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Malaria (von italienisch mal'aria „schlechte Luft“) – auch Sumpffieber oder
Wechselfieber genannt – ist eine meldepflichtige Tropenkrankheit, die von
einzelligen Parasiten der Gattung Plasmodium hervorgerufen wird. Die
Krankheit wird in den Tropen und Subtropen durch den Stich einer weiblichen
Stechmücke (Moskito) der Gattung Anopheles übertragen. Außerhalb dieser
Gebiete lösen gelegentlich durch Flugreisende eingeschleppte Moskitos die so
genannte „Flughafen-Malaria“ aus. Hierbei sind alle Personen im direkten
Umfeld von Flughäfen gefährdet, z. B. Flughafenbedienstete oder Anwohner.
Bis auf eine Übertragung durch Bluttransfusion und Laborunfälle ist eine
Mensch-zu-Mensch-Ansteckung nur gelegentlich von der Mutter auf das
ungeborene Kind möglich, wenn die Plazenta (besonders während der Geburt)
verletzt wird. Der Mensch und die Anopheles-Mücken stellen das einzige
nennenswerte Erregerreservoir humanpathogener Plasmodien dar.
In der Gattung der Plasmodien sind nur die vier Erreger Plasmodium
falciparum, Plasmodium vivax, Plasmodium ovale und Plasmodium malariae für
den Menschen gefährlich (humanpathogen). Hinsichtlich ihres
Krankheitsverlaufes und ihrer geographischen Verbreitung unterscheiden sie
sich erheblich. Plasmodium falciparum ist der klinisch bedeutsamste und
bedrohlichste Erreger.
Die Symptome der Malaria sind hohes, wiederkehrendes bis periodisches
Fieber, Schüttelfrost, Beschwerden des Magen-Darm-Trakts und Krämpfe.
Besonders bei Kindern kann die Krankheit rasch zu Koma und Tod führen.
Erreger
Liste humanpathogener Erreger
Plasmodium Inkubationszeit Malariaform Teilungsdauer/Fieberanfälle
P. falciparum 7-30 Tage (90 %)
länger (10 %)* Malaria tropica unregelmäßig
P. malariae 16-50 Tage Malaria quartana 72 Stunden
P. ovale 12-18 Tage
länger (10 %)* Malaria tertiana 48 Stunden
P. vivax 12-18 Tage
länger (10 %)* Malaria tertiana 48 Stunden
(* bei unzureichender Malariaprophylaxe)
Für den Menschen gefährlich sind die Erreger Plasmodium falciparum,
Plasmodium vivax, Plasmodium ovale und Plasmodium malariae, die verschiedene
Formen der Malaria auslösen können.
Darüber hinaus können auch Plasmodium semiovale und Plasmodium knowlesi in
Einzelfällen eine Malaria auslösen. Bei Mehrfachinfektionen mit gleichen
oder verschiedenen Plasmodien können die Fieberanfälle auch unregelmäßig
sein. Das sonst typische Wechselfieber bleibt aus, es herrscht konstantes
Fieber.
Lebenszyklus
Lebenszyklus der PlasmodienIm Laufe ihres Lebenszyklus vollziehen die
Erreger der Malaria, die Plasmodien, einen Wirtswechsel. Der Mensch dient
dabei als Zwischenwirt. Als Endwirt dienen Stechmücken, insbesondere der
Gattung Anopheles. In ihnen findet die Vermehrung der Plasmodien statt.
Im Menschen (asexuelle Phase / Schizogonie)
Nachdem der Mensch von einer infizierten Anopheles-Mücke gestochen wurde,
sondert sie mit ihrem Speichel, welcher Gerinnungshemmer enthält, ca 10-15
Sporozoiten ab. Diese werden mit dem Blutstrom zur Leber getragen, wo sie in
die Zellen des Lebergewebes eindringen und darin zum Leberschizont
heranreifen. Dort findet eine Vermehrung (Teilung) statt, die
exoerythrozytäre Schizogonie genannt wird. Dadurch entstehen bis zu 30.000
Merozoiten. Der Schizont platzt und die Merozoiten gelangen in die Blutbahn.
Bei Plasmodium vivax und Plasmodium ovale verbleiben Hypnozoiten ungeteilt
im Lebergewebe. In diesem Ruhezustand können sie über Monate bis Jahre
verbleiben. Durch einen unbekannten Stimulus reifen sie zu Schizonten heran,
was zu charakteristischen Rückfällen der Malaria tertiana führt.
Die Merozoiten gehen in den Blutkreislauf über und befallen sodann rote
Blutkörperchen. Sie dringen in diese ein und verwandeln sich dort in
Ringformen, die zu einem Trophozoit heranreifen. Dieser verwandelt sich
wiederum in einen Schizonten und kann im Durchschnitt acht bis zwölf
Merozoiten freisetzen; bei Plasmodium falciparum sogar bis zu 32. Eine
geringe Zahl von Merozoiten entwickeln sich zu Geschlechtsformen,
Gametozyten. Diese befinden sich nach meist einer Woche in geringer Anzahl
im Blut, weshalb sie in der Routinediagnostik kaum entdeckt werden. Die
männlichen Gametozyten werden Mikrogametozyten und die weiblichen
Makrogametozyten genannt.
In der Mücke (sexuelle Phase / Sporogonie)
Beim erneuten Stich einer Mücke werden die Gametozyten in die Mücke
aufgenommen. Sie entwickeln sich in ihrem Darm zu Gameten. Der Mikrogamet
penetriert den Makrogameten, und es entsteht eine Zygote. Diese verändert
sich, nimmt eine längliche Form an und wird motil (= beweglich), diese Zelle
heißt nun Ookinet. Er lagert sich zwischen den Gewebeschichten des
Mückendarms an und verwandelt sich dort zur Oozyste. In ihr entstehen bis zu
1.000 neue Sporozoiten. Nach ihrer Freisetzung wandern sie in die
Speicheldrüsen der Mücke und stehen nun zur Neuinfektion bereit. Der Zyklus
in der Anopheles dauert abhängig von der Außentemperatur zwischen 8-16
Tagen. Dabei ist eine Mindesttemperatur von 15 °C erforderlich. Unterhalb
dieser Temperatur kommt kein Zyklus mehr zustande.
