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Herkunft und Wortbedeutung
Der Begriff Tourismus (engl. tourism, frz. tourisme, ital. turismo) geht
zurück auf das französische Substantiv le tour (= Reise, auch
Rundgang/Spaziergang), ist aber erstmals um 1800 im Englischen belegt; im
Französischen taucht er 1816 auf und im Deutschen um 1830.
Die französischen Wörter tourisme und touriste wurden als offizielle
Begriffe erstmals von der Société des Nations verwendet, um Reisende zu
beschreiben, die mehr als 24 Stunden im Ausland verbringen. Mittlerweile
wird unter Tourismus allerdings auch das inländische Reisen subsumiert. In
Deutschland beispielsweise verreisen mehr Menschen innerhalb des Landes als
ins Ausland. Eine Sonderart in- und ausländischen Tourismus´ sind die so
genannten Städtereisen.
In aller Regel bezieht sich der Begriff heute auf die Reiseart der
Urlaubsreise. Geschäftsreisende, Pilger, Forscher etc. werden kaum jemals
als "Touristen" bezeichnet. Innerhalb des Urlaubssegments sind indes eine
ganze Reihe von Zusammensetzungen zur Spezifizierung des Reisezwecks
verbreitet. Beispiele sind etwa Bade-, Ski-, Wander-, Kultur- oder
Sextourismus. Daneben wird der Begriff bisweilen sarkastisch zur
Kennzeichnung ansteigender, aber aus Sicht des Sprechers unerwünschter
Reisetätigkeit in bestimmten urlaubsunabhängigen Bereichen verwendet (Asyl-,
Abtreibungs-, Müll-, Drogen-, Alkohol-, Katastrophen-, Führerscheintourismus
u. a.).
Das Reiseziel bezeichnet man vornehmlich in der Schweiz als
Touristendestination.
Geschichte [Bearbeiten]
Hauptartikel: Geschichte des Tourismus
Machu Picchu, Cuzco
Lange Zeit verfügte nur ein kleiner Teil der Bevölkerung über die Mittel und
die Zeit, auf Reisen gehen zu können. Insbesondere Reisen zu
Erholungszwecken waren weitgehend ein Privileg des Adels, der seine Söhne
auf sog. Kavaliersreisen schickte, sowie später auch des gehobenen
Bürgertums.
Eine Einbeziehung auch der Arbeiterschaft erfolgte, freilich zunächst in
bescheidenem Maße, erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine gewisse
Ausweitung des organisierten Reisens stellte das Kraft durch Freude-Programm
der Nationalsozialisten dar. Nach dem Zweiten Weltkrieg indes war ein
sprunghafter Anstieg der Reisetätigkeit aller Bevölkerungsschichten zu
verzeichnen. Der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung führte in Deutschland
und vielen anderen europäischen Ländern zum historisch neuen Phänomen des
Massentourismus.
Besonders stark stiegen Reiseintensität und -häufigkeit in den letzten 30
Jahren an: So hat sich der Anteil der Reisenden an der Gesamtbevölkerung
über 14 Jahre von 1954 bis 1989 von 24 auf 66,8 Prozent erhöht. Das
entspricht einer Steigerung der Reisenden von 9,3 auf 32,6 Millionen
jährlich. Dabei sind aus statistischen Gründen die Reisen der ostdeutschen
Bürger nicht berücksichtigt. Jedoch zeigt hier die Entwicklung nochmal eine
erhebliche Steigerung.
Laut der 36. Reiseanalyse (RA) der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen
(FUR), veröffentlicht im März 2006, liegt die Reiseintensität in Deutschland
bei 73,6 Prozent und die Urlaubsreisehäufigkeit liegt bei 1,34 Reisen.
