| |
Die
meisten Entwicklungsländer verfügen über ein besonders günstiges natürliches
Potenzial für den Aufbau der Tourismusbranche, so währt eine Saison durch
die Lage in tropischer und subtropischer Klimazone oft 365 Tage im Jahr.
Hinzu kommt damit zusammenhängend die Andersartigkeit von Vegetation und
Landschaftsbild (warme Küsten, unberührte Landschaften, Vulkanismus,
Wüstenzonen, Hochgebirge, die Flora und Fauna der Nationalparks und die
Artenvielfalt der tropischen Regenwälder), welche den betroffenen Gebieten
den von Touristen gewünschten Hauch von Exotik verleiht. Auch die
vielfältigen Sportmöglichkeiten, wie Tauchen in Korallenriffen,
Trekkingtouren im Nepal und besonders das Baden an den attraktiven
Badestränden der „Südsee“ wirken anziehend. So lassen diese Länder eine
vielfältige Nutzung durch Touristen zu. Die Palette reicht vom einfachen
Badeurlaub über Safaris, Abenteuerurlaube, sportorientierte Reisen bis hin
zu luxuriösen Kreuzfahrten.
Der geringe Entwicklungsstand wird von den Touristen oft als „exotische
Unberührtheit“ wahrgenommen, was zwar nicht den Tatsachen entspricht, jedoch
als Klischee gut vermarktet wird. Darüber hinaus ist eine Vielzahl der
Reisenden an bekannten soziokulturellen Eigenarten ihrer Ziele interessiert,
wie Reisterrassen, Tempelanlagen, Basare oder historische Stätten, besonders
dann, wenn die Gegenwartskultur als besonders exotisch empfunden wird und
gute Fotomotive liefert.
Ein weiterer Faktor ist das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis und der hohe
Wert westlicher Währungen in den Entwicklungsländern.
Dennoch müssen weitere Voraussetzungen für den Tourismus geschaffen werden.
Die sind vor allem der Ausbau der Infrastruktur, besonders der
Verkehrsinfrastruktur. Tourismusziele müssen über mindestens einen
Flughafen, ein gutes, wetterbeständiges Straßennetz, angemessene öffentliche
Verkehrsmittel und eine äußerst verlässliche Energie- und Wasserversorgung
verfügen. Auch müssen Hotelanlagen, Restaurants, Unterhaltungsindustrie,
Geschäfte (z.B. Souvenierläden) und Besichtigungstouren angeboten werden.
Dabei ist in den Hotels und den Restaurants geschultes Personal mit guten
Fremdsprachenkenntnissen von großer Bedeutung. Letztlich kann der Tourismus
nur in den Gebieten florieren, die sich durch eine gute Erreichbarkeit, eine
politische Stabilität und hohe Sicherheit vor Überfällen, terroristischen
Anschlägen und politischen Unruhen sowie geringe gesundheitliche Risiken,
wie z.B. Tropenkrankheiten, auszeichnen.
Voraussetzungen zur Tourismus-Entwicklung [Bearbeiten]
KlippenDie grundlegende Voraussetzung, dass es zur Entwicklung des Tourismus
kommt, ist in erster Linie die Nachfrage der Industriestaaten Nordamerikas,
Europas, Ostasiens, Australiens und Neuseelands. Besonders in den letzten
drei bis vier Jahrzehnten (Stand 2005) wuchs das Interesse an Fernreisen in
die Entwicklungsländer. Die Hauptgründe sind im wachsenden Realeinkommen und
gestiegenem Wohlstand bei gleichzeitig sinkender Arbeitszeit und zunehmender
Freizeit zu suchen. Die gesellschaftlichen Bedingungen wie zunehmende
Informationen durch die Medien, gewachsener Bildungsstandard, Interesse an
Landschaft, Kultur und Bevölkerung fremder Länder, Reiz der Ferne,
Abenteuerlust und Prestige, aber auch steigender Bedarf an Freizeit
hervorgerufen durch Stress in der Industriegesellschaft.
Einige Entwicklungsländer haben jedoch auch ein großes Potential an
inländischem Tourismus. Hierzu gehören insbesondere Schwellenländer wie etwa
Argentinien und Brasilien mit einer eigenen starken Mittelschicht, aber auch
weniger entwickelte Staaten mit einer kaufkräftigen Oberschicht (z.B.
Volksrepublik China). In diesen Fällen sind die Voraussetzungen für
Tourismus aus dem Ausland meist schon vor dessen Entwicklung gegeben, und
die negativen Begleiterscheinungen der Abhängigkeit des Tourismussektors von
Ausländern fallen fast vollständig weg. Aber auch Inlandstourismus kann
negative Folgen haben, z.B. Zersiedlung und Umweltzerstörung.