Pathogenese
Plasmodium im Zytoplasma einer befallenen Zelle (EM-Aufnahme in
Falschfarben)Die mit Plasmodien infizierten, reifenden und platzenden roten
Blutkörperchen setzen mit den Merozoiten Toxine (z. B. Phospholipide) frei,
welche wiederum zur Freisetzung von Zytokinen führen. Die Zytokine sind
hauptsächlich für den Fieberanstieg und einer beobachteten Absenkung des
Blutzuckerspiegels (Hypoglykämie) verantwortlich. Die mit einer
Laktatazidose verbundene Hypoglykämie wird nicht nur durch die Wirkung der
Zytokine hervorgerufen, sondern ist auch eine Folge des Stoffwechsels der
Parasiten. Ebenso kommt es bei hoher Parasitenanzahl im Blut durch Auflösung
(Lyse) der roten Blutkörperchen, Abbau von befallenen roten Blutkörperchen
in der Milz und Dämpfung der Erythropoese im Knochenmark durch die
Zytokinfreisetzung (insbesonders durch den Tumornekrosefaktor-Alpha) zu
einer Anämie.
Darüber hinaus bestehen zwischen Plasmodium falciparum und den anderen
Malariaerregern wichtige pathogenetische Unterschiede.
Plasmodium falciparum
Plasmodium falciparum - RingformenIn den roten Blutkörperchen produziert der
Trophozoit Proteine, wie zum Beispiel PfEMP1 (Plasmodium falciparum infected
erythrocyte membrane protein 1), welches eine Bindung der infizierten
Blutkörperchen an das Endothel der Blutgefäße bewirkt. Die damit verbundenen
Mikrozirkulationsstörungen erklären zumindest teilweise den deutlich
schwereren Verlauf der durch Plasmodium falciparum hervorgerufenen Malaria
tropica.
Die Anhaftung der roten Blutkörperchen am Endothel und die mangelnde
Verformbarkeit der befallenen Zellen, führt zu einer Verlegung der
Kapillaren und somit zu einer Störung der Sauerstoff- und
Nährstoffversorgung der Umgebung. Dies hat im zentralen Nervensystem
besonders dramatische Auswirkungen und die häufigen zentralen Komplikationen
der Malaria tropica zur Folge. Besonders kleine Kinder können in ein
lebensbedrohliches Koma verfallen (cerebrale Malaria).
Übrige Plasmodien
Die übrigen Plasmodienarten sind nicht in der Lage am Endothel zu haften,
womit auch die geringere Anzahl an Durchblutungsstörungen und somit die
geringe Gefährlichkeit zu erklären ist. Plasmodium malariae unterscheidet
sich von den anderen humanpathogenen Plasmodien dadurch, dass es vereinzelt
auch andere höhere Primaten befällt.
Klinik
Auf Grund des unterschiedlichen Verlaufs der Erkrankung kann zwischen der
Malaria tropica, der Malaria tertiana und der Malaria quartana unterschieden
werden. Die Malaria tropica ist dabei die schwerste Verlaufsform der
Malaria.
Malaria tropica
Die Malaria tropica wird durch den Erreger Plasmodium falciparum verursacht.
Charakteristisch für die Malaria tropica sind die hohe Parasitämie, die
teils ausgeprägte Anämie und die häufig vorkommenden neurologischen
Komplikationen. Es kann ein rhythmischer Fieberverlauf vorliegen. Ein Fehlen
der Fieberrhythmik ist jedoch kein Ausschlusskriterium einer Malaria tropica.
Inkubationszeit
Zwischen dem Stich der Anopheles-Mücke und dem Krankheitsausbruch liegen im
Mittel zwölf Tage. Erheblich kürzere Zeitintervalle treten bei einer
Infektion mit erregerhaltigem Blut auf. Längere Inkubationszeiten sind unter
Einnahme einer unzureichenden Chemoprophylaxe möglich.
Fieber
Das typische wechselnde Fieber mit Schüttelfrost beim Fieberanstieg und
Schweißausbrüchen bei Entfieberung, wie es bei anderen Malariaformen
auftritt, wird bei der Malaria tropica in der Regel nicht beobachtet. Daher
kann man eine Malaria, eine Malaria tropica insbesondere, nicht allein
aufgrund der Tatsache ausschließen, dass keine typische Fieberrhythmik
vorliegt. Ein hohes Fieber über 39,5 °C tritt häufig bei Kindern auf und ist
als prognostisch ungünstig zu beurteilen. Häufig kommt es zu zentralen
Komplikationen und Koma.
Neurologische Komplikationen
Bewusstseinsstörungen, die bis zum Koma reichen können, stellen eine
typische Komplikation der Malaria tropica dar. Dabei sind plötzliche Wechsel
der Bewusstseinslage ohne Vorzeichen durchaus möglich. Es kann auch zu einer
langsamen Eintrübung des Patienten kommen. Im Rahmen einer zerebralen
Malaria können auch neurologische Herdsymptome wie Lähmungen und
Krampfanfälle auftreten. Die normale neurologische Diagnostik führt hier
kaum zu einer adäquaten Diagnose. Eine hohe Parasitenzahl im Blut dient als
entscheidender Hinweis.