Wachstumsgründe [Bearbeiten]
Die sozialen und technischen Entwicklungen der letzten hundert Jahre
ermöglichten eine enorme Ausweitung der Urlaubsreisetätigkeit. Durch den
technischen Fortschritt ist die Welt, im übertragenden Sinne, kleiner
geworden. Die Statistik sagt, dass 43 % der Menschen aus der Bundesrepublik
Deutschland ins Ausland reisen.
Freizeitverhalten [Bearbeiten]
Der soziale Fortschritt der Verkürzung der Tages-, Wochen- und
Lebens-Arbeitszeit führte zu mehr Freizeit. Das veränderte Freizeitverhalten
der Bevölkerung drückt sich unter anderem in vermehrter Reisetätigkeit aus.
In den letzten 40 Jahren steigerte sich die werktägliche Freizeit von 1,5
auf 4,1 Stunden, die Wochenendfreizeit steigerte sich von 1,5 auf 2 Tage und
die Urlaubsdauer hat sich von 9 Tagen auf 31 Tage verdreifacht. Steigender
Wohlstand und zunehmende Mobilität stellten die Reiselust der Deutschen an
die Weltspitze. Erkennbar ist ein Trend zu immer häufigeren und immer
kürzeren Urlaubsreisen.
Einkommenssteigerungen, Wirtschaftswachstum, höhere Lebenserwartung und die
zunehmende individuelle Mobilität haben eine explosionsartige Zunahme des
Reiseverkehrs ermöglicht.
Tourist an der Côte d'Azur
Kommerzialisierung [Bearbeiten]
Ein weiterer Grund für die Zunahme des Tourismus ist dessen
Kommerzialisierung. Einerseits schuf sie mit neuen Verkehrsmitteln wie
Eisenbahn, Automobil und Flugzeug die Voraussetzungen für schnelles und
bequemes Reisen. Zum anderen trug sie auch zur infrastrukturellen
Erschließung von Tourismusorten bei. Hierzu gehört der Ausbau der
Bettenkapazität, der Restauration, der verkehrstechnischen Voraussetzungen
(Straßen, Schienen, Flughäfen, Häfen) und der entsprechenden Verkehrsmittel
und Versorgungsstrukturen (Energie, Kanalisation, Fernmeldeeinrichtungen,
Krankenversorgung, Kultureinrichtungen etc.).
Wirtschaftliche Bedeutung [Bearbeiten]
Weltweit [Bearbeiten]
Die Tourismuswirtschaft (Reisebranche) zählt weltweit zu den größten
Wirtschaftszweigen. 2004 erzielte sie nach Angaben der
Welttourismusorganisation einen Gesamtumsatz von etwa 623 Mrd. US-Dollar.
Sie absorbiert 11 Prozent der Konsumausgaben der westlichen
Industriestaaten. Mit weltweit rund 100 Millionen Beschäftigten ist sie die
größte Arbeitgeberin unter den Branchen. Grenzüberschreitende Reisen machen
25-30 Prozent des Welthandels im Dienstleistungsbereich aus. Höhere Umsätze
werden allenfalls noch in der Auto- und der Mineralölindustrie erzielt. Für
viele Regionen ist der Tourismus zur wichtigsten Beschäftigungsgrundlage
geworden.