Vorteile für die Entwicklungsländer [Bearbeiten]Der Tourismus bringt für die
Entwicklungsländer entscheidende Vorteile mit sich, wie eine Erhöhung des
BIP, was über Steuern die Haushaltslage des Staates deutlich verbessert, die
Devisen machen den Aufbau von Landwirtschaft und Industrie sowie den Import
von Gütern möglich. Auch würden zahlreiche Arbeitsplätze im Bau- und
Dienstleistungsgewerbe, in der Landwirtschaft, in der informellen Wirtschaft
und im touristisch orientierten Kunstgewerbe, aber auch in den peripheren
Räumen, z.B. durch Abenteuerreisen entstehen. Die Wiederbelebung des
traditionellen Kunsthandwerkes wird für den Souvenirhandel positiv
eingeschätzt - da es auf traditionellen und arbeitsintensiven Techniken
beruht, die ohne großen Kapitalaufwand durchgeführt werden können, ergeben
sich vielfältige Einkommensmöglichkeiten. Dadurch werden abgelegene Gebiete
in das Wirtschaftsleben mit einbezogen und die Landflucht wird verringert.
Besonders Frauen erhalten dadurch Arbeit. Außerdem werden historische
Stätten erhalten, alte Volksfeste und -bräuche vor dem Vergessen bewahrt,
das Identitätsbewusstsein gestärkt.
Der Ausbau der Infrastruktur dient auch der Bevölkerung und kann sich in
Form von Verbesserungen im Sozialsystem auswirken. Auch hat sich gezeigt,
dass solche Entwicklungsländer oft eigene Fluggesellschaften gründen, die
dem Staat weitere Einnahmen bringen.
Probleme [Bearbeiten]
All-inclusive-AnlageDie touristische Erschließung ist oft auch mit Problemen
verbunden. In der Aufbauphase werden viele Arbeitsplätze in der Baubranche
benötigt, zu einem späteren Zeitpunkt jedoch im Tourismus- und
Versorgungsbereich (Hotels, Verkehr, Handel usw.). Wegen mangelnder
Ausbildung der einheimischen Bevölkerung werden qualifizierte Tätigkeiten
von Ausländern durchgeführt (zumindest in der Aufbauphase), die meist höhere
Löhne beziehen als die Einheimischen. Auch die saisonale Beschäftigung kann
zu Problemen führen. Durch klimatisch bedingte Veränderungen (Trocken- und
Regenzeit) sind die touristischen Einrichtungen außerhalb der Hauptsaison
wenig gefragt, sodass Entlassungen und schlechte Bezahlung üblich sind.
Negativ auswirken kann sich der Tourismus auch durch Kinderarbeit, das
Abschöpfen großer Gewinnanteile durch den Zwischenhandel und durch
industrielle Fertigungsweisen in den Zentren.
Einnahmen internationaler Hotelketten fließen ins Ausland und sind somit für
die Entwicklungsländer verloren. Sie stellen oft eine starke Konkurrenz für
einheimische Hotels dar, besonders im luxuriösen Bereich. Der Tourismus
erfordert zusätzliche teure Importe, die den Staatshaushalt belasten. Die
touristische Kaufkraft führt zu einer Steigerung der Nahrungsmittelpreise,
was das Elend der armen Bevölkerung erhöhen kann. Traditionelle
Wirtschaftssektoren weichen der Tourismusbranche, die wesentlich lukrativer
ist. Massentourismus bringt immer eine hohe Umweltbelastung, in Form von
Zersiedlung, hohem Wasserverbrauch, Gewässerverschmutzung, Touristenmüll,
Abfall- und Abwasserentsorgungsprobleme mit sich, die die labilen Ökosysteme
gefährden.
Andere Wertmaßstäbe, die durch den Tourismus importiert werden, können einen
Kulturschock in der betroffenen Region auslösen. Dies kann einhergehen mit
der Entfremdung der einheimischen Kultur, der Zerstörung historisch
entstandener Sozialstrukturen, Kommerzialisierung zwischenmenschlicher
Beziehungen (Sextourismus), Moral- und Sittenzerfall, Drogenprobleme und
Kriminalität.
Der Fremdenverkehr nimmt in einigen Ländern bereits 90% des BIP ein und
stellt somit eine Monostruktur dar, welche die Länder für
Nachfrageschwankungen infolge von Trendänderungen, Katastrophen anfällig
macht.
Quelle: Wikipedia - Die freie
Enzyklopädie |