Bei Schwangeren und Kindern können Hypoglykämien auftreten, die allein oder
mit der zentralen Problematik zum Koma führen.
Anämie
Typische blasse Zunge bei einer schweren AnämieAnämien treten häufig bei
schweren Infektionen auf. Eine besondere Risikogruppe für schwere Anämien
stellen Säuglinge und Kleinkinder dar. Meist handelt es sich um eine
hämolytische Anämie durch Zerstörung roter Blutkörperchen. Wie oben erwähnt
besitzt auch die Hemmung der Erythropoese eine gewisse Bedeutung. Die
Schwere der Anämie korreliert stark mit dem Ausmaß des Parasitenbefalls.
Hämoglobinurie
Der durch die massive Hämolyse angestiegene Hämoglobin-Spiegel im Blut führt
zu einer Hämoglobinurie (daher die frühere Bezeichnung Schwarzwasserfieber),
dem Ausscheiden von Hämoglobin über die Nieren. Diese Hämoglobinurie kann zu
einem akuten Nierenversagen führen.
Veränderungen anderer Organsysteme
Kind mit massiven Ödemen (Anasarka) aufgrund malariabedingter
NiereninsuffizienzIm Laufe der Erkrankung kann es zu einer Vergrößerung der
Milz (Splenomegalie) kommen, bedingt durch die große Zahl dort abzubauender
Trümmer roter Blutkörperchen. In seltenen Fällen führt das Gewebswachstum zu
einer Spannung der Kapsel, so dass diese leicht einreißen kann (Milzruptur).
Den Magen-Darm-Trakt betreffende Symptome wie Durchfälle sind häufig und
differentialdiagnostisch von Bedeutung, da sie bei fehlendem oder schwach
ausgeprägtem Fieber zur falschen Diagnose bakterielle Enteritis führen
können.
In bis zu zehn Prozent der Fälle kann eine Lungenbeteiligung auftreten, die
von leichten Symptomen bis zu einem Lungenödem reichen kann.
Nicht selten kommt es durch eine Durchblutungsstörung der Niere zu einem
akuten Nierenversagen. Nach ausgeheilter Infektion erholt sich die Niere
meist.
Malaria tertiana
Die Malaria tertiana wird durch die Erreger Plasmodium vivax oder Plasmodium
ovale verursacht. Sie ist eine der gutartigen Verlaufsformen der
Malariaerkrankung. Es treten im Vergleich zur Malaria tropica kaum
Komplikationen auf. Das Hauptproblem besteht darin, die unspezifischen
Vorsymptome von der bösartigen Malaria tropica abzugrenzen. Dies gelingt
meist nur in der mikroskopischen Diagnostik.
Inkubationszeit
Die Inkubationszeit beträgt zwischen 12 und 18 Tagen, kann aber auch mehrere
Monate dauern, wenn der Verlauf der Infektion durch die Chemoprophylaxe
verlangsamt wird.
Fieber
Nach einer unspezifischen Prodromalphase von wenigen Tagen stellt sich
normalerweise die typische Dreitagesrhythmik ein, die der Malaria tertiana
ihren Namen gab. Zwischen zwei Fiebertagen liegt in der Regel ein
fieberfreier Tag.
Die Fieberattacken gehorchen meist folgendem Schema:
Froststadium (1 Stunde): Der Patient leidet unter Schüttelfrost und dem
subjektivem Gefühl starker Kälte. In dieser Phase steigt die Temperatur
steil an.
Hitzestadium (4 Stunden): Die Haut brennt häufig quälend. Es treten schwere
Übelkeit und Erbrechen auf. Die Temperatur kann über 40 °C betragen.
Schweißstadium (3 Stunden): Unter starkem Schwitzen sinkt die Temperatur bis
zum Normalwert von 37 °C.
Wie bei allen anderen Malariaformen gilt auch hier, dass das Fehlen der
Fieberrhythmik keineswegs ausreicht, um die Krankheit auszuschließen.
Rezidive
Wie schon oben erwähnt, bilden sich im Lebenszyklus von Plasmodium vivax und
Plasmodium ovale Ruheformen, die so genannten Hypnozoiten, aus. Sie können
der Anlass dafür sein, dass es nach einer Ruhephase von Monaten bis Jahren
zum erneuten Ausbruch der Krankheit kommt. Diesem muss nicht unbedingt eine
anamnestisch bekannte Malariaerkrankung vorausgehen. Die Rezidive sind
besonders tückisch, da oft weder vom Patient noch vom Arzt ein Zusammenhang
zur Malaria hergestellt wird. Sie können jedoch in der Regel durch
medikamentöse Maßnahmen (in erster Linie unter Einsatz von Primaquin)
langfristig unterbunden werden.
Malaria quartana
Die Malaria quartana wird durch den Erreger Plasmodium malariae verursacht.
Auch hier handelt es sich um eine gutartige Form der Malaria. Eine
charakteristische Komplikation ist das nephrotische Syndrom. Besonders an
dieser Form ist, dass es selbst nach einer sehr langen Zeit (> 50 Jahre)
noch zu Rezidiven kommen kann. Auch ist die Inkubationszeit erheblich länger
als bei den beiden anderen Formen.
Inkubationszeit
Die Inkubationszeit beträgt zwischen 16 und 50 Tagen. Somit ist sie
erheblich länger als bei den übrigen Krankheitsformen.
Fieber
Die Prodromalphase ist genauso unspezifisch wie die der Malaria tertiana.
Schon nach wenigen Tagen stellt sich die Vier-Tages-Rhythmik ein. Zwischen
zwei Fiebertagen liegen zwei fieberfreie Tage. Die Stadienabfolge
(Frost-Hitze-Schweiß) am Fiebertag entspricht der Malaria tertiana. Auch
hier gilt: fehlende Fieberrhythmik schließt die Diagnose Malaria nicht aus.