Gleichwohl sind die Einnahmen höchst ungleich verteilt, werden doch 50
Prozent davon in nur sieben Ländern (USA, Großbritannien, Frankreich,
Italien, Spanien, Deutschland, Österreich) erzielt, während sich die gesamte
Dritte Welt (ohne Ostasien/Pazifik) mit fünf Prozent der Einnahmen begnügen
muss. Die Einnahmen durch den Tourismus ergeben sich aus primären und
sekundären Effekten. Die primären Effekte beinhalten beispielsweise Steuern
für die Staaten sowie Löhne für die Angestellten des touristischen
Betriebes. Also Einnahmen, die direkt durch die Betriebe in der
Tourismusbranche erzielt werden. Sekundäreffekte beinhalten die Einnahmen
die indirekt durch den Tourismus ermöglicht werden. Hierzu zählen zum
Beispiel Einnahmen von Souvenirverkäufern, gastronomischen Betrieben im
Umkreis des Betriebes oder Zulieferer. Also Einnahmen die durch
Arbeitsplätze erwirtschaftet werden, die außerhalb der Tourismusbetriebe
arbeiten. Dieser Effekt wird auch mit dem Trickle-Down-Effekt in Verbindung
gebracht. Allerdings fließt ein Teil der Tourismuseinnahmen des primären
Effekts insofern wieder in die Herkunftsländer der Reisenden zurück, als
dort Ausstattung für die touristische Infrastruktur gekauft wird. Einnahmen
des Sekundären Effektes verlassen allerdings das Land nicht und kommen somit
der Bevölkerung zugute. Vorausgesetzt es handelt sich nicht um sogennante
Touristenghettos, wie in dem Abschnitt "Kritik" erwähnt.
Grafik: Weltweiter Tourismus,aus: Zahlen und Fakten: Globalisierung,
Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
Deutschland, Incoming-Tourismus [Bearbeiten]
In Deutschland erzielte die Tourismusbranche mit 2,8 Millionen Beschäftigen
einen Umsatz von 140 Milliarden Euro. 116 Millionen Gäste tätigten 339
Millionen Übernachtungen in 54.166 Unterkünften mit etwa 2,6 Millionen
Betten. 4.000 der 12.431 Gemeinden Deutschlands sind in Tourismusverbänden
organisiert, 310 davon sind als Heilbäder oder Kurorte anerkannt. Den Gästen
stehen unter anderem 6.135 Museen, 366 Theater, 34 Freizeit- und
Erlebnisparks, 45.000 Tennisplätze, 648 Golfplätze, 122 National-/Naturparke
beziehungsweise Biosphärenreservate, ein Wanderwegnetz von 190.000 km sowie
40.000 Kilometer Radfernwege zur Verfügung.
Verteilung und Herkunft der Touristen in Deutschland
|
Bundesland |
ÜN in
Mio. |
______ |
Herkunftsland |
ÜN in
Mio. |
Anteil
in Prozent |
|
Bayern |
73,7 |
|
Deutschland |
293,4 |
86,8 |
|
Baden-Württemberg |
40 |
|
Ausland, davon: |
45,4 |
13,2 |
|
Nordrhein-Westfalen |
37,7 |
|
Niederlande |
8,0 |
17,7 |
|
Niedersachsen |
34,5 |
|
USA |
4,3 |
9,5 |
|
Hessen |
24,9 |
|
Großbritannien |
3,8 |
8,3 |
|
Mecklenburg-Vorpommern |
24,4 |
|
Schweiz |
2,9 |
6,4 |
|
Schleswig-Holstein |
22,1 |
|
Italien |
2,5 |
5,5 |
|
Rheinland-Pfalz |
19,8 |
|
Frankreich |
2,0 |
4,3 |
|
Sachsen |
15,2 |
|
Belgien |
1,9 |
4,3 |
|
Berlin |
13,3 |
|
Österreich |
1,9 |
4,2 |
|
Brandenburg |
9,3 |
|
Dänemark |
1,6 |
3,5 |
|
Thüringen |
8,5 |
|
Schweden |
1,4 |
3,0 |
|
Hamburg |
7,3 |
|
Japan |
1,3 |
2,8 |
|
Sachsen-Anhalt |
5,9 |
|
Spanien |
1,2 |
2,7 |
|
Saarland |
2,2 |
|
|
|
|
|
Bremen |
1,4 |
|
Deutschland, Outgoing-Tourismus [Bearbeiten]
2004 unternahmen Deutsche 274 Millionen Reisen, von denen 73 % ins Inland
führten. Dabei buchten sie 1,4 Milliarden Übernachtungen und gaben 120
Milliarden Euro aus, von denen 61,4 Milliarden Euro auf Auslandsreisen
entfielen.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Deutsche Zentrale für Tourismus
Bei 65 Millionen Reisen
handelte es sich um Urlaubsreisen (Zweck: Erholung; Mindestdauer: 4
Übernachtungen). 48,1 Millionen Deutsche über 14 Jahre haben an mindestens
einer Urlaubsreise teilgenommen, was einer Reiseintensität von 74,4 %
entspricht. Das beliebteste Reiseziel hierbei war Deutschland selbst mit
30,8 %, wovon allein 6,7 Prozentpunkte auf Bayern entfielen. Es folgten
Spanien mit 13,6 %, Italien mit 7,4 %, Österreich mit 6,5 % und die Türkei
mit 6,4 %. 6,1 % entfielen auf Fernreisen. Bei 48 % der Reisen erfolgte die
An- und Rückreise mit dem PKW, bei 36 % mit dem Flugzeug, bei 10 % mit dem
Bus und bei 6 % mit der Eisenbahn. Die Reisedauer betrug durchschnittlich
12,9 Tage, die Kosten 812 Euro pro Person.
