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Die
Schlafkrankheit ist eine durch Trypanosomen ausgelöste Tropenerkrankung, die
auch synonym als Afrikanische Trypanosomiasis bezeichnet wird. Sie kommt in
den tropischen Gebieten Afrikas vor und wird von der Tsetse-Fliege
übertragen. Die Erkrankung verläuft in drei Stadien: Einige Wochen nach der
Infektion kommt es zu Fieber, Schüttelfrost, Ödemen, Lymphknotenschwellung
sowie Hautausschlag und Juckreiz. Im zweiten Stadium nach einigen Monaten
stehen Symptome des Nervensystems im Vordergrund: Verwirrtheit,
Koordinations- und Schlafstörungen sowie Krampfanfälle. Im Endstadium kommt
es zu einem Dämmerzustand, der der Krankheit ihren Namen gegeben hat. Der
Nachweis der Erreger erfolgt mikroskopisch in Blut oder Liquor sowie mit
immunologischen Methoden. Zur Behandlung stehen verschiedene Wirkstoffe zur
Verfügung.
Erreger:
Trypanosoma sp.Die Schlafkrankheit wird durch humanpathogene Einzeller
(Protozoen) aus der Gruppe der Trypanosomen hervorgerufen. Man unterscheidet
2 Erregertypen:
Trypanosoma brucei gambiense (Erreger der Westafrikanischen Schlafkrankheit)
Trypanosoma brucei rhodesiense (Erreger der Ostafrikanischen
Schlafkrankheit)
Das Erbgut der Trypanosoma brucei wurde 2005 durch Forscher sequenziert,
wodurch sie sich neue Möglichkeiten der Krankheitsbekämpfung erhoffen. [1]
Übertragung: Als Erregerreservoir der Trypanosomen dienen Menschen, Rinder
und Antilopen. Anders als bei der Malaria sind die Überträger der
Schlafkrankheit tagaktive, stechende und blutsaugende sogenannte
Zungenfliegen (Tsetse-Fliegen). Man trifft sie im tropischen Afrika
vorwiegend in Feuchtgebieten (Flussläufe, Sümpfe) aber auch in trockenen
Savannenlandschaften (z.B. Kalahari) an. Der Stich ist sehr schmerzhaft und
kann auch durch Bekleidung hindurch erfolgen. Die Erreger gelangen mit dem
Fliegenspeichel in den Stichkanal. Er wird von der Fliege abgesondert, um
Gerinnungsprozesse zu verhindern. Durch einen Stich werden mehrere tausend
Erreger übertragen. Ein einziges übertragenes Trypanosom könnte genügen, um
die Krankheit auszulösen. Bremsen und Stechfliegen könnten (in besonderen
Fällen) möglicherweise eine Rolle durch mechanische Übertragung spielen. [2]
Infektionsrisiko: Nicht alle Tsetse-Fliegen sind Trypanosomen-Überträger, so
dass nicht jeder Stich zwangsläufig zu einer Infektion führt. Das
Infektionsrisiko bei einem Tsetsestich ist regional sehr unterschiedlich und
liegt durchschnittlich in der Größenordnung 1:100, denn auch die
Durchseuchungsrate der Tsetse variiert stark. Das Risiko steigt also mit der
Zahl der Stiche. Die Infektion trifft überwiegend die einheimische
Bevölkerung, seltener Touristen.
Epidemiologie: Die Schlafkrankheit kommt mit einem schwer erfassbaren
regionalen Verteilungsmuster im gesamten Tropengürtel Afrikas vor. Insgesamt
sind nach Schätzungen der WHO mehr als 500.000 Menschen von der
Schlafkrankheit betroffen. Durch die instabile politische Situation in
vielen Regionen (Flüchtlinge) hat die Erkrankungsrate in den letzten Jahren
zugenommen.
Das Parasitenreservoir von T. b. gambiense besteht nach Dönges (1988)[3]
hauptsächlich aus den infizierten, eventuell auch nur latent infizierten
Menschen, einigen Haustieren, besonders dem Hausschwein (auch bei Desowitz
(1981)) und der Hamsterratte Cricetomys gambianus (Langschwanzmäuse).
Piekarski (1962) nennt die Antilope unter den Wildtieren. Oft wird T. b.
gambiense während des 1. Stadiums im Menschen nicht diagnostiziert und es
folgt (oft erst nach Jahren) das schwerer zu behandelnde 2. Stadium.
T. b. rhodesiense fand sich weiterhin am häufigsten bei der Schirrantilope,
gefolgt von dem Hausrind, der Kuhantilope, dem Afrikanischen Büffel, der
Fleckenhyäne und dem Löwen (Dönges). In begrenzterem Umfang als bei T. b.
gambiense ist auch hier der erkrankte Mensch ein Erregerreservoir. Piekarski
nennt für beide Trypanosomenunterarten noch Ziegen und Schafe.
Welche Tierarten bei der Übertragung auf den Menschen die bedeutendste Rolle
spielen, ist nicht abschließend geklärt, da ein kompliziertes Geflecht von
anderen epidemiologischen Parametern beachtet werden muss (z. B. 31
Tsetse-Arten mit Vorlieben für bestimmte Wirtstiere, sowie Regenzeiten,
soziale Faktoren, unterschiedliche Erregerstämme etc.). Das Infektionsrisiko
ist deswegen lokal und regional sehr unterschiedlich. Die
Parasitenreservoire sind zum großen Teil auch für jene Trypanosomen
relevant, die bei afrikanischen Haus- und Nutztieren die sog. Nagana
verursachen.