Nierenbeteiligung
Im Verlauf der Malaria quartana kann es zu einer schweren Nierenbeteiligung
kommen. Diese wird unter anderem als Malarianephrose bezeichnet. Es handelt
sich hierbei um ein nephrotisches Syndrom mit folgenden Symptomen:
niedriges Serumeiweiß Albumin (im Blutkreislauf mitverantwortlich für die
Regulation des Wasserhaushalts)
Wasseransammlung im Bindegewebe (Ödeme) und der Bauchhöhle (Aszites) durch
den Albuminmangel
erhöhtes Serumcholesterin
Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass diese Komplikation gehäuft bei
Kindern zwischen zwei und zehn Jahren im tropischen Afrika auftritt.
Rezidive
Das besondere an diesem Plasmodium sind die Rezidive nach besonders langem
krankheitsfreiem Intervall (mehrere Jahre). Rezidive nach Krankheitsfreiheit
von mehr als 50 Jahren wurden beschrieben. Die Rezidive kommen aber hier
nicht durch Hypnozoiten in der Leber zustande (es gibt keine Hypnozoitformen
des Plasmodium malariae), sondern durch einen fortdauernden Parasitenbefall
des Blutes. Dieser ist so gering, dass er mikroskopisch meist nicht
nachgewiesen werden kann. Dies ist besonders in der Transfusionsmedizin in
Endemiegebieten von großer klinischer Bedeutung, da es auch bei negativ
getestetem Spender zu einer Malariaübertragung kommen kann, wenn Frischblut
eingesetzt wird. Blutkonserven werden hingegen gekühlt gelagert, was
Malaria-Erreger abtötet.[1] Rezidive können jedoch in der Regel durch
medikamentöse Maßnahmen langfristig unterbunden werden.
Diagnostik
Die Diagnose Malaria sollte mit Hilfe labordiagnostischer Methoden
abgesichert werden. Die in der Praxis wichtigste und kostengünstigste
Methode bei Malariaverdacht ist die mikroskopische Untersuchung von normalen
Blutausstrichen (Dünner Tropfen) und dem bis zu 10-fach angereicherten
Dicken Tropfen unter Verwendung der Giemsa-Färbung auf Plasmodien. Eine
Differenzierung der vier Plasmodien ist anhand morphologischer Kriterien
möglich (siehe Maurersche Fleckung oder Schüffnerschen Tüpfelung). Die
ermittelte Parasiten- und Leukozytenzahl ist ein Maß der Schwere der
Erkrankung. Ein negatives Ergebnis der mikroskopischen Untersuchung kann auf
Grund der geringen Sensitivität dieser Methode eine Malaria jedoch nicht
ausschließen.
Alternativ können die Erreger der Malaria immunologisch und
molekularbiologisch nachgewiesen werden. Die zur Verfügung stehenden
Malaria-Schnelltests (z. B. ICT Malaria P.F.®-Test, OptiMal®-Test) beruhen
auf Nachweis parasitenspezifischer Antigene. Ein negatives Ergebnis kann
jedoch auch bei diesen Tests eine Malaria nicht ausschließen. Das mit
Abstand sensitivste Verfahren für die Malaria-Diagnostik ist die
Polymerasekettenreaktion (PCR). Sie ist jedoch auf Grund des hohen Material-
und Zeitaufwands für den Akutfall wenig geeignet.
Vorbeugung und Behandlung
Da kein hundertprozentiger Schutz gegen Malaria besteht (fehlender
Impfschutz gegen Malaria), sollte das Risiko einer Malariaerkrankung gesenkt
werden. Der wirksamste Schutz ist der Verzicht auf Reisen in Gebiete, in
denen Malaria übertragen wird (Endemiegebiete). Da dies nicht immer möglich
ist, ist die Vermeidung von Insektenstichen (Expositionsprophylaxe) das
wichtigste Element der Malariavorbeugung. Zusätzlich sollte durch
vorbeugende Einnahme (Chemoprophylaxe) oder Mitführen (Stand-By-Therapie)
von Malaria-Medikamenten das Risiko verringert werden, an einer schweren
Malaria zu erkranken. [2]
Unabhängig davon, ob eine Chemoprophylaxe oder eine Stand-by-Therapie
gewählt wurde, muss bei jedem unklaren Fieber in den Tropen und auch lange
Zeit nach der Rückkehr umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Dieser sollte
mittels eines geeigneten Bluttests den Malariaverdacht schnellstmöglich
bestätigen oder ausschließen, da eine nicht rechtzeitig behandelte Malaria
Tropica tödlich sein kann.
Impfung
Zur Zeit steht noch kein Impfstoff zu Verfügung. Auf diesem Gebiet wird zwar
seit Jahren geforscht, mit der kurzfristigen Einführung eines wirksamen
Impfstoffes ist trotz Hoffnung erweckender Forschungsergebnisse jedoch
vorerst nicht zu rechnen.
Insektenschutz
Der Insektenschutz ist der wichtigste Bestandteil der Malariavorbeugung.
Dazu zählt das Tragen hautbedeckender, langer Kleidung, der Aufenthalt in
mückensicheren Räumen (insbesondere nachts; Klimaanlage, Fliegengitter,
Moskitonetz) sowie die Behandlung von Haut und Kleidung mit
moskitoabweisenden Mitteln, sog. Repellents (z. B. Icaridin oder DEET). Die
zusätzliche Verwendung von Insektiziden in Sprays (allen voran Pyrethroide),
Verdampfern, Räucherspiralen („mosquito coils“) und ähnlichem kann
zusätzlichen Schutz bieten. Leider schützen sich jedoch nach wie vor viele
Reisende nicht konsequent gegen Mücken. So ergab eine im April 2006
veröffentlichte Untersuchung aus Frankreich, dass weniger als 10 % der an
Malaria erkrankten Patienten Maßnahmen zur Abwehr von Insekten verwendet
hatten.