Weitere Informationsquellen [Bearbeiten]
Zentrale Informationsstelle für Konsumenten und Tourismuswirtschaft ist in
Deutschland die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT). Für Konsumenten und
Tourismuswirtschaft in Österreich ist die Österreich Werbung zentrales
Portal und Anlaufstelle. Zudem wurde im Auftrag des österreichischen
Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit das Internetportal
tourism-knowhow.at zum Export von österreichischem Tourismus Know-How
entwickelt und im April 2007 gelauncht. In der Schweiz gibt es zwei
Dachverbände, welche die Interessenvertretung des Tourismus wahrnehmen.
Schweiz Tourismus als Marketingorganisation. Auf politischer und
wirtschaftlicher Ebene betreibt der Schweizer Tourismus-Verband (STV) das
Lobbying. Zudem bringt die Basler Fachorganisation Arbeitskreis Tourismus
und Entwicklung auf dem Reiseportal "Fair unterwegs" die aktuellen Zahlen
und Fakten aus entwicklungspolitischer Sicht zur wirtschaftlichen Bedeutung
des Tourismus [2].
Tourismus kann in Deutschland meist als Schwerpunkt innerhalb der BWL, im
Rahmen der Geographie oder als eigener Studiengang Tourismus/Touristik oder
Tourismus-BWL studiert werden. An der Fachhochschule Eberswalde existiert
ein Studiengang nachhaltiger Tourismus.
Amerikanische Touristin in Malaysia (1967)
Kritik [Bearbeiten]
Der Anstieg des Tourismus hat in den bereisten Ländern und Regionen oft
gravierende Folgen für die einheimische Bevölkerung, für Natur und
Kultur[3]. Für die Touristen wird oft eine entsprechende Infrastruktur
(Hotelanlagen, Straßen, Transportmöglichkeiten bis hin zu eigens gebauten
Flughäfen) errichtet. Auf Natur, Kultur und traditionelle Strukturen wird
dabei oft keine Rücksicht genommen. Die Tourismuswirtschaft steht nicht in
Interessenharmonie mit der umländigen Bevölkerung. Es entstehen nicht selten
Touristenghettos. Auch kann es häufig zu einer Selbstzerstörung des
touristischen Potenzials kommen, da Massentourismus für viele Feriengäste
nicht attraktiv ist und auch die Natur von den aus dem Boden gestampften
Hotels nicht mehr eine derartige Attraktivität aufweist.