Symptomatik [Bearbeiten]Der Krankheitsverlauf ist abhängig vom auslösenden
Erreger. Bei Infektion mit Trypanosoma brucei gambiense ist der
Krankheitsverlauf langsamer, bei Infektion mit Trypanosoma brucei
rhodesiense in der Regel schneller und ausgeprägter.
Stadium I (Hämolymphatische Phase): In der ersten Woche nach der Infektion
kann es an der Einstichstelle zu einer schmerzhaften Schwellung mit
zentralem Bläschen, dem sog. Trypanosomenschanker kommen. Dieses Symptom
tritt jedoch nur bei einem Teil der Infizierten (5 – 20 %) auf. 1 – 3 Wochen
nach der Infektion beginnt die eigentliche Parasitämie, die von Fieber,
Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Ödemen, Jucken, Exanthem und
Lymphknotenschwellung begleitet wird. Hinzu treten Anämie und
Thrombozytopenie, sowie erhöhte IgM-Spiegel.
Stadium II (Meningoenzephalitische Phase): Ca. 4 – 6 Monate nach Infektion –
bei T. b. rhodesiense oft schon nach wenigen Wochen – dringen die Erreger in
das Zentralnervensystem ein. Die Patienten leiden unter zunehmenden
Verwirrungszuständen, Koordinations- und Schlafstörungen, Krampfanfällen,
Apathie und Gewichtsverlust. Es können extrapyramidale Störungen oder ein
Parkinson-Krankheit-ähnliches Krankheitsbild auftreten.
Im Endstadium fallen die Patienten in einen kontinuierlichen Dämmerzustand,
der der Krankheit ihren Namen gegeben hat. Im Liquor ist eine Zellvermehrung
(Pleozytose) nachweisbar. Nach einem Verlauf von Monaten bis Jahren endet
die Krankheit tödlich.
Immunantwort: Die Trypanosomen sind von Glykoproteinen, den so genannten
"variable surface glycoproteins" (VSGs) umgeben. Die VSGs werden von den
Einzellern im Rahmen der Vermehrung ständig variiert, um der Immunantwort
des Wirts zu entgehen (Antigenvariation). Im Trypanosomen-Genom sind über
1000 verschiedene VSG-Gene codiert, die abwechselnd exprimiert werden. Das
menschliche Immunsystem kann zwar Antikörper gegen die vorherrschenden
Antigene produzieren, aber immer nur einen Teil der Erreger eliminieren, da
bereits neue Varianten im Blutkreislauf zirkulieren.
Diagnostik:
Giemsa-Färbung von Trypanosomia brucei unter dem MikroskopIm Stadium I
werden die Erreger mikroskopisch im Blut ("dicker Tropfen"), im Punktat des
Schankers, im Knochenmarkaspirat oder mittels Lymphknotenbiopsie
nachgewiesen. Zum Ausschluss des Stadium II erfolgt bei Parasitennachweis
zusätzlich eine Untersuchung des Liquor. Als immundiagnostische Verfahren
werden ELISA, IFT und PHA eingesetzt. Besonders bei der T. b. gambiense im
späten Stadium kann der Erregernachweis im Blut misslingen.
Vorbeugung: Zur Zeit (2004) ist weder eine medikamentöse Prophylaxe der
Schlafkrankheit noch eine vorbeugende Impfung verfügbar. In der Mitte des
letzten Jahrhunderts wurde Pentamidin intramuskulär injiziert erfolgreich
als Prophylaxe eingesetzt. Diese war für mindestens 6 Monate effektiv (T. b.
gambiense). Die heute einzig mögliche Vorbeugung besteht in der Vermeidung
von Insektenstichen. Touristen sollten sich mit Repellents, Moskitonetzen
und langärmeliger Kleidung schützen. Wichtig könnte auch das Tragen von
heller Kleidung sein, da die Tsetsefliege besonders von blau und schwarz
angezogen wird. Diese Maßnahmen sind jedoch nur bedingt erfolgreich, da
Tsetsefliegen aggressiv vorgehen und schnell eine ungeschützte Stelle am
Körper finden.
Therapie: Aufgrund der Toxizität der verfügbaren Medikamente wird die
Schlafkrankheit in den meisten Fällen stationär behandelt. Im Stadium II
werden Arsenverbindungen eingesetzt, die ausgeprägte Nebenwirkungen
auslösen. Die Letalität kann hier bis zu 10 % betragen.
Stadium I: Gabe von Suramin (T. b. rhodesiense/gambiense) oder Pentamidin
(T. b. gambiense). Beide Medikamente wirken nicht auf Erreger im
Zentralnervensystem, da sie die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden.
Stadium II: Gabe von Melarsoprol oder Eflornithin (T. b. gambiense). Beide
Medikamente wirken gegen Erreger im ZNS, sind jedoch neurotoxisch.
Geschichte [Bearbeiten]Sir David Bruce erforschte als einer der Ersten die
Epidemiologie der Krankheit in Afrika.
Auf Grundlage der Arbeiten von Harold Wolferstan Thomas und Anton Breinl
erforschte Robert Koch die Wirkung von Atoxyl gegen die Erkrankung. Paul
Ehrlich entwickelte daraus das Salvarsan.
Ein wichtiges Medikament ist seit etwa 1920 Suramin (Germanin).
Quelle: Wikipedia - Die
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