Chemoprophylaxe und Therapie
Für viele Reiseziele reicht es aus, für den tatsächlichen Krankheitsfall ein
Medikament zur notfallmäßigen Eigenbehandlung (Stand-by-Therapie)
mitzuführen. Trotzdem wird eine Chemoprophylaxe unter Beachtung möglicher
Arzneimittelnebenwirkungen bei Reisen in Malariagebiete mit hohem
Übertragungspotential in aller Regel empfohlen.
Seit dem 17. Jahrhundert wird die Chinarinde und das daraus gewonnene Chinin
zur Therapie der Malaria verwendet - die Legende besagt, dass britische
Kolonialisten daher regelmäßig stark chininhaltiges Tonic Water tranken und,
um den damals sehr bitteren Geschmack zu verbessern, oft dieses mit Gin
mischten und so den Gin Tonic erfanden. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts
haben sich die Therapiemöglichkeiten vervielfacht, und es besteht die
Möglichkeit einer medikamentösen Vorbeugung (Chemoprophylaxe). Das größte
Problem bei der medikamentösen Vorbeugung und Behandlung ist eine zunehmende
Resistenz des Erregers. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und
Internationale Gesundheit e. V. empfiehlt derzeit (Stand 2007):
in Gebieten mit hohem Malariarisiko und bekannter Chloroquin- und
Mefloquin-Resistenz (z. B. Goldenes Dreieck): Aufenthalt >7 Tage: Prophylaxe
mit Atovaquon-Proguanil oder Doxycyclin. Aufenthalt ?7 Tage: Keine
Prophylaxe, bei Erkrankung Notfalltherapie mit Artemether-Lumefantrin oder
Atovaquon-Proguanil.
in Gebieten mit hohem Malariarisiko und bekannter Chloroquinresistenz (z. B.
Hochrisikogebiete Afrikas, Papua-Neuguinea, Salomonen, Brasilien
(Bundesstaaten Rondônia, Roraima und Amapá)): Prophylaxe mit
Atovaquon-Proguanil, Doxycyclin oder Mefloquin. Die im Jahr 2003 erschienene
Allmalpro-Studie konnte bei der Chemoprophylaxe eine bessere Verträglichkeit
von Atovaquon-Proguanil und Doxycyclin im Vergleich zu Mefloquin belegen.
in Gebieten mit geringem Malariarisiko und bekannter Chloroquin- und
Mefloquinresistenz (z. B. Südost-Asien ohne Hochrisikogebiete): Keine
Prophylaxe, bei Erkrankung Notfalltherapie mit Artemether-Lumefantrin oder
Atovaquon-Proguanil.
in Gebieten mit geringem Malariarisiko und bekannter Chloroquinresistenz (z.
B. Brasilien ohne Aufenthalt in den Hochrisikogebieten >7 Tage,
Volksrepublik China, Taiwan, Vanuatu, Arabische Halbinsel, Indien ohne
Aufenthalt in Hochrisikogebieten >7 Tage, Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan,
Bangladesch, Sri Lanka, Indonesien ohne Aufenthalt in Hochrisikogebieten >7
Tage, Philippinen): Keine Prophylaxe, bei Erkrankung Notfalltherapie mit
Artemether-Lumefantrin, Atovaquon-Proguanil oder Mefloquin
in Gebieten mit geringem Malariarisiko ohne bekannte Resistenzen (z. B.
Mittelamerika, Haiti, Dominikanische Republik): Keine Prophylaxe, bei
Erkrankung Notfalltherapie mit Chloroquin
Des Weiteren stehen Chinin (zur Therapie, insbesondere bei der komplizierten
Malaria tropica), Primaquin (Therapie der Malaria tertiana oder Malaria
quartana; beugt Rezidiven vor; Verwendung zur Prophylaxe nur in
Ausnahmefällen) und Proguanil (Prophylaxe; meist in Kombination mit
Chloroquin; Verwendung nur noch in Ausnahmefällen) zur Verfügung. Vor allem
in China, Südostasien und Afrika werden Artemisinin-haltige Präparate
(einschließlich deren Abkömmlinge Artemether, Artesunat, Arteflene,
Artemotil, Dihydroartemisinin und Arteether) eingesetzt. Diese im Rahmen
einer Kombinationstherapie (Artemisinin-based combination therapy)
eingesetzten Präparate werden von der WHO als Mittel der ersten Wahl für die
Akutbehandlung der Malaria empfohlen. Artesunat wird seit neuestem auch von
der AG Malaria der Paul-Ehrlich-Gesellschaft als Mittel der ersten Wahl zur
Therapie der komplizierten Malaria tropica empfohlen. Die
Stand-By-Therapeutika Halofantrin und Amodiaquin wurden in Europa wegen
schwerer Nebenwirkungen mittlerweile vom Markt genommen, sind jedoch noch
vereinzelt in Malariagebieten als Notfallmedikamente verfügbar. Halofantrin
wurde mit Herzrhythmusstörungen in Verbindung gebracht, während unter der
Therapie mit Amodiaquin vermehrt Leberschäden und Blutbildschäden (Agranulozytose,
aplastische Anämie) auftraten. Insbesondere in Endemiegebieten ist die
Kombination von Sulfadoxin-Pyrimethamin, die sowohl zur Therapie als auch
zur Prophylaxe für einheimische schwangere Frauen in Endemiegebieten als „intermittent
Preventive Treatment“ (IPT) angewendet wird, verfügbar. Diese
Arzneistoffkombination wurde jedoch in Deutschland auf Grund schwerer
Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom) vom Markt genommen. Für weitere
Details konsultiere man die Empfehlungen von Tropenmedizinern.