Kulturelle Auswirkungen [Bearbeiten]
Je stärker die Anpassung an die Erfordernisse der Tourismuswirtschaft
erfolgt, desto eher werden lokale kulturelle Traditionen nur noch als Show
und Inszenierung für die Touristen weitergeführt. Der Tourismus wird so zur
Monokultur, der sich ganze Landstriche aus Profitgründen unterordnen. Der
Tourismus ist damit, wie auch die Unterhaltungsindustrie, Teil der
ökonomischen Globalisierung, die in vielen Teilen der Welt zu einer „Verwestlichung“
führt. Touristen reisen in als solche beworbene und wahrgenommene „exotische
(Urlaubs-)Paradiese“ und tragen gerade dadurch mit dazu bei, dass die
kulturellen Eigenheiten dieser Länder zurückgedrängt werden. Das „Fremde“
wird den Wünschen der Gäste und den Vorgaben der Reiseveranstalter angepasst
und damit letztlich zur Kulisse.
Letztlich entsteht so ein Teufelskreis. Denn die Touristen wiederum spüren,
dass die traditionelle Gastfreundschaft der Einheimischen vielerorts
pragmatischem Geschäftssinn gewichen ist, beklagen sich über
„Touristenfallen“, den Verlust der Ursprünglichkeit der Region und fühlen
sich schlimmstenfalls „gemolken“. Das wiederum führt zu einem weiteren
Verlust des oftmals ohnehin schon gering ausgeprägten Respekts gegenüber den
Einheimischen und ihren Belangen.
Ein großer Teil des zunehmenden Flugverkehrs dient dem Tourismus
Umweltschäden [Bearbeiten]
Beträchtlich sind auch die Schäden an Umwelt und Natur: Zu nennen ist
zunächst die durch die Reisetätigkeit hervorgerufene Luftverschmutzung. Die
Schwefeldioxid- und Kohlenmonoxid-Belastung selbst in kleineren
Fremdenverkehrsorten wie Davos oder Grindelwald erreicht oft das in
Großstädten übliche Niveau und überschreitet bisweilen die in den USA
zulässigen Grenzwerte. Fatal wirkt sich die bevorzugte Nutzung
emissionsintensiver Verkehrsmittel wie Auto und Flugzeug aus. Aber auch
Wasser und Boden sind vielfachen Belastungen etwa durch das Öl von
Kraftfahrzeugen und Sportbooten, aber auch die Sonnenschutzmittel der in
großer Zahl etwa die Mittelmeerküsten belagernden Badereisenden ausgesetzt.
Ein großes Problem stellt der von Touristen zurückgelassene Müll dar. Zum
einen fällt er im Urlaubsort in größeren Pro-Kopf-Mengen an als zuhause. Vor
allem aber kann er etwa in Gebirgsgegenden oder an Stränden häufig nur mit
ungleich größeren Schwierigkeiten entsorgt werden als in den ausgebauten
Infrastrukturen der Städte. Die allein in den österreichischen Alpen
zurückgelassene Abfallmenge wird auf jährlich ca. 4.500 Tonnen geschätzt,
die Abwassermenge auf 90.000 Kubikmeter.
Weiters führt Tourismus zum verstärkten Verbrauch natürlicher Ressourcen: So
bringt etwa gerade in Ländern der Dritten Welt die Lebensweise westlicher
Touristen mit ihren Klimaanlagen und Swimmingpools einen problematischen
Anstieg des Energie- und Wasserverbrauchs mit sich. Letzterer verursacht
häufig ein Absinken des Grundwasserspiegels mit all seinen Konsequenzen für
die örtliche Trinkwasserversorgung und die Bewässerung in der
Landwirtschaft.
Schließlich beeinträchtigt Tourismus vielfach auch bestehende Naturräume,
Biotope und Ökosysteme, und damit die Lebensgrundlage für Tiere und
Pflanzen. Teilweise ist dies auf die mit der Errichtung von Unterkünften und
Ferienanlagen typischerweise verbundene Bodenversiegelung zurückzuführen. Zu
nennen sind weiters die u. a. durch Rodungen für Skipisten, Langlaufloipen
und Wanderwege bedingte Erosion, die Schädigung von Wasserbiotopen durch
Segler, Surfer und Taucher, sowie die Störung der einheimischen Tierwelt
etwa durch Langläufer und Tiefschneefahrer.
