rührt
auch die noch immer verbreitete falsche Vorstellung, dass Lepra zu einem
„Abfallen“ von Armen, Händen oder Ohren führt. Da die Erkrankten keine
Schmerzen spüren, werden Wunden oft unbehandelt gelassen und durch
Entzündungen können diese Körperbereiche absterben. Dies ist aber nur eine
indirekte Folge der Lepra und keinesfalls typisch.
Frühstadium
typische Hauterscheinungen bei LepraIm Frühstadium spricht man von
indeterminierter Lepra. Sie äußert sich in unscharf abgegrenzten Flecken auf
der Haut. Bei dunkelhäutigen Menschen sind diese heller als die gesunde
Haut, bei hellhäutigen sind sie gerötet. Die Flecken selbst fühlen sich für
den Erkrankten taub an. In dieser Phase kann die Krankheit stagnieren,
spontan abheilen oder zur tuberkoloiden, lepromatösen oder Borderline Lepra
weiterentwickeln.
Tuberkoloide Lepra
Die asymmetrischen Hautflecken sind hier erhaben und rau. An den betroffenen
Stellen fallen die Haare aus. Neben der Haut sind vor allem die peripheren
Nerven knotig verdickt. Der Befall ist auch hier asymmetrisch. Mit
fortschreitender Krankheit nimmt der Tastsinn immer weiter ab, bis der
Patient nichts mehr spürt. Die Folge sind oft schwere Verletzungen und
daraus resultierend weitere Verstümmelungen. Der Befall motorischer Nerven
äußert sich in Muskelschwäche, Muskelrückbildung und Lähmungserscheinungen.
Borderline Lepra
Borderline Lepra gilt als instabile Krankheitsvariante, die sich je nach
Zustand des Immunsystems weiterentwickelt. Bei weitgehend intaktem
Immunsystem bildet sich die bakterienarme, tuberkoloide Form heraus. Bei
geschädigtem Immunsystem vermehren sich die Bakterien nahezu ungestört. Es
kommt zur Ausbildung der bakterienreichen, ansteckenden lepromatösen Form.
Die Symptome im Borderline Stadium können sowohl denen der tuberkoloiden
Lepra ähneln als auch deutlich Abweichungen zeigen. So können die
Hautflecken symmetrisch sein; auch der Befall der Nerven kann symmetrisch
erfolgen.
Lepromatöse Lepra
Die lepromatöse Lepra ist die schwerste Form der Krankheit. Durch ungehemmte
Vermehrung der Bakterien verbreiten sich diese über Blutbahnen,
Nervengewebe, Schleimhäute und das Lymphsystem im ganzen Körper. Die Haut
ist stark verändert und von Knoten und kleinen Flecken überzogen.
Charakteristisch sind die hellroten bis braunen Leprome, die das Gesicht und
andere Körperteile zersetzen. Besonders im Gesicht verschmelzen diese zu
einem „Löwengesicht“ (Facies leonina). Im weiteren Verlauf kann ein
geschwüriger Zerfall mit Befall von Knochen, Muskeln und Sehnen und einem
Befall der inneren Organe erfolgen.
Der Tod tritt nicht unmittelbar durch den Erreger, sondern durch
Sekundärinfektionen ein.
Therapie
Grundsätzlich gilt Lepra heutzutage als heilbar.
Ein erster großer Fortschritt im Kampf gegen die Lepra war die Entdeckung
des Krankheitserregers, des Bakteriums Mycobacterium leprae durch den
norwegischen Arzt Gerhard Armauer Hansen im Jahr 1873. Der deutsche
Dermatologe Eduard Arning begann am 28. September 1884 ein vierjähriges
Menschenexperiment an dem damals 48jährigen gesunden Polynesier Keanu, das
den Nachweis der Übertragbarkeit der Lepra erbrachte.
Erste Therapieansätze gab es schon in den 20er Jahren. Diese waren jedoch
wenig erfolgreich. Ein Durchbruch in der Lepratherapie gab es in den 40er
Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Sulfonamidtherapie. 1947 führte Archie
Cochrane Dapson (DDS), das bis heute bedeutsamste Sulfonamid, in die
Therapie ein.
Die Heilungsaussichten sowie die geeignete Therapieform hängen ab von der
Erscheinungsform und dem Fortschritt der Erkrankung. Zur Klärung wird hierzu
ein Lepromintest durchgeführt. In Abhängigkeit von der Diagnose ist eine
monate- bis jahrelange Kombinationstherapie mit den Medikamenten Dapson,
Clofazimin (ab 1962) und Rifampicin (ab 1971) erforderlich. Es kommt vor,
dass ein Wechsel der Immunitätslage zu einer Verschlechterung des Zustandes
führt. Diese Veränderung wird Lepra-Reaktion genannt. Die hierbei gegebenen
komplexen Vorgänge müssen von einem Spezialisten mit einer auf den Patienten
individuell abgestimmten Therapie behandelt werden.
In den 70er Jahren wurden Kombinationstherapien mit mehreren Antibiotika
entwickelt und in einem mehrjährigen Feldversuch auf Malta erfolgreich
getestet. Daraufhin empfiehlt die WHO seit 1982 die Polychemotherapie in
einer bis heute kaum abgewandelten Form.
Obwohl es immer noch Versorgungsschwierigkeiten mit den benötigten
Medikamenten in armen Ländern gibt, konnte die Lepra in den 1990er Jahren
weiter zurückgedrängt werden. Die WHO ist mit der Ausrottung dieser Seuche
beschäftigt.
Sonstiges
Eine Anzüchtung des Erregers in vitro ist bis heute noch nicht gelungen.
Seit 1960 gelang es jedoch, M. leprae in Mäusepfoten zu züchten. Wegen ihrer
ungewöhnlich niedrigen Körpertemperatur sind seit 1971
Neunbinden-Gürteltiere die für die Anzüchtung des Erregers geeignete
Tiergruppe. Dies macht sie auch unverzichtbar bei der Erforschung von
Impfstoffen.
Quelle: Wikipedia - Die freie
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