Vektorkontrolle
Als Vektorkontrolle (Bekämpfung des Überträgers) bezeichnet man den Versuch,
Neuinfektionen durch gezielte Bekämpfung der Anopheles-Mücke zu verhindern.
Zu diesem Zweck werden Insektizide in den Wohnstätten der Menschen versprüht
oder es wird die Verwendung von insektizidimprägnierten Bettnetzen (IIB)
propagiert.
In den 1950er und 1960er Jahren wurde unter Federführung der WHO versucht,
die Malaria auszurotten. Ein wichtiger Bestandteil der Kampagne war das
Besprühen der Innenwände aller Wohnungen und Häuser mit DDT. Nach
anfänglichen Erfolgen wurde das Projekt Anfang der 1970er Jahre eingestellt,
unter anderem weil durch die Selektion nur noch DDT-resistente
Anopheles-Mücken überlebten und sich rasch vermehrten.
Der Einsatz von DDT in Wohnhäusern wird auch heute noch für vertretbar
erachtet, da es dem Menschen sicher weniger schadet als eine
Malaria-Infektion. Negative Auswirkungen auf die Umwelt sind wegen der im
Vergleich zur Landwirtschaft geringen Aufwandmengen nicht zu befürchten. Vor
einem Einsatz von DDT oder anderen Insektiziden sollte immer die
Resistenzsituation der Anopheles-Mücken im betreffenden Gebiet geprüft
werden. Heute ist die Herstellung und Verwendung von DDT weltweit nur noch
zum Zwecke der Bekämpfung von Krankheitsüberträgern zugelassen.
Forschung
Die Basensequenzen in den Genomen von Plasmodium falciparum und Anopheles
gambiae wurden im Herbst 2002 vollständig entschlüsselt. Etwa zeitgleich
wurden neue Malariatherapeutika, wie z. B. Atovaquon, Lumefantrin und die
vom Naturstoff Artemisinin abgeleiteten Artesunat und Artemether, auf den
Markt gebracht. Erste Erfolg versprechende Ergebnisse der Behandlung
Malariakranker mit Tafenoquin und dem Antibiotikum Fosmidomycin wurden
ebenso vorgestellt. So blockiert beispielsweise Fosmidomycin den MEP-Weg,
ein Stoffwechselweg zum Dimethylallylpyrophosphat (DMAPP). Dadurch können in
der Folge wichtige, vom DMAPP ausgehende zelluläre Grundbausteine wie
Zellwände und Zellanker nicht mehr synthetisiert werden.
Versuche, einen weltweit wirkenden Impfstoff gegen die Malaria zu
entwickeln, schlugen trotz einiger anfänglicher Erfolge jedoch bisher fehl.
Das größte Problem bei der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes ist die
hohe Variabilität der Malaria-Antigene. Eine neue Hoffnung versprechen
entschärfte lebende Erreger, denen das Gen UIS3 eliminiert wurde. Diese
Sporozoiten wurden Mäusen gespritzt, wobei keinerlei Plasmodienformen
entstanden, die von dem symptomlosen Leberstadium in die roten
Blutkörperchen wechseln konnten. Das Ergebnis der Immunreaktion war
eindrucksvoll. Keine einzige geimpfte Maus steckte sich nach einer Infektion
mit normalen Plasmodien an, während in der Kontrollgruppe alle
erkrankten.[3] Ein weiterer aussichtsreicher Kandidat ist RTS,S, der eine
immunstimulierende Komponente eines Proteins des Hepatitis-B-Virus (RTS) mit
einem Oberflächenprotein aus Sporozoiten (S) des Plasmodium falciparum
trägt. Dadurch wird die - noch nicht vollständige - Immunantwort in einem
frühen Stadium, das noch keine Krankheitssymptome hervorbringt, ausgelöst.
Für einen kompletten Immunschutz ist geplant, den Impfstoff mit weiteren
Antigenen des Malaria-Erregers zu kombinieren.[4] Ein interessanter
alternativer Therapieansatz dürfte die Verwendung eines Antikörpers gegen
Plasmodien sein.
Eine weitere Möglichkeit der Bekämpfung der Malaria ist das Unterbrechen der
Infektionskette durch Bekämpfen der Anopheles-Mücke. Ein entsprechender
Versuch zur Ausrottung der Malaria mit Hilfe von DDT scheiterte in den
1960er Jahren. Mit Hilfe von Insektiziden konnten nur örtlich und zeitlich
begrenzte Teilerfolge erreicht werden. Ein hoffnungsvoller neuer Ansatz ist
der Einsatz des biogenen Insektizids Bti bestehend aus dem Bacillus
thuringiensis israeliensis. Dieses biologische Präparat, das über Züchtung
millionenfach im Labor hergestellt werden kann, ist gegenüber Stechmücken
ein erprobtes, hochwirksames Präparat, das bei richtiger Anwendung
„Nicht-Ziel-Organismen“ weitgehend schont. Bti wird in kristalliner Form in
die aquatilen Lebensräume von Stechmücken ausgebracht. Die Anopheles-Larven
nehmen die Bakterien bei der Nahrungsaufnahme in ihren Körper auf. Im Darm
der Mücken schlüpfen die Bakterien aus ihrer schützenden Eiweißhülle und
zerstören in kurzer Zeit durch die Bildung von Delta-Endotoxinen das
Darmlumen und die Darmwände ihrer Wirtstiere. Die Stechmückenlarven stellen
daraufhin ihre Nahrungsaufnahme ein und gehen noch im Larvalstadium
zugrunde. Bti wird kommerziell angeboten. Das Insektizid ist in flüssiger,
Tabletten-, Pulver- und in Granulatform erhältlich. Für den großflächigen
Einsatz im Freiland hat sich die Verwendung von Granulat bewährt. Bei
starker Durchseuchung der Gewässer wird die Ausbringung des Granulats durch
Hubschrauber praktiziert.