Genannt sei in diesem Zusammenhang schließlich auch die ästhetische
Verunstaltung gewachsener Natur- und Kulturlandschaften durch touristische
Infrastrukturen.
Nicht vergessen werden darf allerdings auch, dass die ökonomischen
Interessen der mächtigen und finanzstarken Tourismuswirtschaft vielfach aber
gerade auch zum Schutz und Erhalt gefährdeter Naturräume beigetragen haben.
Eine intakte und ästhetisch reizvolle Umwelt ist ein vielbeworbenes Angebot
der Tourismus-Branche. So wurden etwa Feuchtgebiete auf Jamaika und
kanadische Wälder ebenso aus touristischen Erwägungen erhalten und geschützt
wie afrikanische Großwildbestände oder Bauernhäuser in der Toskana. Daneben
hat der Fremdenverkehr vielerorts vom Niedergang bedrohte Wirtschaftszweige
erhalten und - wie etwa in den Westalpen - der Entvölkerung ganzer
Landstriche entgegengewirkt.
Radikale Tourismuskritik [Bearbeiten]
Während viele Kritiker vor allem die Folgen des Tourismus beschreiben,
stellte der französische Filmemacher und Situationist Guy Debord (1931-1994)
in „Die Gesellschaft des Spektakels“ den Tourismus selbst in Frage. Er
beschrieb das „Wesen des Tourismus“ in folgender Weise: „Das Nebenprodukt
der Warenzirkulation, die als Konsum betrachtete menschliche Zirkulation,
das heißt der Tourismus, lässt sich im wesentlichen auf die Muße
zurückführen, das zu besichtigen, was banal geworden ist. Die
wirtschaftliche Erschließung des Besuchs verschiedener Orte ist bereits von
selbst die Garantie ihrer Äquivalenz. Dieselbe Modernisierung, die der Reise
die Zeit entzogen hat, hat ihr auch die Realität des Raums entzogen.“
„Sanfter Tourismus“ als Gegenmodell [Bearbeiten]
Seit Beginn der 1980er Jahre entstand eine Gegenbewegung zum
Massentourismus, der „Sanfte Tourismus“. Dabei sollen Vorstellungen eines
umwelt- und sozialverträglichen Reisens zu einer Lösung, zumindest aber
Entschärfung, der mit dem Tourismus verbundenen Probleme beitragen. Er
fördert die nachhaltige Nutzung touristischer Gegebenheiten, Respekt vor den
kulturellen Traditionen der bereisten Länder und einen schonenden Umgang mit
den natürlichen Ressourcen. Während Hauptträger dieser Bewegung eher
problembewusste Individualreisende sowie kleinere alternative
Reiseveranstalter sind, werden einzelne Elemente aber auch - schon aus
Imagegründen - von den etablierten Marktführern der Tourismusbranche
aufgegriffen. Inzwischen ist der Begriff "Sanfter Tourismus" durch den
Begriff "nachhaltiger Tourismus" abgelöst worden.
Fairer Handel im Tourismus [Bearbeiten]
Mit seinen klaren Grundsätzen zur Förderung von benachteiligten Produzenten
und Arbeitnehmern eröffnet der Faire Handel auch im Tourismus einen
konkreten Weg für eine sozial gerechte und nachhaltige Entwicklung. Dazu hat
der Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung zusammen mit Partnern aus Süd und
Nord Konzeptarbeit geleistet und anhand von Praxisbeispielen Grundlagen
entwickelt, die den Aufbau des zukunftsweisenden Fairen Handels im Tourismus
ermöglichen. Analog zum Fairen Handel bei Produkten hat der Faire Handel im
Tourismus zum Ziel, die Lebensbedingungen von Tourismusangestellten und
Kleinunternehmern zu verbessern, ihre Lebensgrundlagen zu sichern und ihnen
eine würdige Existenz zu ermöglichen.
Zentral für den Fairen Handel im Tourismus ist ein gerechter Austausch
zwischen allen beteiligten Akteuren. Dazu sind alle Akteure gefordert, auf
ihrer jeweiligen Ebene fair zu handeln, Transparenz über ihre Aktivitäten zu
schaffen und im vollen Respekt von Demokratie und Partizipation
gleichberechtigte, partnerschaftliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.
Produkte des Fairen Handels sind in der Regel durch ein Label
gekennzeichnet, das Konsumenten gegenüber die Einhaltung der
Fairtrade-Kriterien deklariert. Unter der Vielzahl an Labels im Tourismus
zertifiziert erst ein einziges, nämlich das Gütesiegel von Fair Trade in
Tourism South Africa (FTTSA), Angebote wie Hotels und Ausflüge nach den
Grundsätzen des Fairen Handels. Derzeit laufen auf internationaler Ebene
erste Abklärungen, ob und wie im Rahmen des für die Fairtrade-Zertifizierung
weltweit massgeblichen Dachverbandes Fairtrade Labelling Organizations
International (FLO) der Tourismus bewertet werden kann. Ziel der Entwicklung
des Fairen Handels im Tourismus ist nicht, einfach eine neue Nische zu
schaffen, sondern konkret den Weg zu weisen, wie die gesamte
Tourismusbranche sozial gerechter wirtschaften kann. Die Herausforderung ist
dabei, einen Tourismus zu realisieren, der umfassend – ökonomisch,
ökologisch und sozial – nachhaltig ist bzw. zur nachhaltigen Entwicklung
beiträgt und den Erwartungen der Reisenden nach einem attraktiven erholsamen
Urlaub ebenso nachkommt wie denjenigen der Einheimischen am Reisezielort
nach neuen Einkommen, dem Respekt ihrer Lebensgrundlagen und kulturellen
Vielfalt sowie ihrer Würde [4].
Zukunftsaussichten [Bearbeiten]
Prognosen über die Entwicklung des Tourismus begegnen erheblich größeren
Schwierigkeiten als in anderen Wirtschaftszweigen. Zum Teil hängt dies damit
zusammen, dass zentrale ökonomische Begriffe im Tourismusbereich oft weniger
eindeutig definiert sind. Schwieriger zu fassen ist bereits das touristische
Produkt: Nachgefragt werden von den Reisenden nämlich nicht nur materielle
Leistungen wie Unterkünfte oder Transfers, sondern auch und sogar in erster
Linie immaterielle "Attraktionen" wie Sehenswürdigkeiten, reizvolle
Landschaften, bestimmte Wetterverhältnisse, Urlaubsglück und Erholung,
Stimmungen und Träume aller Art, die schwer herstellen- und zu erneuern sind
und sich ökonomischen Bewertung zu entziehen scheinen. Auch der touristische
Konsum lässt sich nur schwer quantifizieren, werden doch viele von Touristen
nachgefragten Waren und Dienstleistungen wie etwa Leistungen der Gastronomie
und des Verkehrsbereichs auch von Einheimischen genutzt, ohne dass eine
Abgrenzung möglich wäre. Auch fehlt es an zuverlässigen Methoden den
Kapitaleinsatz zu berechnen. Die Tourismuswissenschaft ist jedoch dabei,
solche Methoden zu entwickeln.