Außerdem forscht die gemeinsame Abteilung der IAEA und FAO an einer
neuartigen Methode zur Bekämpfung der Anopheles-Mücke. In diesem
Zusammenhang wird die Aussetzung steriler oder genetisch modifizierter
Anopheles-Mücken diskutiert (Sterile Insect Technology).
In Zusammenarbeit mit der WHO erarbeiten gegenwärtig das Kenya Medical
Research Institute und die britische University of Oxford im Internet
verfügbare Weltkarten, auf denen das gesamte Wissen über die Verbreitung der
Malaria zusammengetragen wird (z. B. Infektionsrate Plasmodium falsiparium,
Plasmodium vivax). Dieses Malaria Atlas Projekt genannte Unterfangen wird
vom englischen Wellcome Trust finanziert und ständig erweitert.[5]
Armutsbedingte Krankheit
Die Malaria wird auch als armutsbedingte Krankheit bezeichnet. Hinter dieser
Bezeichnung steht das Kalkül, dass von der Krankheit hauptsächlich arme
Menschen betroffen sind, die über wenig Kaufkraft verfügen und folglich
keinen attraktiven Markt bilden. Für Pharmaunternehmen ist es daher
ökonomisch sinnvoller, Mittel gegen medizinisch weniger „dringende“
Krankheiten zu erforschen, deren Betroffene kaufkräftiger sind.
Norbert Blüm schreibt dazu in der Süddeutschen Zeitung vom 7. Oktober 2003:
„Die Pharmaindustrie gibt weltweit doppelt so viel Forschungsmittel im Kampf
gegen Haarausfall und Erektionsschwächen aus wie gegen Malaria, Gelbfieber
und Bilharziose. Das ist marktwirtschaftlich konsequent, denn die Kunden mit
Erektionsschwächen und Haarausfall haben in der Regel mehr Kaufkraft als die
Malaria- und Gelbfieberkranken.“ [6]
Die Europäische Union will als Reaktion auf diesen Mechanismus die
Entwicklung von Mitteln gegen armutsbedingte Krankheiten mit 600 Millionen
Euro fördern.[7]
Andererseits ist es fraglich, ob gerade für Regionen, in denen die Malaria
wie die Armut verbreitet sind, die Bekämpfung der Malaria durch Entwicklung
eines Impfstoffes im Vordergrund stehen sollte. Der Parasitologe Paul Prociv
weist darauf hin, dass Erwachsene in Malariagebieten durch ständige
Reinfektion praktisch immun gegen die Krankheit sind. Vorrang hätte die
Hebung der allgemeinen Gesundheitsfürsorge und Lebensumstände. Von einem
Malariaimpfstoff würden hauptsächlich westliche Besucher der Tropen
profitieren, die die Nebenwirkungen der herkömmlichen Malariavorsorge
scheuen.[8]
Aufgrund der mangelnden finanziellen Unterstützung gab der reichste Mann der
Welt, Bill Gates, Ende Oktober 2005 bekannt, dass er zur Förderung der
Malariaforschung eine Summe von 258,3 Millionen Dollar zur Verfügung stellen
werde. Seiner Meinung nach stelle „es für die Welt eine Schande dar, dass
sich in den letzten 20 Jahren jene durch Malaria hervorgerufenen Todesfälle
verdoppelten, zumal gegen jene Krankheit sehr stark vorgegangen werden
könnte.“[9]
Volkswirtschaftliche Auswirkung
Nach dem Weltökonomen Prof. Dr. Jeffrey Sachs sind tropische Krankheiten,
insbesondere aber Malaria, eine Hauptursache für die somit häufig
unverschuldete wirtschaftliche Misere der ärmsten Länder der Erde: wo diese
Krankheit wütet, also vor allem in den Tropen und Subtropen, herrscht auch
Armut. So hatten Mitte der 1990er Jahre von Malaria heimgesuchte Länder ein
durchschnittlichen Volkseinkommen von rund 1.500 Dollar pro Kopf, während
nicht betroffene Länder mit durchschnittlich 8.200 Dollar über mehr als das
Fünffache verfügten. Volkswirtschaften mit Malaria sind zwischen 1965 und
1990 durchschnittlich nur um 0,4 Prozent im Jahr gewachsen, die anderen
dagegen um 2,3 Prozent. Der durch die Krankheit verursachte
volkswirtschaftliche Schaden für Afrika allein wird umgerechnet auf rund
9,54 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
Nach Studien von Sachs liegt die durch Malaria verursachte Lähmung der
Volkswirtschaften der betroffenen Länder nicht nur an den direkten Kosten
für Medikamente und medizinische Behandlung. In Ländern mit Malaria sterben
die Menschen im Durchschnitt früher als andernorts, deshalb wird dort
weniger in Bildung investiert. Die hohe Kindersterblichkeit führt wiederum
zu steigenden Geburtenraten. Zudem meiden ausländische Investoren solche
Länder ebenso wie Touristen und Handelsunternehmen.
Mittlerweile hat AIDS die ungünstige Situation für diese Länder noch
dramatisch verschlimmert.
Geschichte
Die frühesten Berichte von Malariaepidemien sind uns von den Alten Ägyptern
(u.a. aus dem Papyrus Ebers) erhalten. Aber auch in rund 3000 Jahre alten
indischen Schriften taucht das Wechselfieber auf. Die Chinesen hatten vor
über 2000 Jahren sogar schon ein Gegenmittel. Sie nutzten die Pflanze
Qinghao, ein Beifuß-Gewächs. In der Neuzeit konnten Forscher tatsächlich
einen wirksamen Stoff aus dieser Pflanze isolieren: das Artemisinin.