Die Unschärfe der Begriffe erschwert auch die Erhebung einer verlässlichen
Datenbasis. Als weitere Unwägbarkeit kommt hinzu, dass das
Nachfrageverhalten der Touristen in weitaus stärkerem Maße von irrationalen,
subjektiven Determinanten bestimmt wird als das anderer Marktteilnehmer. In
die Entscheidung fließen oft diffuse, von Zeitströmungen, Modetrends und
kulturellen Prägungen abhängige Erwartungen, Bedürfnisse und Motive ein, die
schwer analysierbar sind und auch durch gezielte Produktwerbung nur in sehr
begrenztem Maße manipuliert werden können. Schließlich ist das touristische
Produkt weder transport- noch lagerfähig: Es muss am Ort seiner Entstehung
zu einem bestimmten festgelegten Zeitpunkt konsumiert werden, der Reisende
muss sich also termingerecht zum Produkt hinbegeben. Unvorhersehbare
Störungen wie etwa Naturkatastrophen, Terrorismus, Bürgerkriege und Streiks
wirken sich daher auf den Tourismus erheblich fataler aus als auf andere
Branchen.
Erstaunlicherweise "erholen" sich Zielgebiete die von Terroranschlägen und
daraufhin von Gästerückgängen betroffen waren - wie z.B. Ägypten - mitunter
relativ schnell. Das Urlaubergedächtnis für solche Ereignisse ist offenbar
sehr vergesslich.
All diese Probleme führen dazu, dass ökonomische Theorien nur sehr
allgemeine und pauschale Aussagen zur Entwicklung der Tourismusbranche
treffen können, wie etwa dass die Kosten der Raumüberwindung weiter abnehmen
werden, eine stärkere Diversifizierung bei Angebot und Nachfrage zu
beobachten sein werde, und die Ferien "in vielen Fällen durch mehr als ein
Motiv bestimmt" sind. Vereinzelte Versuche, durch eindrucksvolle
mathematische Formeln und Modelle ein objektiv nicht vorhandenes Maß an
Objektivität und Rationalität vorzutäuschen, vermögen daran nichts zu
ändern. Die Tourismuswissenschaft ist - trotz aller Schwierigkeiten - jedoch
dabei, aussagekräftige Methoden der Marktforschung zu entwickeln.
Die Schwierigkeit bei der Aufstellung verlässlicher Prognosen hat immer
wieder zu Fehlinvestitionen geführt. Bekanntestes Beispiel ist der 1992
eröffnete Freizeitpark Eurodisney bei Paris, der seinen Betreibern allein in
den ersten beiden Jahren fast eine Milliarde Euro Verlust eingebracht hat.
(Schreibt jedoch inzwischen schwarze Zahlen.) Aber auch groß angelegte
Ferienanlagen an der Costa del Sol und den Westalpen sowie der verstärkte
Ausbau der Hotelkapazitäten in westdeutschen Großstädten in den 1970er
Jahren haben sich als ökonomische Fehlschläge erwiesen.
Zu den wichtigsten determinierenden Zukunftsfaktoren des Fern-Tourismus
dürfte künftig die Entwicklung des Erdölpreises gehören. Da der
Fern-Tourismus in erster Linie mit dem Flugzeug abgewickelt wird, kann ein
stetig ansteigender Kerosinpreis - zum Beispiel im Rahmen des
Peak-Oil-Phänomens oder aufgrund von politischen Krisen- und damit
einhergehenden Treibstoff-Verknappungslagen - direkt das Nachfrageverhalten
der Kundschaft beeinflussen. Es wird bei Experten (etwa bei der
"Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH", einer Gründung des einstigen
Flugpioniers Ludwig Bölkow, oder bei der "Deutschen Bank") damit gerechnet,
dass sich schon auf mittlere Sicht der Tourismus stärker auf den nationalen
bzw. regionalen Nahbereich konzentrieren und der Fern-Tourismus in gleichem
Maße an Bedeutung verlieren könnte, wie die Treibstoffpreise weltweit
ansteigen werden.
Bislang ist von diesen prognostizierten Entwicklungen jedoch nichts zu
spüren. Im Gegenteil erleben Billig-Fluglinien einen Boom. Auslandreisen
gehen nicht dauerhaft zurück.
Quelle: Wikipedia - Die
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