In der Antike verbreitete sich die Malaria rund um das Mittelmeer.
Hippokrates erkannte, dass Menschen aus Sumpfgebieten besonders häufig
betroffen waren, jedoch vermutete er, dass das Trinken von abgestandenem
Sumpfwasser die Körpersäfte (vgl. Humoralpathologie) in ein Ungleichgewicht
bringt. Von unsichtbaren Krankheitserregern wusste man damals noch nichts.
Auch das Römische Reich wurde regelmäßig von schweren Malariaepidemien
heimgesucht. Einige Historiker gehen sogar davon aus, dass sie einen der
entscheidenden Faktoren für den Untergang des Römischen Reiches darstellen.
Erst unlängst wurde bei Rom ein Kindermassengrab mit über 50 Leichen
entdeckt, das auf das Jahr 50 datiert wurde. Aus den Knochenresten dieser
Kinderskelette konnte die DNA von Plasmodium falciparum isoliert werden.
Im Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Malaria nicht nur
in Süd-, sondern auch in Mitteleuropa verbreitet. Zum Beispiel war es in
Norddeutschland als Marschenfieber bekannt. Berühmte europäische
Malariapatienten waren Friedrich Schiller und Oliver Cromwell. Erst durch
die Trockenlegung von Sumpfgebieten und durch den systematischen Einsatz von
Insektiziden konnte die Malaria in den 1960er Jahren in Europa ausgerottet
werden.
Chinarinde (Chinchona sp.)Aus Nord- und Südamerika sind die ersten
Malariafälle erst im 16. Jahrhundert dokumentiert. Man geht heute davon aus,
dass sie durch die Europäer bzw. durch den von ihnen organisierten
Sklavenhandel dort eingeschleppt worden ist. Doch ausgerechnet von dort kam
ein Heilmittel, das heute noch Verwendung findet. Peruanische Arbeiter
bekämpften Fieber erfolgreich mit der Rinde eines Baumes aus der Familie der
Rötegewächse, zu denen auch die Kaffeepflanze gehört. Mitglieder des
Jesuitenordens beobachteten diese Wirkung und brachten das Mittel in
Pulverform erstmals 1640 nach Europa, wo es auch „Jesuitenpulver“ genannt
wurde. Der Baum wurde später als „Chinarinde“ (Cinchonia) bekannt, das
Medikament als „Chinin“.
Chinin hat einen äußerst bitteren Geschmack und ist hellbraun bis beige. Es
wird als Aromastoff für Tonicwater und Bitter Lemon verwendet. Bis heute
hält sich die Legende, regelmäßiges Trinken von Gin Tonic schütze vor
Malaria. Jedoch ist heutzutage die Chininkonzentration in einem
Gin-Tonic-Drink viel zu gering.
Alphonse Laveran - der Entdecker des MalariaerregersDer Malariaerreger wurde
am 6. November 1880 vom Franzosen Alphonse Laveran entdeckt, der in
Constantine (Algerien) am Militärkrankenhaus arbeitete. Er erhielt dafür
1907 den Nobelpreis für Medizin.
Ronald RossRonald Ross, Chirurg und General aus England, fand 17 Jahre
später bei seiner Arbeit während des Baus des Sueskanals den Zusammenhang
zwischen dem Malariaerreger und dem Stich der Anophelesmücke heraus und
erhielt dafür nicht ganz unumstritten den Nobelpreis für Medizin 1902. Den
Zusammenhang zwischen Mücken und Malaria hatten im übrigen schon die alten
Ägypter 3000 v. Ch. erkannt. Sie wurde als Fluch der Götter bzw. des Nils
angesehen.
Julius Wagner-Jauregg infizierte 1917 einige seiner Patienten gezielt mit
Malaria, um mit den auftretenden Fieberschüben die progressive Paralyse zu
behandeln. Diese so genannte Malariatherapie erwies sich als erfolgreich und
wurde bis zum Aufkommen von Antibiotika praktiziert, 1927 erhielt
Wagner-Jauregg dafür den Medizin-Nobelpreis. Wegen der damit verbundenen
Risiken gilt der Einsatz von Malaria als Therapeutikum heute jedoch als
nicht mehr vertretbar.
In den 1950er Jahren begann die WHO das Global Eradication of Malaria
Program. Neuansteckungen durch Mückenstiche sollten durch Besprühen der
Innenwände der Häuser mit DDT-Lösung verhindert werden. Parallel dazu
sollten die bereits Erkrankten mit Chloroquin behandelt werden, um auch die
eigentlichen Erreger, die Plasmodien, zu bekämpfen.
Die Kampagne war nur teilweise erfolgreich. In Holland, Italien, Polen,
Ungarn, Portugal, Spanien, Bulgarien, Rumänien und Jugoslawien wurde Malaria
bis Ende der 1960er Jahre dauerhaft ausgerottet. Auch in vielen Ländern
Asiens sowie Süd- und Mittelamerikas konnte die Zahl der Neuansteckungen mit
Malaria dramatisch gesenkt werden. Hier wurden häufig nach ersten Erfolgen
Geld und medizinisches Personal aus den Anti-Malaria-Kampagnen abgezogen und
anderweitig eingesetzt. Dadurch blieben neue Malariafälle unentdeckt oder
konnten nicht ausreichend behandelt werden. Im Lauf der Jahre traten
DDT-Resistenzen bei verschiedenen Arten der Anophelesmücke auf. Zudem waren
auch die Plasmodien teilweise gegen Chloroquin resistent geworden. Die WHO
stellte ihr Programm zur Ausrottung der Malaria 1972 offiziell als
gescheitert ein.
Quelle: Wikipedia - Die freie
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